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Bei Vögeln einmalig: Kiwis könnten langsam erblinden

Das Wappentier Neuseelands ist der erste Vogel, der auch blind zurecht kommt. Das haben Forscher nun beobachtet.

Heute Redaktion
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Der Kiwi, das Wappentier Neuseelands.
Der Kiwi, das Wappentier Neuseelands.
Bild: iStock

Blind aber ansonsten kerngesund. In der Tierwelt sind Tiere ohne Augenlicht zwar keine Seltenheit, bei gefiederten Genossen jedoch schon.

Während Grottenolme und Höhlenfische bestens ihren Alltag bestreiten, ohne sehen zu können, glaubte man gerade bei Vögeln, dass das unmöglich ist.

Bis vor kurzem: Vor wenigen Wochen beobachteten Ornithologen im Süden Neuseelands nämlich drei Kiwis, die völlig blind sind. Die Tiere waren abgesehen davon gesund und können mit ihrer Einschränkung offenbar gut leben.

Augenprobleme bei Kiwis

Das internationale Forscherteam beschränkte sich jedoch nicht auf die Beobachtung der drei Nicht-Seher. Sie untersuchten 160 Exemplare der extrem seltenen Unterart des Okaritokiwi, der nur im Okarito-Wald auf der Südinsel Neuseelands vorkommt.

Werden alle blind?

Bei einem Drittel der flugunfähigen Schnepfenstrauße stellten die Forscher mehr oder weniger schwerwiegende Augenprobleme fest. Spekulationen der Forscher zufolge könnte die ganze Tierart langsam erblinden.

Dafür gibt es noch keine einfache Erklärung. Einige glauben, dass es mit der Lebensweise der bis zu 55 Zentimeter großen Tiere zusammenhängt. Sie sind hauptsächlich nachtaktiv. Durch ihren ausgezeichneten Geruchs-, Hör- und Tastsinn könnten sehende Augen gar nicht so wichtig für die Tiere sein.

Andere Wissenschafter spekulieren auch auf genetische Zusammenhänge. Ein Protein namens "Sonic Hedgehog" ist für das Erblinden von Höhlenfischen verantwortlich, es könnte auch bei den Kiwis der Auslöser sein.

Somit wäre die Augendegeneration ein Kollateralschaden bei der Anpassung an die nächtliche Lebensweise sein. Das "Sonic Hedgehog"-Protein bewirkt nämlich auch die Verbesserung des Tast- und Geruchssinns.

Studienobjekt

Die Okaritokiwis stellen somit ein perfektes Studienobjekt für diesen Vorgang dar. Das einzige Problem: Es gibt nur mehr 400 Tiere in freier Wildbahn.

(csc)