Betten in Zelle angezündet wegen "Aufmerksamkeit"

Aus Protest gegen ihre Abschiebung zündeten sechs Männer ihre Betten in einem Polizeianhaltezentrum an. Am Freitag gab es nun die ersten Geständnisse vor Gericht.
Als die fünf Afghanen und ein Iraner (18-33 Jahre) vergangen September in der Schubhaftzelle des Polizeianhaltezentrums in Hernals einen Abschiedsbrief verfassten und ein Feuer legten, sollte es nach einem gemeinsamen Suizidversuch aussehen. Die Ermittler hatten aufgrund mehrerer Indizien Zweifel an dieser Theorie. Freitagvormittag saßen die Männer im Landesgericht wegen Brandstiftung und bestätigten jene Zweifel größtenteils.

Zelle anzünden war schon mal erfolgreich

Einer der der fünf Afghanen (32) bestätigte eine Aussage, die er bereits einen Tag nach dem Zellenbrand in einer polizeilichen Einvernahme machte. Dem Schöffensenat erklärte er, dass die Idee von seinem 23-jährigen Zellengenossen kam. Der 30-jährige Iraner, in Deutschland bereits zwei Mal wegen Schlepperei verurteilt, hätte das in Haft schon probiert und somit seine Freilassung erwirkt. Er soll den 23-Jährigen, der vor der Verhandlung noch 19 war, motiviert haben, die Idee auch umzusetzen. Man wollte aber nur ein "kleines Feuer" entfachen. "Keiner von uns hatte vor, zu sterben", so der 32-Jährige, der vom Erfolg des Unterfangens überzeugt gewesen sein will.

Zwei weitere zeigten sich ebenfalls geständig, beteuerten aber die Gefahr einer möglichen Feuerbrunst unterschätzt zu haben. Diese habe sich nur deswegen nicht entwickelt, weil die Fenster nicht kaputt gingen, so die Staatsanwaltschaft. Die anderen drei Beschuldigten widersprachen ihren Zellengenossen gänzlich, sie hätten mit dem Brand nichts zu tun laut APA.

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Wie Staatsanwalt Wolfram Bauer meinte, "inszenierten" die Männer die Tat. Um den Stopp ihrer Ausweisung zu erwirken, sollte es offenbar so aussehen, als ob sie am Rande der Verzweiflung stünden. Tatsächlich sagte einer der Angeklagten aus, es wäre ihm egal gewesen, wenn der Brand zu seinem Tod geführt hätte: "Ich wollte lieber sterben, bevor ich abgeschoben werde. In Afghanistan erwartet mich sowieso der Tod. Wenn ich sterbe hab ich es wenigstens hinter mir."

Rauchgasvergiftungen und Verbrennungen

Da sich das Feuer mit hoher Geschwindigkeit in der Zelle ausbreitete, konnten die Einsatzkräfte nur mit Atemschutzgeräten das Gebäude betreten. Die sechs Männer erlitten schwere Verletzungen, unter anderem Rauchgasvergiftungen und Verbrennungen schwereren Grades. Drei Beamte mussten ebenfalls wegen Rauchgasvergiftungen im Spital behandelt werden.

Ein Urteil ist vorerst am 22. März zu erwarten. (bai)

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