Wien

Banden-Boss beschimpft seine Verteidiger vor Gericht

Nach dem Tipp der Haushälterin hatte die Bande eine Wiener "Wahnsinnsvilla" ausgeräumt, die Besitzerin gefesselt. Sie fassten Haftstrafen aus. 
Heute Redaktion
11.07.2023, 17:40
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Eigentlich handelt es sich bei den beiden Angeklagten (43, 54), die am Dienstag in Wien vor Gericht standen, um "Fensterbohr-Profis". Sie waren darin spezialisiert, Fenster- und Türrahmen so anzubohren, dass sie durch die Löcher eine Drahtschlinge ziehen konnten. Dadurch löst sich die Verriegelung und man kommt ins Innere.

Täter ließen gefesseltes Opfer "einfach liegen"

Trotz dieser doch relativ schonenden Einbruchs-Methode, schreckten die zwei Männer bei der Ausführung ihrer Coups offenbar auch vor Gewalt nicht zurück: Am 28. Mai 2019 waren sie – nach dem heißen Tipp der Haushälterin – in die Döblinger Villa einer älteren Dame eingestiegen. Die Besitzerin wurde durch Geräusche auf den Einbruch aufmerksam und ging in das Zimmer, in der sich ihr Tresor befand. Die beiden Einbrecher gingen zum Angriff über, fesselten die Villenbesitzerin mit einem Kabel und Tuch und ließen sie "einfach liegen", schilderte Staatsanwältin Franziska Fent bereits an einem vorhergegangenen Prozesstag die Geschehnisse.

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Danach flüchteten die Kriminellen mit einem Porsche Cayenne nach Ungarn. Mit dabei hatten sie Schmuck im Wert von 800.000 Euro. Beim ersten Einbruch in die Villa im Jahr 2018 hatten die Langfinger den Tresor noch übersehen. Doch die Beute war auch beim ersten Coup in der Döblinger Villa nicht von schlechten Eltern: Die Männer konnten damals mit 15 bis 20 Armbanduhren im Wert von 100.000 Euro, einer Münzsammlung und mit einer größeren Summe Bargeld entkommen.

Ehepaar war Kopf der Einbrecher-Bande

Die beiden "Fensterbohrer" waren aber nur die ausführenden Organe. Hauptangeklagt war ein Ehepaar (50, 53). Bei den Ungarn soll es sich um die Drahtzieher und Köpfe der kriminellen Vereinigung handeln. Am letzten Verhandlungstag hatte die Haushälterin – sie erhielt aufgrund ihrer Mitwirkung bei der Klärung der Home Invasion Kronzeugenstatus – gegen die mutmaßlichen Chefs der Bande aus. "Die zwei sind der Kopf der kriminellen Vereinigung. Lassen Sie sich nicht von ihrem Aussehen täuschen! Die beiden haben das Sagen und das Geld", sagte Staatsanwältin Franziska Fent laut APA in ihrem Schlussvortrag in Richtung des Schöffensenats.

Banden-Boss verliert nach Urteilsverkündung die Nerven

Das Ehepaar wurde zu dreieinhalb Jahren unbedingter Haft verurteilt. Nach der Urteilsverkündung kam es zu einem Eklat im Gerichtssaal: Der 53-jährige Banden-Boss beschimpfte die Rechtsvertreter von ihm und seiner Frau. Ihre Verteidiger Philipp Wolm und Peter Philipp legten daraufhin ihre Vollmacht zurück.  Der 53-Jährige entschuldigte sich und nahm die Strafe an, seine Frau folgte dem Beispiel. Weil die Staatsanwältin keine Erklärung abgab, sind die Urteile nicht rechtskräftig.

Das mehrfach einschlägig vorbestrafte Einbrecher-Duo (43, 54) fasste fünf beziehungsweise viereinhalb Jahre Haft aus. Ihre Urteile sind ebenfalls nicht rechtskräftig.