Balkan-Mamas größte Angst: Ich, unverheiratet

Wenn es auf die 30 zugeht, dann erwartet die Gesellschaft so einiges von einem. Zumindest am Balkan. Wobei: Eigentlich erwartet man vor allem eines.
Am Balkan gibt es ziemlich viele ungeschriebene Gesetze. Wenn du auf die 30 zugehst, dann heißt das oberste Gebot: Heiraten. Und zwar lieber heute als morgen.

Wer nicht daran denkt, sein ungebundenes Dasein aufzugeben, der kann sich seinen Status als Liebling der Familie mit ziemlich großer Wahrscheinlichkeit abschminken. Egal, wie viel Schokolade und Geld man als Kind von den lieben Verwandten bekommen hat: Läuten vor 30 nicht die Hochzeitsglocken, muss man froh sein, wenn die "Gaben" nicht zurückgefordert werden.

Ich erinnere mich, wie ich meiner Mama meine erste Freundin vorgestellt habe. Direkt danach fragte mich meine Mutter (natürlich auf Kroatisch): "Wann ist die Hochzeit?" - Ich war zu dem Zeitpunkt 16 Jahre alt.



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Aus Schmäh wurde Ernst

Es ist möglich, dass sie die Frage damals als Scherz gemeint hat. Mit den Jahren kam das Thema aber immer häufiger auf. Der Ton wurde verzweifelter. Ernster.

CommentCreated with Sketch.13 Kommentar schreiben Arrow-RightCreated with Sketch. So richtig schlimm wurde es aber erst, als wir unsere Familie "unten" besucht haben. Wir aus Österreich werden am Balkan ja sowieso als eine Art Aliens betrachtet. Wir sind nun mal diejenigen, die es in der großen, weiten Welt "geschafft" haben. Aber das ist eine andere Geschichte.

Meine Mama erzählte natürlich ganz Ex-Jugoslawien davon, dass ich nun seit längerer Zeit ein Mädchen an meiner Seite habe.


Fakt ist, dass ich beim Besuch der lieben Verwandten von Jahr zu Jahr kritischere Blicke kassiert habe. Der Grund: Meine Mama erzählte natürlich ganz Ex-Jugoslawien davon, dass ich nun seit längerer Zeit ein Mädchen an meiner Seite habe. Auf diese "frohe Botschaft" hin, hat mich die ganze Familie bereits mit Smoking erwartet. An meiner Seite natürlich meine Angebetete.

Groß war dann die Enttäuschung, als ich dann in Jeans und unifarbenem T-Shirt ankam. Noch dazu ohne Freundin. Ich wollte ihr diesen plötzlichen Kulturschock noch ersparen. Denn: Sie kommt nicht vom Balkan. Es bedurfte einer langen Vorbereitungsphase, um sie der ganzen Familie vorzustellen. Auch dazu später mehr.

Ich bin von allen Punkten auf der imaginären "Jugo-To-Do-Liste" weit entfernt.


Jedenfalls: Die Reaktionen auf meinen Solo-Auftritt sprachen für sich. Meine Mutter winkte resigniert ab. Übersetzung der Geste: "Er ist ein hoffnungsloser Fall." Die Onkel und Tanten schienen am Boden zerstört. Allein schon die Tatsache, dass meine Freundin nicht vom Balkan kommt, war ein Stich in das Herz der ganzen Familie. Verstoßen wurde ich zwar nicht, glaube aber heute noch, dass ich dem Szenario nur sehr knapp entkommen bin.

Mittlerweile bin ich 26. Laut Balkan-Maßstab müsste ich längst verheiratet sein, drei Kinder haben und ein Haus in der alten Heimat besitzen. Selbst gebaut, versteht sich. Ich bin jedoch von allen Punkten auf der imaginären "Jugo-To-Do-Liste" weit entfernt. Besonders vom Haus, da ich handwerklich sehr ungeschickt bin (übrigens auch ziemlich verpönt in den Ländern des ehemaligen Jugoslawiens).

Wahrscheinlich bin ich für meine Familie am Balkan bereits kein "Jugo" mehr. Das einzige Rezept, um meinen Ruf wiederherzustellen, wäre nun wohl eine Hochzeit der Superlative. Was meint ihr – lohnt sich das?

Ich freue mich auf euer Feedback unter balkanblog@heute.at

>>>> Lesen Sie auch: Fluchen mit Balkan-Mama – ein Crash-Kurs (slo)

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