Gefährlicher Anschlag auf Roncalli-Zug

Die 80 Wagen auf Schiene: 700 Meter lang, 1.200 Tonnen schwer.
Die 80 Wagen auf Schiene: 700 Meter lang, 1.200 Tonnen schwer.Bild: Facebook
Die Bremsen des Roncalli-Zugs wurden ausgebaut. Der Lokführer entdeckte die Manipulation bei einem Bremstest.
Riesen-Zirkus um die einzigartigen Roncalli-Wagen von Bernhard Paul: Am Weg von Linz nach Osnabrück (D) kam es Donnerstagabend gegen 20.00 Uhr zu einem brandgefährlichen Zwischenfall.

Unbekannte hatten zuvor die Bremsanlage an zwei vorderen Loren ausgebaut. Roncalli-Direktor Paul zu "Heute": "Der erfahrene Lokführer der deutschen Bahn hat wie immer einen Bremstest durchgeführt. Hätte er das nicht getan, wäre der

Zug mit Sicherheit entgleist." Damit wäre Bernhard Pauls geniales Lebenswerk mit einem Schlag zerstört worden.

Die Österreicher Bernhard Paul und André Heller gründeten das Unternehmen 1975 in Wien. Der Name des Zirkus' stammt von Sarah Roncalli, Tochter des Mondes, dem Titel eines Drehbuchs von Landsmann Peter Hajek. Laut Paul soll die lange über dessen Tod hinaus noch anhaltende Popularität des Papstes Johannes XXIII. mit dem bürgerlichen Namen Angelo Giuseppe Roncalli geholfen haben, den Zirkusnamen bekannt zu machen.
Seit den 70er-Jahren sammelt er die 80 historischen Wagen, lässt sie immer wieder aufwendig restaurieren und mit Blattgold veredeln. "Der Verlust wäre unbezahlbar gewesen. Da geht es einerseits um mehrere Millionen Euro. Auf der anderen Seite sind doch alle meine Babys. Es wäre eine totale Katastrophe für mich gewesen."

CommentCreated with Sketch. Jetzt kommentieren Arrow-RightCreated with Sketch. Wie "Heute" erfuhr, waren auch die Privatgemächer von Bernhard Paul (Marmorboden, versenkbare Fernseher, edle Holzvertäfelung) dabei.

Die Show in Osnabrück und der Weihnachtscircus in Berlin sollen wie geplant stattfinden. Die Ermittlungen der Polizei laufen.

Bahntransport

Paul bevorzugt Bahntransporte und setzt daher als letzter Zirkus auf schienengebundene Zirkuszüge. Der Transport des gesamten Roncalli-Wagenmaterials mit über 80 historischen Zirkuswagen erfordert einen Güterzug mit einem Gesamtgewicht von 1.175 Tonnen und einer Zuglänge von rund 700 Metern; diesen zu entladen, dauert mehr als einen Tag.

Bahntransporte erweisen sich aber zusehends als schwieriger, da beispielsweise die Deutsche Bahn geeignete Laderampen kaum noch in Betrieb hat.

Das Winterquartier des Circus Roncalli befindet sich seit 1984 im Circus-Roncalli Weg 7 (bis 2017 noch Neurather Weg 7) in Köln-Mülheim. Auf dem über 10.000 m² großen Gelände befinden sich nicht nur das Winterquartier, sondern auch große Hallen, in denen die Wagen gestaltet und renoviert werden, an den Kostümen gearbeitet wird und die Ausstattung des historischen Jahrmarkts in Ordnung gehalten wird. Außerdem befindet sich auf dem Gelände die Lagerhalle mit den mehr als 100 Zirkuswagen von Roncalli. Auf etwa der Hälfte des Geländes soll das erste Zirkusmuseum Deutschlands entstehen.

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