Hierarchien abgeschafft

Bei dieser Firma gibt es ab sofort keine Chefs mehr

Als erstes großes Unternehmen der Schweiz verzichtet der Versicherungskonzern Axa in Zukunft auf ein starkes Hierarchiegefälle bei den Mitarbeitenden.
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08.01.2024, 22:00
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Teamleiter, Chef, Chef-Chef, Direktor und so weiter – Titel und Hierarchiegefälle sind in der Arbeitswelt so normal wie das Amen in der Kirche. Sie schaffen Autorität und Entscheidungskompetenz gegenüber "Rangtieferen" und vermitteln einen gewissen Status, für viele Menschen ist es daher ein wichtiges Karriereziel, auf der Job-Leiter weiter nach oben zu steigen.

Für Mitarbeitende der Axa Versicherung wird das künftig aber keinen Ansporn mehr bieten: Denn per Anfang 2024 werden sämtliche Titel aus dem Organigramm und von den Visitenkarten gestrichen – das berichtet "Blick", die wiederum mit der Axa Personalchefin Daniela Fischer (47) sprachen. "Wir haben schon früher damit begonnen, Privilegien für das Kader abzuschaffen." Statustitel oder -symbole würden nur dazu dienen, veraltete, hierarchisch geprägte Strukturen zu fördern, die aber wiederum nicht mehr zur Unternehmenskultur passen würden.

Verantwortungsstufen statt Hierarchie

Die Abschaffung der Titel soll vor allem dazu führen, dass sich jeder im Unternehmen bei Entscheidungsprozessen einbringen kann, Verantwortung würde dann auf mehreren Schultern lasten. Die Abschaffung der Titel führt also dazu, dass Teams, aber auch einzelne Angestellte deutlich mehr entscheiden könnten als zu vor.

Dennoch gibt es im Unternehmen weiterhin unterschiedliche Anforderungen an die Mitarbeiter – statt Hierarchien gibt es aber künftig "Verantwortungsstufen", 13 unterschiedliche, um genau zu sein. Bei diesen ist ein Vorankommen – gerade für junge Leute – deutlich einfacher. Man muss also nicht ewig lang auf eine Beförderung warten, sondern kann, so die Theorie, viel schneller mitentscheiden.

Auszahlung von Boni wird transparenter

Zudem wurden 450 Jobprofile neu definiert. Ganz ausgereift seien diese aber noch nicht. "Wir müssen an der Beschreibung noch nachbessern, in den Jobprofilen steckt teilweise noch zu viel alte Welt", so Fischer. Nichtsdestotrotz: Die große Mehrheit der Mitarbeitenden ist mit dem Kulturwandel bei Axa einverstanden. "Von 4200 Angestellten haben nur vier den neuen Arbeitsvertrag noch nicht unterschrieben", so die Personalchefin.

Die Bilder des Tages:

Auch die Ausschüttung von Boni werde in Zukunft viel transparenter und nachvollziehbarer geregelt und im Arbeitsvertrag genau definiert. Für alle Mitarbeitende auf gleicher Stufe sei ein möglicher Bonus gleich. Wie viel dann tatsächlich ausgeschüttet wird, entscheiden Verwaltungsrat und Geschäftsleitung, aber nicht der direkte Vorgesetzte.

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