"Bei mir muss sich keine Trans-Person verstecken!"

Bianca Bürger (li.) ist seit über 20 Jahren als Visagistin tätig und legt den Fokus in ihrem eigenen Salon auf Make-up für Transgender. 
Bianca Bürger (li.) ist seit über 20 Jahren als Visagistin tätig und legt den Fokus in ihrem eigenen Salon auf Make-up für Transgender. Denise Auer
Visagistin Bianca Bürger ist Spezialistin für Transgender-Make-up. Neben der Arbeit hat sie auch ein offenes Ohr für die Geschichten ihrer Kunden.

Im "Beautyversum" in der Josefstadt reihen sich nicht nur Lidschatten und Lippenstifte aneinander, sondern auch strahlende, erleichterte Gesichter. Visagistin, Maskenbildnerin und Kosmetikerin Bianca Bürger hat mit ihrem Salon eine "Home Base" geschaffen – zumindest behaupten das ihre Kunden. Die 40-jährige hat sich auf etwas spezialisiert, das es in dieser Form nur selten gibt – Make-up-Angebote für Transgender-Personen.

"Sind Hormone im Spiel, ist die Haut belastet"

"Ich wusste schon als Kind, dass ich 'Schminkerin' werden will", lacht die Wienerin. Nach erfolgreicher Ausbildung und zahlreichen prominenten Stationen bei ORF-Shows, Musicals und der Staatsoper machte sich Bürger mit ihrem eigenen Salon selbstständig. Neben Makeup bot sie von Beginn an als Kosmetikerin auch Hautbehandlungen an. "Viele meiner Kunden waren Trans-Personen, denn gerade wenn Hormone im Spiel sind, ist die Haut belastet", sagt sie. "Immer wieder wurde ich dann nach Schminktipps gefragt, so kam mir die Idee."

Abend-Makeup statt Drag-Kunst

Wichtig ist Bürger dabei, klar zu unterscheiden: "Es geht bei mir nicht um Travestie- oder Drag Makeup. Meine Kunden wollen meist ein normales Abend Makeup. Und das Gesicht zeigt einfach Weiblichkeit, Schönheit wird damit assoziiert." Dabei gilt es, auf einige Dinge besonders zu achten: "Ich versuche, die weiblichen Züge besonders hervorzuheben, etwa mit verschiedenen Konturfarben oder durch eine sinnliche, weiche Umrandung der Lippenform."

Neben einem normalen Tages- oder Abend Make-up bietet Bürger auch Beratungen und Workshops an,  in dem Trans-Personen lernen können, sich selbst zu schminken. "Ich arbeite auch mit Fotografen zusammen, die dann professionelle Fotos machen. So können sich die Kunden ausleben und ausprobieren." Aber natürlich sind nicht nur Transgender-Personen in ihrem Salon gern gesehen. "Ich biete etwas für jeden an – von jungen Menschen bis zu Senioren."

"Wenn man das erste Mal zum Lippenstift greift, fließen Tränen"

Die persönliche Beziehung zu ihren Kunden liegt der Visagistin besonders am Herzen: "Es entstehen besondere Beziehungen, denn hier können die Leute so sein, wie sie wirklich sind. Viele leben das ja im Geheimen aus. Hier können sie sich zurückziehen und ich werde zu einer Vertrauensperson, was ich sehr schätze."

Berührende Momente erlebt sie tagtäglich: "Es gibt so viele Erlebnisse, die mir in Erinnerung bleiben. Etwa ein Pärchen, das gemeinsam zu mir kam und sich gegenseitig Make-up-Tipps gab. Oder ältere Damen, die sich noch nie getraut haben, zum Lippenstift zu greifen und bei denen die Tränen fließen, weil sie sich das immer gewünscht haben. Die Laster und Pakete fallen ab, für viele ist das sehr befreiend. Denn Geheimhaltung belastet. Bei mir muss sich keine Trans-Person verstecken."

So sehr sich Bianca Bürger darüber freut, wenn Kunden ihren Laden als "Home Base" bezeichnen, so sehr wünscht sie sich, dass es nicht nötig wäre: "In der heutigen hektischen Welt sollte man öfter mal beobachten, was es für Menschen außer mir selbst gibt. Jeder sollte sich etwas mehr umsehen und offen sein."

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