Niederösterreich

"Gesundes" Pferd war nach Kauf plötzlich schwer krank

Marc K. (20) wollte sich den Traum vom eigenen Pferd erfüllen. Er kaufte von einer Händlerin ein ehemaliges Rennpferd und fand sich bald in einem Albtraum wieder.
23.08.2022, 11:29
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Als Kind ging Marc K. gerne reiten. Als Erwachsener wollte er sich und seiner Frau den Traum vom eigenen Pferd erfüllen und eines kaufen. Über eine Plattform entdeckte er ein ausgemustertes Rennpferd, in das er sich beim ersten Kennenlernen Anfang Juli im Ebreichspark (Magna Racino) in Ebreichsdorf (Bezirk Baden) sofort verschaute. Das Pferd wurde als gesund und für einen Ex-Galopper in einem bemerkenswerten Zustand beschrieben.

Man einigte sich auf einen Kaufpreis von 4.500 Euro (Anm.: ein stattlicher Preis für ein ausgemustertes Rennpferd) und setzte den Vertrag auf. Darin wurde laut dem 20-Jährigen festgehalten, dass das 8-jährige Pferd keine Krankheiten und Auffälligkeiten habe. Es würde lediglich etwas "koppen". Beim Koppen spannt das Pferd die untere Halsmuskulatur an, wodurch sich der Schlundkopf öffnet und Luft in die Speiseröhre gelangt. Ein Verhaltensstörung, die für gewöhnlich aber nicht gefährlich ist.

Pferd wurde sofort krank

Am 1. August sollte das Pferd abgeholt werden, eine Anzahlung über 500 Euro sowie 250 Euro für die restliche Boxenmiete wurden übergeben. Doch dann nahm das Unglück seinen Lauf. Andere Pferdebesitzer sollen Marc K. erzählt haben, dass sie beobachtet hätten, dass man sich um sein Pferd überhaupt nicht mehr kümmern würde. Er holte sein Pferd daraufhin kurzerhand ab, brachte es in einen anderen Stall im Bezirk Korneuburg. Bereits nach den ersten Tagen musste das Pferd mit einer mitgebrachten Huflederhaut-Entzündung von einer Tierärztin behandelt werden. Anfang August erlitt der Wallach dann eine schwere Kolik.

Nach genauen Untersuchungen wurde ein eitriges Magengeschwür diagnostiziert. Das Ex-Rennpferd muss seither intensiv betreut und drei Mal täglich mit Medikamenten versorgt werden. Für den jungen Unternehmer weit mehr Arbeit als er zum Einstieg erwartet hatte. "Ich bin trotz der Fragwürdigkeit an Heilungschancen meines Pferdes Tag und Nacht im Stall, kümmere mich um mein Pferd", erzählt der 20-Jährige. Ihm entstanden mehrere Tausend Euro Schaden (Tierarztrechnungen liegen "Heute" vor), den restlichen Kaufvertrag will er deshalb aber nicht bezahlen. Zudem soll das Pferd auch früher schon wegen ähnlicher Symptome in Behandlung gewesen sein.

Verkäuferin will Pferd zurück

Die Verkäuferin weist die Anschuldigungen indes aber zurück. Sie will ihr Pferd zurückhaben. "Meine große Hoffnung ist, dass ich mein Pferd wieder zurückerhalte, denn das Pferd wurde vom Käufer bis dato noch nicht bezahlt und gehört somit noch mir. Ich mache mir wirklich Sorgen um mein Pferd, ich habe keine Ahnung wie es ihm geht und ob es überhaupt noch lebt. Ich hoffe jedoch in den kommenden Tagen ein Video des Pferdes zu bekommen, damit ich zumindest weiß, dass es ihm gut geht", erklärt sie gegenüber "Heute". "Ich weiß auch nicht was für ein Stall das sein soll, wo der Besitzer selbst immer da sein muss, um die Medizin zu verabreichen, normalerweise wird das von den Personen vor Ort übernommen", wundert sie sich.

Sie erklärt, dass das Pferd vor dem Verkauf absolut unauffällig gewesen sei. Die angesprochene Untersuchung beim Tierarzt habe es zwar gegeben, dabei sei aber nichts Bemerkenswertes herausgekommen. "Die ganze Geschichte hat sich ganz anders zugetragen als es von Marc K. dargestellt wird und war äußerst dubios. Mir wurde versprochen, dass das gesamte Geld überwiesen wird. Dann hat es aber plötzlich Komplikationen mit dem Konto gegeben. Mein Ruf wurde mit dieser Geschichte schon nachhaltig geschädigt", ärgert sie sich. Das Pferd ist mittlerweile offiziell auf den 20-jährigen Unternehmer eingetragen. Für die Verkäuferin zählt aber der Kaufvertrag: "Solange die vereinbarte Summe nicht überwiesen wurde, bleibt es mein Pferd", sagt sie. Beide Seiten haben Anwälte engagiert.

Anzeige wegen Betruges

Wie sich herausstellte, dürfte die Verkäuferin auch anderweitig in Komplikationen verstrickt sein. Sie wurde etwa wegen des Verdachts auf gewerbsmäßigen Betrug angezeigt, wie die Polizei bestätigt. Dabei geht es um ein Pferd, das an eine wohltätige Organisation gespendet wurde. Das Tier ist längst bei der Organisation angekommen und laut Vertrag in deren Besitz, dort ist man auf "Heute"-Anfrage auch sehr glücklich damit.

Dennoch läuft auch aktuell noch eine Spendensammlung für das Tier, um die Finanzierung zu sichern. Weil das Tier bei einer dritten involvierten Partei (der vorherigen Besitzerin) noch nicht bezahlt wurde. "Das wurde alles so abgesprochen. Ich weiß auch nicht, wer da anonyme Anzeige erstattet hat", beteuert die Frau. Die dazu gesammelten Informationen wurden von der Polizei an die Staatsanwaltschaft Wr. Neustadt weitergeben und werden dort nun evaluiert.

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