So feiert die Balkan-Gay-Community in Wien

Der Umgang mit Homosexualität am Balkan sei eine "traurige G'schicht", sagt einer, der es wissen muss. In Wien hat die Community nun ihre eigene Veranstaltungsreihe ins Leben gerufen.
Homophobie ist am Balkan immer noch weit verbreitet. Unter Protesten fand in Sarajevo unlängst die allererste Gay-Pride in der Geschichte des Landes statt. Die Teilnehmer wurden im Vorfeld wüst beschimpft, Fußball-Hooligans des Hauptstadtvereins FK Željeznicar verlangten gar ein Verbot.

Zudem hängten sie die Flagge von Brunei auf. Eine ziemlich unmissverständliche Botschaft: In Brunei war kurz zuvor ein Gesetz für die Todesstrafe für Homosexuelle verabschiedet worden. Der Verein musste keine Konsequenzen für die Aktion tragen.



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Hallo und herzlich willkommen zu "Hajde", dem Balkan-Blog auf "Heute.at"! Unser Blogger ist zwischen Sarma und Wiener Schnitzeln aufgewachsen. Wie das so ist? Er verrät's euch in seinen Kolumnen. Übrigens: "Hajde" bedeutet auf Deutsch so viel wie "Los geht's!"

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Die Regenbogenfahne zählt auch in Serbien und Kroatien vielerorts als Symbol der Beleidigung. Das Wort "Schwuler" wird offen benutzt, um beispielsweise Politiker zu attackieren. Kein Wunder also, dass die LGBTIQ-Community oft lieber unsichtbar bleibt.

"Traurige G'schicht"



Ein Teil der Gay-Community in Wien hat nun allerdings genug von dem Versteckspiel. Die Veranstaltungsreihe "Balkan Love - Queer and Friends" möchte homosexuellen Menschen ein Gesicht geben. Jeden ersten Samstag im Monat werden im Club Marina, in Wien-Landstraße, die Tore für die LGBTQ-Community geöffnet. Gegenüber "Heute.at" erklärt der Initiator, dass er es schlicht und ergreifend traurig fand, dass es solche Events nicht gibt. Deshalb beschloss er, die Sache selbst in die Hand zu nehmen.

Wie tabubehaftet das Leben als Homosexueller vom Balkan sein kann, wird bei einem Besuch des Events deutlich. Mehrere Personen geben im Gespräch mit "Heute.at" an, ein Doppelleben zu führen oder geführt zu haben. Das heißt: Frau, Haus und Kinder – so wie es die Tradition am Balkan eben vielerorts noch verlangt.

Fotos? Nein, danke!



"Ein Outing ist nicht so einfach, wie in der österreichischen Kultur", heißt es von mehreren Seiten. "Traurige G'schicht", meint einer der Besucher trocken. Erst kürzlich sei das Thema Homosexualität an einem Familientreffen zufällig aufgekommen, erzählt ein anderer. Der Tenor sei klar gewesen: Einen schwulen Sohn möchte man auf gar keinen Fall haben.

Auch wenn die Veranstaltungsreihe einen ersten Schritt in Richtung Sichtbarkeit bietet, möchten viele Teilnehmer dennoch weiterhin unter dem Radar bleiben. Der Organisator erzählt, dass er nach jedem Event Anfragen von Personen bekommt, die beim Clubbing waren und online ihre Fotos entdeckt haben. Viele würden darum bitten, dass die Bilder gelöscht werden. Teilweise auch in sehr rauem Ton: "Sie fragen mich, ob ich überhaupt weiß, was ich damit anstelle". Insgesamt seien die ersten Reaktionen aber "überwiegend positiv".

Gogo-Tänzer statt Live-Band



"Balkan Love" nimmt einzelne Elemente von klassischen Balkan-Events auf, unterscheidet sich in anderen aber auch bewusst davon. So punkten Balkan-Clubs gerne mit Live-Musik, an der LGBTQ-Party sind hingegen eher Gogo-Tänzer oder Kabarett-Einlagen von Stars aus dem Balkan angesagt.

Wenn man schon einen Raum habe, in dem man sich offen ausleben könne, dann wolle man diesen auch nutzen, heißt es. Und sich selbstbewusst vom homophoben Teil der eigenen Kultur abgrenzen. "Balkan Love" solle ganz einfach ein Raum sein, in dem jeder willkommen ist.



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