Österreich

Baby in Spital mit 48 Grad heißem Wasser verbrüht

Die Wiener Pflege- und Patientenanwaltschaft dokumentiert in ihrem Jahresbericht erschreckende Fälle. So wurde etwa ein Baby im Spital verbrüht.
Christine Ziechert
23.06.2023, 05:16
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Die Wiener Pflege- und Patientenanwaltschaft (WPPA) hilft Patienten sowie deren Angehörige bei der Klärung vermuteter medizinischer oder pflegerischer Behandlungsfehler. Auch bei der außergerichtlichen Geltendmachung von Schadenersatzansprüchen wird unterstützt.

Auch im Tätigkeitsbericht 2022 werden zahlreiche schwere Fehler in Spitälern und im niedergelassenen Bereich aufgelistet. Viele Fälle gingen auch tödlich aus. Insgesamt gab es 9.691 Anfragen, davon wurden 2.973 zu Akten. 723 Fälle betrafen städtische Krankenanstalten, davon 229 das AKH, 104 die Klinik Donaustadt und 94 die Klinik Floridsdorf. Betroffen waren hauptsächlich die Abteilungen Orthopädie/Traumatologie, Chirurgie und Innere Medizin.

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100.000 Euro Entschädigung nur in einem Fall

Vergangenes Jahr wurden in 244 Schadensfällen finanzielle Entschädigungen in der Gesamthöhe von 2.296.761,21 Euro ausgehandelt. In 82 Fällen wurden zudem finanzielle Entschädigungen von insgesamt 1.119.136,30 Euro aus dem Patientenentschädigungsfonds zugesprochen. Nur in einem Fall wurde der Höchstbetrag von 100.000 Euro ausbezahlt.

Im Tätigkeitsbericht werden auch teils erschreckende Fälle angeführt. So starb etwa eine Dialyse-Patientin, weil ein Schlauch nicht richtig angeschlossen war – sie verblutete. 

Baby in 48 Grad heißem Wasser verbrüht

Besonders tragisch ist auch der Fall eines 22 Tage alten Babys. Das Neugeborene wurde von einer Pflegeassistentin im Spital gebadet. Diese trug aufgrund eines multiresistenten Keimes Handschuhe und hatte die Wassertemperatur nicht kontrolliert – diese betrug nach dem Baden 48 (!) Grad. Das Baby erlitt schwere Verbrühungen an den Oberschenkeln, dem Gesäß, dem Genitalbereich und auf dem Bauch.

Schilddrüsen-Krebs zu spät erkannt

Mit einjähriger Verspätung erhielt eine 36-Jährige die Diagnose eines Schilddrüsen-Karzinoms: Bei der Patientin war im Rahmen einer Gesundenuntersuchung in einem Diagnosezentrum ein Knoten in der Schilddrüse entdeckt worden, dennoch wurde der Calcitonin-Wert (erhöhter Calcitoninspiegel im Blut kann auf ein Karzinom hinweisen, Anm.) nicht erhoben.

Dies wurde erst ein Jahr später gemacht. Dabei wurde dann das Karzinom samt bereits gebildeter Metastasen entdeckt. Die konkreten Folgen durch die Diagnoseverzögerung konnten zwar nicht genau eruiert werden, es gab aber eine finanzielle Einigung mit der zuständigen Haftpflichtversicherung.

63-Jährige erhielt Medikament für Bettnachbarin

Schwere Folgen hatte auch eine Patienten-Verwechslung: Eine 63-Jährige erhielt in einem städtischen Spital ein Chemotherapie-Medikament, das eigentlich für die Bettnachbarin bestimmt war. Die Frau litt anschließend unter Nebenwirkungen wie starken Knochen-, Muskel- sowie Gelenksschmerzen und vorübergehenden Haarausfall.

Ein monatelanges Martyrium hat auch eine 46-jährige Patientin hinter sich: Die Frau ließ sich in einem Spital per Laparoskopie Zysten entfernen. Bereits am Tag nach der OP klagte sie über starke Bauchschmerzen. Doch erst am dritten Tag wurden diese genau untersucht.

Frau erlitt nach OP Blutvergiftung

Wie sich dabei zeigte, litt die 46-Jährige unter einer Sepsis (Blutvergiftung) und einer Bauchfell-Entzündung. Schuld daran war eine Perforation des Dickdarms, die laut WPPA aber nicht vom Operateur verursacht wurde. Die Patientin musste sofort operiert werden und erhielt einen künstlichen Darmausgang. Doch damit war die Genesung nicht abgeschlossen.

Die Frau landete auf der Intensivstation und musste in der Folge elf (!) Folge-Eingriffe über sich ergehen lassen, bis die Haut wieder verschlossen werden konnte. Zudem erhielt sie ein Tracheostoma (künstliche Öffnung an der Luftröhre, Anm.). Erst sechs Monate später konnten der künstliche Darmausgang und das Tracheostoma entfernt werden.

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