Vierfachmutter schuldlos in Haft, jetzt spricht Richter

Brennede Ungerechtigkeit für Richter Wlasak nun "Cold Case".
Brennede Ungerechtigkeit für Richter Wlasak nun "Cold Case".FF Birkfeld/privat/Puls 4
Der Richter der Vierfachmutter, die wegen Brandstiftungs-Verdacht fast 9 Monate schuldlos in U-Haft schmorte, äußert sich nun exklusiv zu seinem Fall.

"Wissen'S, ich hab' über 6.000 Angeklagte verurteilt in meiner 40-jährigen Laufbahn", erklärte Helmut Wlasak im "Heute"-Gespräch. "Ich habe viel erlebt – aber dieser Fall hat mich schon sehr beschäftigt." Nach mehreren Verhandlungstagen, die oft bis in die späten Abendstunden andauerten, in akribischen Befragungen und Besichtigungen vor Ort richtete der erfahrene Jurist im vergangenen Jahr über die mysteriöse Brandserie von Birkfeld (Stmk.) und über das Schicksal der Angeklagten Nicole T. (42).

Fall bereitete Richter schlaflose Nächste

"Die Causa hat mir schlaflose Nächte bereitet. Ich hab immer wieder das Gesicht der Angeklagten vor mir gesehen und mich gefragt 'Kann sie so etwas wirklich gemacht haben?'" Schlussendlich sprach er und seine beiden Schöffen die 42-Jährige vom Vorwurf der Serien-Brandstiftung frei – die Staatsanwaltschaft akzeptierte das Urteil.

SMS vom Klo spülte das Motiv davon

Entscheidend: "Das Motiv der Ermittler, sie hätte aus Beziehungs-Frust oder Hass auf ihren Mann gehandelt, fiel im Prozess völlig auseinander." Denn ein simples Klo-WhatsApp spülte diese Theorie hinunter. So schrieb der Mann am Abend bevor sein Auto in Brand gesteckt wurde schon um 19.50 Uhr "Ist im diesen sch***haus kein Papier", was belege, dass er nicht wie laut Anklage behauptet erst spät nach Hause gekommen war und so die Vierfachmutter wütend gemacht hätte. "Alle im Saal mussten an dieser Stelle schmunzeln.", erinnert sich der Jurist. Nicole T. hätte absolut keinen Grund das Auto des Mannes oder, "ihr eigenes Haus warm abzutragen", resümiert Wlasak.

"Für mich war sie es nicht"

Jeden der vier Brände könnte jemand anders viel wahrscheinlicher gelegt haben. "Für mich war sie es nicht", legt sich Wlasak fest. Der einst brennend heiße Fall ist für ihn somit ein „klassischer Cold Case“. Die Aussage der Staatsanwaltschaft, keine neuen Ermittlungen gegen mögliche Unbekannte Täter aufzunehmen, kritisiert er. Auch die Polizei Steiermark ging nun nach "Heute"-Anfrage davon aus, bald neue Ermittlungen aufzunehmen. 

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