Spieletests

"Big Bang Pro Wrestling" im Test: Rostig, aber Kult

"Big Bang Pro Wrestling" galt schon vor 22 Jahren auf dem Neo Geo Pocket Color als Kult-Game. Nun darf man es auch auf der Nintendo Switch zocken.

Rene Findenig
Teilen
Hat bereits 22 Jahre auf dem Buckel und matcht sich jetzt als Switch-Port: "Big Bang Pro Wrestling".
Hat bereits 22 Jahre auf dem Buckel und matcht sich jetzt als Switch-Port: "Big Bang Pro Wrestling".
SNK Corporation

Seit Monaten liefert uns das japanische Videospiel-Unternehmen SNK Corporation tolle Ports kultiger Neo-Geo-Games auf die Nintendo Switch – von der "NeoGeo Pocket Color Selection Vol. 1" bis hin zu "Fatal Fury: First Contact" und von "The Last Blade: Beyond the Destiny" bis "SNK vs. Capcom". Sie haben gleich mehrere Dinge gemeinsam: So gibt es die Switch-Ports meist zum Minipreis für (teils weit) unter zehn Euro und bei den portierten Games handelt es sich allesamt um absolute Klassiker der Videospielgeschichte. So ist es nun auch beim neuen "Big Bang Pro Wrestling".

Im Jahr 2000 sorgte das Sport-Kampfspiel am Neo Geo Pocket Color für mächtig Furore. Man durfte aus mehreren verschiedenen Wrestlern wählen, die allesamt eine individuelle Auftritts-Sequenz am Ring bekamen und mit jeweils unterschiedlichen Finishern ausgestattet wurden. Ein Highlight zur damaligen Zeit, denn viele Spiele beschränkten sich darauf, einfach die Charakter-Sprites zu kopieren und minimal zu ändern und das Gameplay einfach bei allen Figuren identisch umzusetzen. Damals war das Spiel damit revolutionär, heute ist es einfach Kult.

Unterschiedliche Figuren mit ihren eigenen Stilen

Beim neuen Switch-Port wurde der Großteil des Originals übernommen – gespielt wird am Nintendo-Bildschirm übrigens per Fenster-in-Fenster-Optik, denn wie bei den bisherigen Neo-Geo-Ports wird auch hier eine virtuelle Neo-Geo-Konsole eingeblendet. Das eigentliche Gameplay wird dadurch wieder sehr klein dargestellt, das ist man als Retro-Fan aber bereits gewohnt. Wie im Original gibt es zehn Wrestler auszuwählen, darunter zwei geheime Charaktere, die man erst beim Zocken freischalten muss. Sie zeigen optisch deutliche Unterschiede und verführen deshalb dazu, sie durchzuprobieren.

1/7
Gehe zur Galerie
    Im Jahr 2000 sorgte das Sport-Kampfspiel "Big Bang Pro Wrestling" am Neo Geo Pocket Color für mächtig Furore. Nun gibt es dieses auch für die Nintendo Switch.
    Im Jahr 2000 sorgte das Sport-Kampfspiel "Big Bang Pro Wrestling" am Neo Geo Pocket Color für mächtig Furore. Nun gibt es dieses auch für die Nintendo Switch.
    SNK Corporation

    Unter den Kämpfern findet sich beispielsweise Sho, der extrem an Ryu aus "Street Fighter" erinnert, außerdem gibt es den mit einer Vogelmaske getarnten Eagle oder den Fleischberg David. Das Geniale daran: Die Charaktere spielen sich auch so unterschiedlich, wie sie aussehen. Eagle benutzt einen schnellen Stil mit flinken Angriffen, David seine gewaltige Kraft für Klammergriffe und Würfe – und Sho zeigt sich als ausbalancierter Mix der beiden Konkurrenten. Und trotz der sehr überschaubaren Steuerungs-Optionen sind überraschend viele verschiedene Manöver möglich.

    Positionierung wichtiger als aktive Steuerung

    Was dem Game an Button-Möglichkeiten fehlt, macht es durch die Positionierung der Kämpfer zueinander wieder gut. So bestimmt nicht primär die jeweilige Switch-Taste die Art des Angriffs, sondern, wie weit die Kämpfer voneinander entfernt sind und ob einer davon steht oder gerade auf der Matte im Ring liegt. Matches beginnen dabei zuerst mit relativ einfachen Aktionen wie Schlägen und Klammergriffen, mit fallenden Ausdauerwerten der Kämpfer kommen aber immer mehr Möglichkeiten für einen Pinfall, dem dreisekündigem Niederhalten des Gegners auf der Matte, ins Spiel.

    Besonders beeindruckt auch, dass das in die Jahre gekommene Game überraschend nette Kampfanimationen vor allem bei den Finishern bietet. Während einige Angriffe und Manöver vollautomatisch ablaufen, darf der Zocker auch einige Handlungen per Buttons selbst setzen – dazu zählen das zu Boden werfen oder vom Boden aufziehen des Gegners oder einige Pin- und Klammermanöver. Schönes Detail: Je nach Aktion jubelt das Publikum am Ring mehr oder weniger. Und: Auch darf man den Ring verlassen und sogar mit einem Stuhl oder anderen Objekten auf die Konkurrenten einprügeln.

    Das knappe Timing nervt anfangs ganz schön

    Was anfangs Neulinge aus dem Konzept bringen dürfte, ist das beinharte Timing des Games. So müssen für Greif-Angriffe Mini-Zeitfenster exakt getroffen werden, um nicht als Dauer-Verlierer aus dem Match hervorzugehen. Hat man den Dreh nach einigen Partien endlich raus, wird das Spiel plötzlich extrem zugänglich und bietet gewaltigen Spaß. Sogar so sehr, dass wir den Titel auch nach mehreren Stunden nicht beiseite legen wollten. In Sachen Modei bietet das Game die Möglichkeit zu einem schnellen Match, zu einem ganzen Turnier, einen Versus-Match gegen einen Mitspieler und eine Kampf-Kampagne.

    In der Kampagne gibt es sogar eine kurze Geschichte zu jedem Kämpfer und gegenseitige Beflegelungen in Textform. Technisch ist der Kulttitel übrigens Top: Das Spiel bietet zahlreiche Komfortfunktionen bei der Darstellung, ein ausführliches Tutorial mit Bebilderungen und einen wirklich ausgezeichneten Split-Screen-Modus. Dieser ist auch das große Highlight, denn so spannend die Matches gegen den Computer auch sind, nichts macht am Ende des Tages so viel Spaß wie ein Kampf gegen einen Mitspieler gemeinsam vor dem Bildschirm der Nintendo Switch.