Badeschluss für Währinger Bad im Frühjahr 2019

Weil sich das "Tröpferlbad" nicht rentiert, wird es geschlossen. Auf dem Grundstück ist ein neuer Turnsaal für das benachbarte Gymnasium Klostergasse geplant.

Nur 4.445 Besucher hatte das Währinger Bad in der Klostergasse 27 (Währing) im vergangenen Jahr. Nach Auskunft der MA44 -Wiener Bäder nutzten 534 Personen das Brausebad, in die Sauna kamen 3.911 Gäste. Umgerechnet kamen also pro Tag nur etwa 12 Personen ins Währinger Bad – zu wenig für einen Fortbestand. Das Ende für eines der letzten Brausebäder Wiens soll aber gleichzeitig ein kleiner Neubeginn für die Schüler des benachbarten Bundesgymnasium in der Klostergasse 25 bedeuten.

Badegäste gehen, Schüler kommen

Wie der Sprecher der Bundesimmobiliengesellschaft, Ernst Eichinger im Gespräch mit "Heute" erklärt, ist geplant, das Währinger Bad zu kaufen, abzureißen und stattdessen einen neuen Turnsaal für das Gymnasium zu errichten. Der Plan ist Teil einer geplanten Grundstückstransaktion zwischen BIG und Stadt Wien.

Die Stadt soll von der BIG Liegenschaften in der Seestadt Aspern erhalten, um hier eine neue Zentralberufsschule für verschiedenen Berufszweige zu bauen. Im Gegenzug soll das Währinger Bad und eine Fläche in der Kleinen Sperlgasse (Leopoldstadt) an die BIG gehen, die hier Erweiterungsflächen für die benachbarten Bundesgymnasien plant. Zeitgleich zur Errichtung der neuen Zubauten sollen auch beide Schulen, sowohl in der Klostergasse 25 als auch in der Kleinen Sperlgasse 2C, saniert werden.

Architekturwettbewerb soll Ende 2018 starten

"Wir planen das Währinger Bad in nächster Zeit zu kaufen, diesbezügliche Vorgespräche mit der MA69 haben dazu bereits stattgefunden", so Eichinger. Der Architekturwettbewerb solle mit Ende 2018, Anfang 2019 ausgelobt werden.

Doch noch ist nicht sicher, ob das Bad überhaupt abgebrochen werden darf. "Das Währinger Bad liegt in einer Schutzzone, daher ist die Zustimmung der MA19 notwendig", heißt es von der Stadt Wien. Sobald die BIG als neuer Besitzer den Antrag auf Abriss gestellt hat, werde dieser von der MA 19 (Architektur und Stadtgestaltung) überprüft.

Die BIG zeigt sich aber zuversichtlich: "Wir gehen aufgrund der zahlreichen Vorgespräche davon aus, dass der Abbruch genehmigt wird", betonte Eichinger.

Einstimmige Beschlüsse für Schließung des Bads

Unterstützung für die Pläne der BIG kommt vom Bezirk Währing: In der Sitzung der Bezirksvertretung am 20. September sprachen sich alle Parteien einstimmig für die Schließung des Bads und für die Erweiterung des Gymnasium Klostergasse aus. Am 27. September gab auch der Wiener Gemeinderat dem Grundstückstausch einstimmig grünes Licht.

"Natürlich ist der Abbruch des Währinger Bades mit ein wenig Wehmut verbunden. Mir liegt der Erhalt von alten Gebäuden, vor allem im gründerzeitlichen Verbund, sehr am Herzen, aber hier ging es um eine Abwägung und darum für die Schüler mehr Platz zu schaffen. Es tut uns leid für die Besucher, dass sie das Bad nur mehr die heurige Wintersaison genießen können. Andererseits freuen wir uns auch, dass die Währinger Kinder in der Klostergasse mehr Platz und einen neuen Turnsaal bekommen", erklärt Währings Bezirkschefin Silvia Nossek (Grüne).

Turnsaal soll auch Dritten offen stehen

Wichtig ist dem Bezirk aber, dass der neue Turnsaal auch durch Dritte, wie beispielsweise Sportvereine genützt werden. "Ich habe die Bundesimmobilengesellschaft darum gebeten, schon in der Ausschreibung zum Architekturwettbewerb festzuhalten, dass der neue Turnsaal auch von außen leicht zugänglich ist und die künftigen Nutzer nicht durch die Schule gehen müssen. Das hat die BIG auch spontan zugesagt", so Nossek gegenüber "Heute".

"Tröpferlbäder": Erinnerung an lang vergangene Zeit

Das Währinger Bad ist eines von noch vier bestehenden Brausebädern, die durch die Stadt Wien als sogenannten "Volksbäder" in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts errichtet wurden, um der damals herrschenden katastrophalen Hygieneverhältnisse Herr zu werden.

Das einzige reine noch existierende Brausebad ist das Volksbad in der Friedrich Kaiser-Gasse 11 (Ottakring). Daneben gibt es in Wien noch einige Brausebäder mit Saunabetrieb, neben dem Währinger Bad zählen dazu etwa auch das Apostelbad (Landstraße) oder das Penzinger Bad (Penzing). (lok)

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