Kuschelkurs statt hartem Battlerap beim Soundclash

Der "Red Bull Soundclash" in Stuttgart entpuppte sich als harmonisches Miteinander. Von brutalem Schlagabtausch keine Spur.
Hohe Jogginghosen-Dichte, Altersdurchschnitt um die 20 Jahre, vielleicht sogar darunter und all das in einer großen Arena. Das kann nur eines bedeuten: Hier findet ein Rap-Konzert statt. Am Dienstag war die Schleyer-Halle in Stuttgart das Mekka für alle Hiphop-Fans. Denn angekündigt wurde eine Show der Superlative.

Das Konzept: Alle gegen Bausa. Bei Bausa handelt es sich um einen Rapper der in der Champions League der deutschen Musikszene spielt. Mit seinem Song "Was du Liebe nennst" konnte er Diamant-Status erreichen. Das gelang keinem Rapper zuvor. Deshalb ließ man die geballte Ladung Hiphop auf ihn los. Seine Gegner: Loredana, Summer Cem, Juju, Azet und Zuna. Der Wiener RAF Camora war ebenfalls angekündigt, sagte aber krankheitsbedingt kurzfristig ab. Statt ihm stand der aktuelle Durchstarter Apache 207 auf der Liste.

Zumindest in der ersten Runde wurde gedisst



CommentCreated with Sketch.0 zu den Kommentaren Arrow-RightCreated with Sketch. So zumindest die Theorie. Denn am Ende des Tages war von einem Battle nicht viel zu sehen. In der ersten Runde vielleicht noch am ehesten. Da stellte sich nämlich überraschenderweise Lena Meyer-Landrut dem Rapper entgegen. Die hatte zwar rein gar nichts mit Hiphop am Hut, war aber die einzige, die gegen Bausa stichelte. Sie coverte Nenas Hit "99 Luftballons" und fügte dabei die Zeile ein: "Alle Rapper wollen mich daten, ich bleib zu Hause alleine. Hab 99 Optionen, aber Bausa ist keine."

Der Held des Abends konterte damit, dass er "99 Schuhkartons" mit hätte, jedoch keinen für Lena, da "ihr Cover scheiße war". Da dachte man noch, dass die nachfolgenden Runden umso brutaler werden würden. Denn da würden die "echten Rapper" die Bühne betreten. Die hätten ja eine noch geringere Hemmschwelle, wenn es um Disses geht. Oder?

Rapper in Love



Falsch gedacht. Denn als Juju sich in der zweiten Runde Bausa in den Weg stellte, endete das vermeintliche Battle in einem Liebesduett. Inklusive Umarmung am Ende.

Auch bei Summer Cem erklärte Bausa, dass sie einen Song gemeinsam hätten. Da könnte es gar kein böses Blut zwischen ihnen geben. Die Folge: Ein Duett von dem Hit "Casanova".

Das Schema zog sich auch beim Überraschungsgast Rin durch, der aus Stuttgart kommt, ebenso wie Bausa. Dementsprechend laut war die Begrüßung der Fans. Battle gab es wieder keines. Dafür aber ein – richtig erraten – Duett.

Sogar im großen Finale, als Apache 207 auf die Bühne kam, war nicht der Hauch eines Disses zu vernehmen. Stattdessen erklärte der "Indianer", dass man den Song "Roller" gemeinsam singen würde. Duette soweit die Ohren reichten.

Beef gibt's nur noch im Restaurant



Da stellt sich die Frage, ist Hiphop tatsächlich so hart und brutal, wie sein Klischee ihn darstellt? Nach dem Abend in Stuttgart ist die Antwort ganz klar: Nein! In der aktuellen Szene geht es weniger ums Dissen, sondern vielmehr ums Feiern. Beef gibt es nur in den seltensten Fällen mehr. Die aktuelle Hiphop-Elite ist eng miteinander befreundet. Das wurde auch in der Schleyer-Halle deutlich. Niemand wollte seinen Kollegen zu nahe treten. Aus diesem Grund gab es bei dem "Battle" nur einen Sieger: die Harmonie.

Wobei – Lena wurde doch relativ hart gedisst mit einigen Sätzen. Sie hat verloren. So gibt es zumindest einen Verlierer. Den muss es doch geben...

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