Bipolare Störung: Wie zurechnungsfähig ist Kanye West?

Kanye West bei seiner Rede
Kanye West bei seiner RedeImago Images
Die sensible Natur eines Künstlers begünstigt den Hang zu verschiedenen Krankheitsbildern. Im Fall von Kanye West ist es die bipolare Störung.

Nach Schätzungen von Forschern tritt eine bipolare Störung unter Künstlern 10- bis 40-mal häufiger auf als in der Normalbevölkerung. Das prominente Beispiel von Kanye West, des einflussreichsten Künstlers unserer Zeit, zeigt die Tragik einer solch exzentrischen Künstler-Natur.

Seit der Verkündung seiner Präsidentschaftskandidatur häufen sich wirre Tweets des Musikers, die unter anderem intime Aussagen über sein Familienleben beinhalten. Bei einer Wahlkampfveranstaltung brach er in Tränen aus und verglich seine Schwiegermutter mit Kim Jong-Un. Über seine Frau Kim wiederum tweetete er, sie wolle ihn einweisen lassen und löschte das Posting bald darauf.

Man darf sich daher fragen: Wie viel ist seine Krankheit und wie viel ist er selbst? Gibt es überhaupt eine klare Trennung? Wie ernst kann man Kanye West nehmen und wie sehr kann man an ihm Kritik üben?

„I hate being bipolar, it’s awesome“ (zu deutsch: „Ich hasse es bipolar zu sein, es ist toll“) schrieb Kanye 2018 handschriftlich auf das Cover seines Albums „Ye“, auf dem er sich radikal selbst entblößt und neben seiner Krankheit auch Mordfantasien und Drogenmissbrauch thematisiert. In einem Interview mit Letterman im Jahr 2019 sprach der Rapper dann erstmals öffentlich über die negativen Aspekte und bezeichnet die Krankheit sogar als eine Superkraft. Seither scheint seine Erkrankung in den Hintergrund geraten. Bei einem erst kürzlich geführten lnterview mit Forbes über seine Pläne ging keine Frage in diese Richtung.

Selbstüberschätzung und Stimmungsschwankungen

Bei der psychischen Erkrankung durchleben Betroffene extreme Stimmungsschwankungen. Manische Phasen kennzeichnen sich durch Selbstüberschätzung, enorme Energieschübe, Gedankenrasen, Ruhelosigkeit, fahrlässiges Verhalten und Schlaflosigkeit. Die Phasen des Hochgefühls wechseln sich bei Betroffenen mit den Phasen von Depressionen ab.

Bei öffentlichen Personen sind häufig nur die High-Phasen sichtbar, das Down findet im privaten Rahmen statt. Momentan lassen die problematischen Dinge, die Kanye in der Öffentlichkeit erwähnt, darauf schließen, dass er sich wieder in einer manischen Phase befindet.

Kanye nimmt keine Medikamente

Christian Simhandl, einer der führenden Experten für bipolare Störungen, geht davon aus, dass alleine in Österreich 400.000 Menschen betroffen sind. Allerdings ist der Weg zu einer Diagnose häufig ein langer. Zuerst wird meist „nur“ eine Depression attestiert, weil Menschen in manischen Phasen nicht zur Therapie gehen. Er begrüßt die öffentliche Stellungnahme von Prominenten zu Gunsten einer Enttabuisierung des Themas.

Die Behandlung der Erkrankungerfolgt oft mit Medikamenten und Psychotherapie. Kanye selbst hat aufgehört, seine Medikamente zu nehmen, weil sie laut Eigenaussage seine Kreativität beeinträchtigen. Diese unglaublichen Energiestöße sieht man auch an einem der berühmtesten Vertreter der bipolaren Störung unter den Künstlern: Vincent Van Gogh, der in seinen letzten 70 Lebenstagen 60 Bilder und 80 Zeichnungen anfertigte.

Vor wenigen Tagen entschuldigte Kim Kardashian-West öffentlich das Verhalten ihres Mannes. Damit brach sie das Schweigen über die Krankheit, das zum Schutz der Familie erfolgt war.

„Brillant und kompliziert“

Ihr sei bewusst, dass dessen Äußerungen Kritik sowie „starke Meinungen und Emotionen“ hervorriefen. Zugleich hob die 39-Jährige hervor, dass ihr Mann ein „brillanter und komplizierter Mensch“ sei, „der, neben dem Druck, Künstler und Schwarzer zu sein, den schmerzhaften Verlust seiner Mutter“ erlebt habe und mit dem Druck und der Isolation umgehen müsse, die seine bipolare Störung verstärkten.

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