Behörde zieht "Grapscher-Taferl" ein

Jahrzehnte lang fuhr Lorne Grabher mit seinem Wunschkennzeichen "Grabher" am Auto. Jetzt wurde es ihm verboten - seit Donald Trump sehen die Kanadier darin einen Aufruf zur Gewalt an Frauen.

Jahrzehnte lang fuhr Lorne Grabher mit seinem Wunschkennzeichen "Grabher" am Auto. Jetzt wurde es ihm verboten – seit Donald Trumps sexistischen Aussagen assozieren die Kanadier damit einen Aufruf zur Gewalt an Frauen.
"Grab 'em by the pussy!" ("pack sie an der Muschi"), sagte Donald Trump in einem Video aus dem Jahr 2005, das die "Washington Post" während des Wahlkampfs im letzten Herbst veröffentlichte. In den Wochen danach wurde Trump zwar stark für seine frauenfeindliche Aussage kritisiert, Konsequenzen im Bezug auf die Wahl hatte sie für ihn aber nicht.

Dafür hat ein Kanadier mit österreichischer Abstammung nun den sprichwörtlichen Scherm auf. Lorne Grabher aus der 90.000-Einwohner-Stadt Dartmouth in der kanadischen Provinz Nova Scotia an der Ostküste des Landes ist nun dank Trump sein Nummernschild los.

Kennzeichen ist nicht mehr gültig

Grabher, dessen Vorfahren aus dem Vorarlberger Lustenau stammen, schaffte sich 1991 sein Wunschkennzeichen "Grabher" an. "Ich wollte meinem Vater damit zu seinem 65. Geburtstag ein Geschenk machen", erklärte er gemäß "Vorarlberg Online".

Seither fuhr der 68-Jährige mit seinem Namen als Kennzeichen durch die kanadischen Straßen. Doch im Dezember erhielt er einen Brief vom Staat. Sein Autokennzeichen sei nicht mehr gültig, hieß es darin.

Die Öffentlichkeit erkenne nicht, dass es sich bei seinem Kennzeichen "Grabher" um seinen Familiennamen handle. Stattdessen würde der Name falsch interpretiert und für eine gesellschaftlich untragbare Aufforderung gehalten: Statt Grabher, "grab her" ("pack sie").

"Aufforderung zu Anwendung von Gewalt gegen Frauen"

Auf "CBC News" zeigt sich der Kanadier völlig perplex: "Wie kannst du meinen Namen für eine Aufforderung halten, wenn er es nicht ist?" Seit dem Bericht ist Grabhers Geschichte Thema in allen Medien Kanadas. "Woher nimmt sich die Provinz von Nova Scotia das Recht, einen Namen zu diskriminieren?", fragt ein kanadischer Staatsbürger.

Gegenüber "CBC News" rechtfertigte sich die zuständige Verkehrsabteilung schriftlich: "Es erreichte uns eine Beschwerde mit der Erklärung, dass mehrere Personen den Namen als frauenfeindlich und Aufforderung zur Anwendung von Gewalt gegen Frauen interpretieren."

"Er ist ein völlig anderer Typ als ich"

Für die Familie Grabher ist das Verbot ihres Nummernschilds unverständlich. Schließlich war sie immer stolz auf ihren österreichischen Namen und ihre Herkunft. "Wenn ich den Leuten bestätige, dass es sich beim Begriff Grabher um meinen Familiennamen handelte, kicherten sie stets", so Grabher.

Zudem habe er überhaupt nichts mit Trump gemeinsam, versichert der Kanadier: "Er ist ein völlig anderer Typ als ich. Er ist ein Ignorant. Ihm sind alle egal, und ich sollte nicht auf dieselbe Stufe mit ihm gestellt werden."

Sohn fürchtet um sein Kennzeichen

Unterstützung erhält er vom in Kanada prominenten Anwalt Walter Thompson: "Die Entscheidung, ein Autokennzeichen mit dem Familiennamen eines Bürgers entfernen zu wollen, ist dumm."

Grabhers Sohn Troy, der in der Provinz Alberta wohnt, fährt übrigens mit demselben Kennzeichen an seinem Auto herum. Er fürchtet nun, dass er dieses wegen dem US-Präsidenten auch bald los ist.

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