Bis zu 1 Mio. Tonnen Lebensmittel landen im Müll

BIs zu einer Million Tonnen Lebensmittel landen österreichweit pro Jahr im Müll. Am heutigen Welttag gegen Lebensmittelverschwendung appellierten (v.l.n.r.) Umweltministerin Leonore Gewessler (G), Umweltstadtrat Jürgen Czernohorszky (SPÖ) und Sodexo Östereich-Chef Michael Freitag für mehr Achtsamkeit.
BIs zu einer Million Tonnen Lebensmittel landen österreichweit pro Jahr im Müll. Am heutigen Welttag gegen Lebensmittelverschwendung appellierten (v.l.n.r.) Umweltministerin Leonore Gewessler (G), Umweltstadtrat Jürgen Czernohorszky (SPÖ) und Sodexo Östereich-Chef Michael Freitag für mehr Achtsamkeit.Denise Auer
Zum heutigen Welttag gegen Lebensmittelverschwendung richten Stadt und Bund einen Appell an die Konsumenten. Denn zuviel landet im Mist.

Heute, Dienstag, ist der Welttag gegen Lebensmittelverschwendung. Alleine in Österreich landen pro Jahr rund eine Millionen Tonnen Lebensmittel im Müll. In einem gemeinsamen Auftritt im Sodexo-Betriebsrestaurant in der ÖAMTC-Zentrale Erdberg in der Baumgasse 129 (Landstraße) riefen Klimaschutzministerin Leonore Gewessler (G), Wiens Umweltstadtrat Jürgen Czernohorszky (SPÖ) und der Geschäftsführer von Sodexo Österreich, Michael Freitag, nun zu einem bewussteren Umgang mit Nahrungsmitteln auf, um Umwelt und Klima zu schonen.

Rund 160 (Groß-)Küchenbetriebe in ganz Österreich schließen sich dem Engagement an und machen Mitarbeiter und Gäste eine Woche lang bei den von der Initiative "United Against Waste"ins Leben gerufenen Aktionstagen unter dem Motto "Nix übrig für Verschwendung" auf einen wertschätzenden Umgang mit Lebensmitteln aufmerksam.

Private Haushalte entsorgen bis zu 229.000 Tonnen Essens-Mist

Lebensmittelabfälle entstehen entlang der gesamten Wertschöpfungskette: bei der Produktion, im Handel, in Privathaushalten und auch in der Außer-Haus-Verpflegung. In Österreich werden Schätzungen zu Folge jährlich an die 800.000 bis eine Million Tonnen an Essen weggeworfen. Rund 229.000 Tonnen davon werden alleine in privaten Haushalten über den Restmüll entsorgt, da sind Abfälle in Kompost oder Biotonne noch gar nicht mitgerechnet. Auch in der Außer-Haus-Verpflegung – dazu zählen Großküchen wie in Krankenhäusern, Pflegeheimen, Betriebsrestaurants, genauso wie Gastro- und Hotelbetriebe – ließe sich eine Menge einsparen, denn hier macht der entsorgte Lebensmittelabfall (ohne Zubereitungsreste) im Schnitt 21% im Verhältnis zur ausgegebenen Speisenmenge aus.

"Unsere Lebensmittel sind ein wertvolles Gut, jedes Lebensmittel, das anstatt auf dem Teller in der Tonne landet, ist eine Ressourcenverschwendung und schlecht fürs Klima. Darum sagen wir im Klimaschutzministerium der Lebensmittelverschwendung den Kampf an: Mit unserer neu geschaffenen Koordinierungsstelle erarbeiten wir eine Strategie und einen Aktionsplan und schaffen damit die politischen Rahmenbedingungen für weniger Lebensmittel im Müll. Gleichzeitig unterstützen wir wichtige Initiativen in dem Bereich wie die Aktionstage 'Nix übrig für Verschwendung', denn sie leisten einen wertvollen Beitrag zu weniger Verschwendung und mehr Klimaschutz", betonte Gewessler.

Gemüse "aus der Norm" oder falsch gelagerte Lebensmittel landen im Müll

Die Gründe, warum Lebensmittel im Abfall landen, sind vielfältig: Während bereits am Feld Gemüse und Obst aussortiert wird, das nicht der Norm entspricht, landen im Handel oftmals noch genießbare, nicht verkaufte Waren (Obst, Gemüse, Brot, Gebäck) im Abfallcontainer. In Privathaushalten wiederum werden Lebensmittel aufgrund von mangelhafter Planung beim Einkauf, falscher Lagerung oder Zeitmangel bei der Zubereitung weggeschmissen. Oft werden Lebensmittel mit überschrittenem Mindesthaltbarkeitsdatum entsorgt, die aber eigentlich noch unbedenklich genießbar wären.

In der Mitarbeiter-Verpflegung wird häufig die Verfügbarkeit aller Speisen bis zum Küchenschluss gefordert, dadurch muss die Küche mit hohen Puffern vorproduzieren, was zu Resten führt. Der Bedarf an unterschiedlichen Kostformen, die hohe Fluktuation und der unterschiedliche Gesundheitszustand von Patientinnen und Patienten erschweren die Verpflegungslogistik in Krankenhäusern – fehlende Wahlmöglichkeiten zum Beispiel bei Menüs und wechselnder Appetit können hier zu hohen Rückläufen führen. In Gastronomie und Hotellerie sind übervolle Buffets oder zu große Portionsgrößen oftmals Gründe für erhöhtes Lebensmittelabfallaufkommen.

Abfallmonitoring führt zu weniger Mist

Die Bereitschaft es anders zu machen zeigen rund 160 Küchen-Betriebe in Österreich, die sich an einem langfristigen Abfallmonitoringprogramm für Großküchen ("Moneytor") von "United Against Waste" beteiligen, um ihre Lebensmittelabfälle kontinuierlich zu erfassen. Zudem nehmen sie den Welttag gegen Lebensmittelverschwendung zum Anlass um auch bei Mitarbeitern und Gästen durch eine Informationskampagne Verhaltensänderungen anzustoßen, damit weniger Essen entsorgt werden muss. Bei jenen 69 Betrieben, die bereits seit 2018 an dem Programm teilnehmen, habe sich die durchschnittliche Verlustquote (Lebensmittelabfall im Verhältnis zur Ausspeisemenge) schon um 17% verringert. 

"Bewusstseinsbildung und Vorbildwirkung sind wichtige Ansatzpunkte, um Lebensmittelabfälle zu reduzieren", ist Czernohorszky überzeugt. Unter dem Motto "Wien isst G.U.T. – Gesund, Umwelt-, Klima und Tierfreundlich" habe Wien bereits viele Initiativen gesetzt: "Angefangen von der Genuss Box, die eine Mitnahme von Speiseresten ermöglicht, über Beratungen wie 'Küchenprofi(t)' oder dem Programm 'Natürlich gut essen' für ein nachhaltiges Speise- und Getränkeangebot in Gastro und Hotellerie bis hin zur langjährigen Unterstützung der Wiener Tafel".

Bewusstseinsbildung startet schon im Kindergarten

Das Bewusstsein für eine gesunde Ernährung und einen achtsamen Umgang mit Lebensmitteln bilde sich aber bereits in der Kindheit: "Deshalb spielt die Verpflegung von Kindern in Schulen und Kindergärten eine wichtige Rolle. Wir haben in Wien den Bio-Anteil bei Schul- und Kindergartenessen auf 50 Prozent erhöht und vor kurzem gemeinsam mit internationalen Partnerinnen das EU-Projekt 'SchoolFood4Change' entwickelt, das Kinder mit dem Ursprung unserer Lebensmittel stärker in Verbindung bringen soll. Und natürlich gibt es auch Unterstützungen bei der Integration dieser Themen im Unterricht“, berichtet der Stadtrat.

Aber auch auf Konsumentenebene kann jede und jeder einen Beitrag leisten: Einkäufe planen, um Überschüsse zu vermeiden, Waren richtig lagern und Lebensmittel anhand von Aussehen und Geruch überprüfen und nicht automatisch wegwerfen, sobald sie das Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten haben. Beim Essen außer Haus bewusst bestellen, am Buffet nicht zu viel aufladen, sondern lieber mehrmals nachholen oder bei geringerem Appetit auch einmal auf eine kleinere Portion zurückgreifen. Und war die Portion doch einmal zu viel, kann man sich die Reste für den späteren Verzehr mitnehmen.

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