Bin Ladens Mama: "Osama war ein braver Bub"

Zum ersten Mal hat Alia Ghanem die Mutter des früheren Al-Kaida-Chefs Osama bin Laden ein Interview gegeben. Er sei ein Mann, der vom rechten Weg abgekommen ist.

Osama bin Laden wird von den USA für den Anschlag auf das World Trade Center am 11. September 2001 verantwortlich gemacht. Zehn Jahre später erschossen ihn US-Spezialeinheiten in seinem Versteck in Pakistan. Nun sprach erstmals seine Mutter Alia Ghanem in ihrer saudi-arabischen Heimat mit einer Zeitung, nämlich dem britischen "Guardian".

Der Clan gehört nach wie vor zu den reichsten Familien des Landes. Ein Mitarbeiter der Regierung ist beim Besuch der ausländischen Reporter anwesend, greift aber während des Interviews nicht ein.

"Er war sehr weit weg von mir"

"Er war ein braver Bub", sagt Alia Ghanem über den Anführer der Terrororganisation al-Qaida geleitet hatte. "Mein Leben war sehr schwer, weil er so weit weg von mir war."

Die Mutter erzählt über die Jugend ihres ältesten Sohnes. Er sei schüchtern gewesen, habe jedoch eine gute Auffassungsgabe gehabt. In seinen zwanziger Jahren habe er sich zu einer starken Persönlichkeit entwickelt. An der Universität in Jidda habe seine Radikalisierung begonnen. Die Leute dort hätten ihn verändert, glaubt die heute 75-Jährige. Sie kommt zum Schluss, dass ihr Sohn ein anderer Mensch geworden sei, und vermutet, dass er eine Gehirnwäsche verpasst bekommen habe.

Die Reporter fragen die Mutter, ob sie jemals erwartet hätte, dass aus ihrem ältesten Sohn ein Terrorist werden würde. "Das ist mir niemals in den Sinn gekommen", antwortet die Frau. Sie sei extrem traurig gewesen, als es geschehen sei. "Ich wollte nicht, dass irgendwas davon passiert. Warum schmeisst er alles einfach so weg?"

Die Replik des Halbbruders

Bin Ladens Halbbruder Ahmed ergreift beim Interview das Wort: Sie verleugne heute noch, was aus ihm geworden sei. "Sie liebt ihn so sehr und will ihm keine Schuld geben. Stattdessen beschuldigt sie alle anderen." Sie kenne nur den braven Buben, der in ihm stecke, jene Seite von ihm, die sie alle gekannt hätten. Ahmed ergänzt: "Sie hat die Jihadisten-Seite nie gesehen."

Die Familie sei nach den Anschlägen eine Zeit lang intensiv befragt worden und habe unter Hausarrest gestanden. In der Zwischenzeit könne sich der Clan wieder frei bewegen. Hamza, der älteste Sohn Bin Ladens, hat allem Anschein nach die Absicht, dem Vater nachzueifern. Er soll sich in Afghanistan aufhalten. Bin Laden junior wird jedenfalls von den USA als Terrorist eingestuft. Ahmed würde Hamza in einem persönlichen Gespräch vom Weg des Vaters abraten. Der Onkel sagt: "Du wirst schrecklichen Teilen deiner Seele begegnen." (red)

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