Bisher nur 61 Ess-Sünder in Wiener U6 erwischt

Ab 15. Jänner 2019 darf auf keiner U-Bahn-Linie mehr gegessen werden.
Ab 15. Jänner 2019 darf auf keiner U-Bahn-Linie mehr gegessen werden.Bild: picturedesk.com
Die Fahrgäste nehmen das Essverbot in der U6 sehr gut an, freuen sich die Wiener Linien. Seit Inkrafttreten der Verordnung am 1.9. wurden 61 Esser ermahnt.
Was in anderen Städten der Welt längst Alltag ist, gibt es in Wien seit genau drei Monaten: das Essverbot in den Öffis. Drei Monate nachdem das Essverbot in der U6 in Kraft getreten ist, ziehen die Wiener Linien nun eine erste Bilanz.

Seit dem 1. September mussten von den Sicherheits- und Servicemitarbeitern der Wiener Linien nur 61 Fahrgäste darauf hingewiesen werden, dass das Essen in den Zügen der U6 verboten ist – "bei 250.000 Fahrgästen täglich auf der U6 ein verschwindend kleiner Anteil", freuen sich die Wiener Linien über die "braven" Passagiere.

"Zuversichtlich, dass auch Ausweitung gut angenommen wird"

"Sehr viel positives Feedback, kaum essende Fahrgäste und saubere U-Bahn-Züge: das Essverbot und die breite Info-Offensive haben gewirkt. Das macht uns zuversichtlich, dass auch die Ausweitung auf die anderen U-Bahn-Linien ab 15. Jänner gut angenommen wird. Denn es geht um Rücksichtnahme und das Miteinander in den Öffis", zeigt sich Öffi-Stadträtin Ulli Sima (SPÖ) überzeugt.

An Strafen für "Ess-Sünder" sei derzeit aber nicht gedacht, da sich die Fahrgäste an die Spielregeln halten und sich der Großteil bislang auch, bei Aufforderung durch die Mitarbeiter der Wiener Linien, sofort einsichtig zeige. "Wer will schon den Geruch einer Leberkässemmel in der überfüllten U-Bahn oder mit Nudeln oder Ketchup verschmutzte Sitze", so Sima, die sich bei den Fahrgästen für ihre Mithilfe bedankt.

CommentCreated with Sketch.14 zu den Kommentaren Arrow-RightCreated with Sketch. Die Stadträtin versprach, dass die Mitarbeiter der Wiener Linien bei der Kontrolle des Essverbots stets mit Fingerspitzengefühl vorgehen und niemals einem Kleinkind ein Kipferl oder einen Apfel wegnehme werden.

Über 1.000 Rückmeldungen beim Kundenservice

Seit Juli 2018 wandten sich über 1.000 Fahrgäste per Mail, telefonisch oder persönlich an den Kundendienst der Wiener Linien. Der überwiegende Großteil seien positive Rückmeldungen oder Fragen zum Essverbot gewesen. Die Wiener Linien gaben Antworten auf Fragen wie "Welche Speisen sind nicht mehr erlaubt?", "Auf welchen Linien gibt es das Essverbot?" oder "Sind Kinder oder DiabetikerInnen ausgenommen?". Im November gab es nur mehr vereinzelt Anfragen zum Thema Essverbot.

Essverbot sorgt für saubere U-Bahn-Züge

Auch in punkto Sauberkeit lasse sich ein deutlicher Unterschied erkennen. Der Müll in den Waggons sei spürbar weniger geworden. Die Reinigungskräfte müssten weniger Essensreste auf Sitzen oder Böden einsammeln, auch seien weniger liegengelassene Verpackungen zu beobachten, was zu einer Reduktion der Reinigungskosten führe.

"Im letzten Jahr hat die Reinigung der U6-Züge 470.000 Euro gekostet, im ganzen U-Bahn-Netz sind es über zwei Millionen Euro pro Jahr. Insgesamt sammeln sich in den Zügen und in den Stationen jedes Jahr 54 Millionen Liter Müll an. Wir stellen durch das Essverbot eine deutliche Reduktion des anfallenden Mülls fest. Jeder Euro, der beim Reinigen eingespart wird, kann in modernere Züge oder Stationen investiert werden und kommt letzten Endes den Fahrgästen zugute", betont Wiener-Linien-Geschäftsführerin Alexandra Reinagl.

Online-Voting: Zweidrittel für Essverbot

Die Öffi-Fahrgäste haben im Sommer in einer Online-Umfrage eindeutig für das Essverbot abgestimmt, über 50.000 Menschen haben im August die Möglichkeit genutzt, mitzubestimmen. Mehr als zwei Drittel haben sich für ein Essverbot auf allen U-Bahnlinien ausgesprochen.

Umfassendes Maßnahmenpaket auf der U6

Das Essverbot war Teil eines umfassenden U6-Maßnahmenpakets, das viele Verbesserungen für die Fahrgäste brachte. Neben Klima-Nachrüstung, Sonnenschutzfolien und Lüftungskiemen in den heißen Monaten, wurden außerdem Bodenmarkierungen auf den Bahnsteigen für schnelleres Ein- und Aussteigen angebracht, Stationen und Fahrzeuge modernisiert, sowie die Sauberkeitsmaßnahmen intensiviert.

Alle Infos zum U6-Maßnahmenpaket finden Sie hier. (lok)

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