Beton-Bau sorgt für Ärger in Kleingarten-Siedlung

Der Errichtung von 69 Wohnungen in der Anlage "Im Äugel" (Floridsdorf) ist den Anrainern ein Dorn im Auge. Zudem richteten die Bauarbeiten Schäden an.

Eichkätzchen und Vögel haben sich verabschiedet, Bagger und Baumaschinen sind eingezogen: Seit vergangenen November wird in der Josef-Ruston-Gasse (Floridsdorf) gebaggert, gebohrt und gehämmert: "Ich bin todunglücklich, es gibt so viel Lärm und Staub. Meine Frau Renate geht fast nicht mehr in den Garten. Erst ab 18 Uhr ist Ruhe", erzählt Erwin B. (80), auf dessen Nachbar-Grundstück derzeit 69 Eigentumswohnungen entstehen. "Die Idylle ist zerstört, das Grün weg", meint der ehemalige Ministeriums-Abteilungsleiter, der seit über 40 Jahren das Haus in der Kleingarten-Anlage "Im Äugel" nutzt.

Zudem verursachte das Einschlagen der Spundwände (Metallwände zur Absicherung der Baugrube) im Zuge der Bauarbeiten im Haus des Ehepaares bereits Schäden, wie ein Gutachten der gerichtlich zertifizierten Sachverständigen und Ziviltechnikerin Susanne Steffel-Rötzer (62) belegt: "Die Erschütterungen haben die Waschbeton-Platten am Gehweg und beim Stiegenaufgang verschoben, die Fugen sind aufgeplatzt. Weiters haben sie für einen Riss im Mauerwerk gesorgt. Es wundert mich, dass nicht noch mehr Schäden entstanden sind, aber das Haus ist gut und solide gebaut", so Steffel-Rötzer.

Bauarbeiter verstopften Kanal mit Beton

Besonders ärgerlich für Erwin B.: "Die Bauarbeiter haben einen Kanal genutzt, der auch für unser Haus ist. Beton ist reingeflossen und hat den Kanal verstopft. Sie haben den Kanal daher in unserem Garten auf- und wieder zugraben müssen."  Auf "Heute"-Nachfrage bedauert der zuständige Bauträger Hart + Hart die Unannehmlichkeiten, versichert aber: "Bei dem Projekt in der Josef-Ruston-Gasse wurden in allen bewilligten Plänen die gesetzlichen Richtlinien und Vorgaben natürlich eingehalten. Das beinhaltet auch die Gebäudehöhe sowie alle Abstände. Wir achten immer darauf, dass sorgfältig gebaut wird und wie bei jedem Projekt ist es selbstverständlich, dass sämtliche durch unserer Bautätigkeit verursachten Schäden auf unsere Kosten (bzw. der Baufirma) wieder behoben werden."

Für WIFF-Bezirksrat Hans Jörg Schimanek bleibt der Bau, der im Frühjahr 2021 bezogen wird, trotzdem ein Schandfleck: "Angesichts der immer zahlreicher werdenden 'Betonklötze' in gewachsenen Wiener Gartensiedlungen bedarf es einer umgehenden neuerlichen Novellierung der leider zuletzt völlig fehlgeleiteten Flächenwidmungs- und Bauordnungsbestimmungen, die derartige Bausünden erst ermöglichen."

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