Bahnlinie wird eingestellt: Kritik an Land und ÖBB

Der Bahnhof in Groß-Schweinbarth.
Der Bahnhof in Groß-Schweinbarth.Bild: Wikipedia/Florian Stöger (CC BY 4.0)

Mit Dezember wird die Bahnlinie Schweinbarther Kreuz eingestellt. Grüne und SP kritisieren dafür die VP heftig, die schiebt aber den ÖBB den Schwarzen Peter zu.

Die Bahnlinie Schweinbarther Kreuz im Osten Niederösterreichs ist ab Dezember 2019 nicht mehr im Fahrplan der ÖBB vorgesehen, wird also nach aktuellem Stand der Dinge eingestellt – das bestätigte ÖBB-Sprecher Christopher Seif am Mittwoch gegenüber "Heute". Eine Weiterführung wäre einfach nicht wirtschaftlich gewesen, die Auslastung war in den vergangenen Jahren viel zu gering.

Kritik von Rot und Grün an Schwarz

Dennoch setzt es für die Entscheidung jede Menge Kritik, auch am Land Niederösterreich. Denn erst vor einem Jahr hatte sich der damalige Verkehrslandesrat Karl Wilfing (VP) noch explizit für die Erhaltung des Schweinbarther Kreuz' ausgesprochen. Grünen-Sprecherin Helga Krismer kritisiert: "Eine wichtige öffentliche Verbindung einzustellen, ist der falsche Weg und zeigt die Prioritäten der ÖVP im Bereich öffentlichen Verkehr: medial und in öffentlichen Auftritten sich für die Bahnstrecke aussprechen und nun das Ende der Bahn zu verkünden."

Auch die Roten kritisieren die Entscheidung. Landtagspräsidentin Karin Renner sagt: "Anstatt für Entlastungen für PendlerInnen zu sorgen, werden öffentliche Verkehrs-Lebensadern einfach abgeschnitten. Soll das das in allen Sonntagsreden der ÖVP NÖ beschworene Förderungsprogramm für den ländlichen Raum sein?" Grüne und Rote wollen sich dafür einsetzen, die Bahnlinie noch zu retten.

Schwarze schieben Schwarzen Peter weiter

Seitens der Volkspartei kontert man und will den Schwarzen Peter an die ÖBB weiterschieben, verspricht aber auch Alternativen zur Bahn. "Das Land NÖ nimmt eine Entscheidung der ÖBB Infrastruktur zur Kenntnis. Landesrat Schleritzko arbeitet an einem System, das sogar ein besseres Angebot für die Region bringen soll. Dieses Angebot wird noch diese Woche mit den Gemeinden besprochen und auch präsentiert. Öffentlicher Verkehr ist mehr als nur Schiene – sollte man als selbsternannte Klimaretterin wissen", kommentiert VPNÖ-Verkehrssprecher Jürgen Maier.

Doch auch bei den ÖBB lässt man das nicht auf sich sitzen. "Es ist ja nicht so, als hätten die ÖBB diese Entscheidung im Alleingang getroffen. Land und Bundesministerium waren immer in die Entscheidungsfindung eingebunden. Auch der Rechnungshof hat die Unwirtschaftlichkeit der Bahnlinie kritisiert. In den vergangenen Jahren wurde viel diskutiert und genau analysiert. Das Ergebnis war, dass Zugverkehr hier wirtschaftlich keinen Sinn macht und zu wenig Potential für die Zukunft da ist", so Seif.

In Zukunft soll deshalb eine Buslinie die Bahnlinie ersetzen, das genaue Konzept obliegt dann dem Land und dem VOR. Zuletzt zählte man am Schweinbarther Kreuz täglich rund 700 Fahrgäste, wirtschaftlich vertretbar sei der Bahnverkehr laut Rechnungshof aber erst ab rund 2.000 Fahrgästen.

(M. Nowak)

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