Darum gehört die Jogger am Balkan zum guten Ton

Laut Karl Lagerfeld verliert man die Kontrolle über sein Leben, wenn man eine Jogginghose trägt. Demnach herrscht am Balkan Anarchie.
Nach dem Aufstehen lege ich mir erstmal meine Kleidung für den Tag zurecht, bevor es ins Bad geht. "Gehst du heute zum Sport?", fragte mich meine Freundin letztens, als ich eine meiner feinsten Adidas-Hosen aus dem Kasten holte. Ich antwortete ihr mit einem entgeisterten Blick: "Mit der mache ich doch keinen Sport."



Die "Trenerka", wie die Jogginghose am Balkan genannt wird, ist alles andere als Kleidung für Sport. Sie gehört im Ex-Jugoslawien eher zum guten Ton. Jeder Balkaner, der etwas auf sich hält, hat mindestens ein Teil im Kasten liegen. Dabei ist ganz wichtig: Das Exemplar muss mindestens einen Streifen an der Seite haben. Ideal sind natürlich drei, aber das ist Geschmackssache.

Je weiter man in den Süden des Balkans kommt, umso höher wird die Jogginghosen-Dichte pro Person. In Slowenien finden sich ein paar wenige Ortschaften, in denen die Einwohner mit Trenerkas herumlaufen. In Montenegro hingegen findet man kaum mehr Menschen, die ohne Trainingshose auf die Straße gehen.

Über diesen Blog

Hallo und herzlich willkommen zu "Hajde", dem Balkan-Blog auf "Heute.at"! Unser Blogger ist zwischen Sarma und Wiener Schnitzeln aufgewachsen. Wie das so ist? Er verrät´s euch in seinen Kolumnen. Übrigens: "Hajde" bedeutet auf Deutsch so viel wie "Los geht´s!"

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CommentCreated with Sketch.14 zu den Kommentaren Arrow-RightCreated with Sketch. Eine Erklärung dafür: Viele Menschen schlagen sich mit Gelegenheitsjobs durch, die in der Regel nicht länger als zwei Stunden dauern. Dann geht es eben mit der "Jogger" auf die Baustelle. Trifft man sich im Anschluss zu einem Essen mit Freunden, zahlt es sich gar nicht aus, die Hose zu wechseln. Denn kurz darauf winkt schon der nächste Job.

Anstatt sich für die Trenerka zu schämen, weil die zeigte, dass man keinen Full-Time-Job hat, machte das Volk sie einfach zum "Must-Have". Gleichzeitig grenzte man sich damit von der Elite der Anzugträger ab, mit der man ohnehin nichts zu tun haben will. Die Jogginghose wurde sozusagen zur Uniform der kleinen Leute.

Nachdem es in den 90er-Jahren die "Gastarbeiter" aus dem Balkan in den Norden zog, packten sie auch alle gleich ihre Trenerkas mit ein. Denn nur weil man plötzlich Mittel- und Nordeuropa lebte, wollte man nicht auf das Heiligste verzichten. Auch wenn die Jogginghose dort zunächst nur sehr wenig Anerkennung fand.



Am deutlichsten wurde der Modezar Karl Lagerfeld im Jahr 2012, als er meinte: "Wer eine Jogginghose trägt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren." Das sagte er aber wohl auch nur, weil er schon spürte, dass sich die Trainingshose immer mehr in die Mode-Welt hinein fraß. Was passierte als nächstes? Karl Lagerfeld knickte ein. Ob er selbst die Kontrolle über sein Leben verlor? Jedenfalls begann er, Jogginghosen zu designen.

In den letzten Jahren trauten sich schließlich auch die Reichen und Schönen ihre Trenerkas öffentlich zu präsentieren. Egal ob US-Rapper oder Schauspiel-Starlett. Es gibt wohl kaum einen Promi, der nicht schon einmal ein Foto in einer Jogginghose gepostet hat. Und damit meine ich keine Bilder auf denen sie Sport machen.



Kendall Jenner hat es mit den Streifen ein wenig übertrieben



Designer Marc Jacobs interpretiert die Trenerka auf seine Art



Drake zieht die Trenerka auch für seine Shows an

Ich muss zugeben: Je mehr Stars die Trainingshosen anziehen, umso schwerer tue ich mir dabei, mit meiner spazieren zu gehen. Denn irgendwie wollten wir Jugos und ja von denen da oben distanzieren. Und jetzt haben sie doch tatsächlich unseren Style geklaut.

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