Ein Wiener mit türkischen Wurzeln nahm Donnerstag (5.9.) bereits zum zweiten Mal auf der Anklagebank Platz – Mordversuch lautete der Vorwurf. Beim ersten Prozess im Mai wurde das Urteil wegen Irrtums der Geschworenen ausgesetzt. Die Laienrichter hatten auf fahrlässige Körperverletzung entschieden, der Prozess musste nun nach Prüfung durch den Obersten Gerichtshof (OGH) wiederholt werden.
Der 63-Jährige hatte Anfang Dezember in der Bäckerei in Wien-Ottakring gekündigt, am 15. Dezember kam er mit einem Messer und einem Hackbeil zurück in die Backstube. Um 5.30 Uhr klopfte der Angeklagte an ein Fenster, ein ehemaliger Kollege (25) machte ihm auf. Er dachte, der 63-Jährige sei wieder eingestellt worden – der Irrtum endete für ihn beinahe tödlich.
Denn der Verdächtige war betrunken, wollte eine Aussprache mit seinem ehemaligen Chef. Doch der war nicht da. In der Bäckerei stach er dann offenbar auf seinen Nachfolger (25) ein, als dieser kurz auf sein Handy schaute. "Der versteht nichts von dieser Arbeit", meinte er in Hinblick auf den 25-Jährigen. Das Opfer erlitt eine Stichwunde in der Brust. "Ich wurde geschlagen und angegriffen. Der hat auf mich geboxt, als ich am Boden lag", behauptete der 63-Jährige nun vor Gericht, nachdem er bei der Polizei noch gemeint hat, er könne sich an nichts erinnern.
Das Opfer hatte großes Glück – Herz und Lunge wurden knapp verfehlt. Der 25-Jährige wehrte sich mit einem Besen, konnte so einen zweiten Stich verhindern und nahm dem 63-Jährigen das Hackbeil ab. Der Verdächtige verlor seine Brille am Tatort, rannte nach Hause. Dort legte er sich ins Bett, stellte sich schlafend. Wenig später holte ihn die Polizei aus den Federn. Der 25-Jährige habe ihn beim Chef "verpetzt" und sei mitschuld an seiner Kündigung.
Das harte Urteil Donnerstagnacht: 14 Jahre Haft wegen Mordversuchs. Der 63-Jährige meldete Nichtigkeitsbeschwerde und Berufung an – das Urteil ist somit nicht rechtskräftig!