Nach monatelangem, erfolglosem Tauziehen um eine bessere Entlohnung für die 40.000 Eisenbahner hat die Gewerkschaft Vida in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag in der achten Runde die Verhandlungen abgebrochen.
Die Eisenbahner kündigten bereits am Freitagfrüh Warnstreiks an. Nun, nach weiteren, internen Besprechungen ist fix: Ab Montag stehen die Züge im ganzen Land für zwei Stunden still. Ab 12 Uhr bis 14 Uhrwird gestreikt - um Pendler "nicht zu sehr zu treffen". Aber: Auch nach 14 Uhr seien noch Verzögerungen möglich, ein Chaos im Berufsrückreiseverkehr befürchtet.
Bahnfahrer müssen sich also für Anfang kommender Woche auf massive Probleme einstellen, denn nicht nur die ÖBB, sondern auch die Westbahn wird österreichweit unter den Streiks leiden. Wenn die Infrastruktur der Bahn steht, stehen auch die Züge.
Mit Verspätungen sei zu rechnen, sagte eine Westbahn-Sprecherin zu "Heute.at". Ob über den Montag hinaus noch weitere Streiks stattfinden, ist noch nicht fixiert. Weitere Details zu den am 26. November startenden Warnstreiks werden am Samstag bekannt gegeben.
vida-Chef Hebenstreit zeigte sich unzufrieden mit dem bisherigen Angebot. Er nannte die Summe von über 3 Prozent Plus "lächerlich". Die Arbeitgeber hingegen finden das Angebot "fair", 12-Stunden-Schichten seien "Routine". Die Flexibilität der Eisenbahner müsse abgegolten werden. Politische Motivation für den Streik gebe es keine.
„Die Arbeitgeber haben uns keine Wahl gelassen. Die Eisenbahnerinnen und Eisenbahner haben Österreich zum Bahnland Nummer eins in der EU gemacht und lassen sich nicht mit Almosen bei den Gehaltserhöhungen abspeisen. Das letzte Angebot der Arbeitgeber hat inflationsbereinigt im Schnitt lediglich 15 Euro brutto im Monat ausgemacht", ist Hebenstreit empört.
Man wolle ein "ordentliches Gesamtpaket mit höheren Einstiegsgehältern und weiteren Attraktivierungen im KV-Rahmenrecht", so der Vorsitzende des Fachbereichs Eisenbahn, Günter Blumthaler. Es werde schon jetzt mit mäßigem Erfolg Kopfprämien für die Anwerbung von Lokführern bezahlt. Wir müssen Zustände wie in Deutschland, wo längst ganze Bahnstrecken wegen Personalmangel im Schienenersatzverkehr geführt werden müssen, in Österreich unbedingt vermeiden, wenn wir das Bahnland Nummer eins bleiben wollen."
„Die Wirtschaftskammer agiert auch gegen die Fahrgäste und riskiert Verschlechterungen im System Bahn", so Hebenstreit. Schließlich haben sich in einer Fahrgastumfrage 90 Prozent der Befragten grundsätzlich mit der Entwicklung der Eisenbahn in Österreich sehr zufrieden oder zufrieden gezeigt. Betreffend der KV-Verhandlungen seien 80 Prozent der Befragten der Meinung gewesen, dass das Angebot der Arbeitgeber gar nicht bzw. nicht gerecht sei. „Das werden die Abreitgeber nicht einfach vom Tisch wischen können", sagt der vida-Gewerkschafter.
Verkehrsminister Norbert Hofer forderte die Gewerkschaft zu weiteren Verhandlungen auf: "Es wäre schade, wenn die Tarifverhandlungen bei den Eisenbahnern nun auf dem Rücken der Bahnkunden ausgetragen würden. Ich ersuche die Gewerkschaftsvertreter, wieder an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Österreichs Bahnbetriebe haben sich in den letzten Jahren weit über die Landesgrenzen hinaus einen hervorragenden Ruf erarbeitet. Diese positive Entwicklung verdanken wir in hohem Maße den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Branche. Es gilt, diesen hervorragenden Ruf zu bewahren."
Die ÖBB hätten durch eine freiwillige 3-prozentige Anhebung der Gehälter rückwirkend mit Oktober 2018 bereits einen großen Schritt für einen positiven Abschluss der Kollektivvertrags-Handlungen gemacht. „Ich bin daher der Meinung, dass es möglich sein müsste, einen gemeinsamen österreichischen Weg zu finden und die Verhandlungen ohne Streik zu einem guten Ende zu bringen", hält Hofer fest.
(red)