Österreich

"Bitte helft meinem Bruder, er soll geköpft werden"

Ein junger Mann aus Afghanistan wird von den Taliban mit dem Tod bedroht. Sein Bruder, der in Österreich lebt, will ihn retten.
Sandra Kartik
24.05.2022, 16:08

Baran F. (Name geändert) kann kaum schlafen. Der in Wien lebende Afghane bangt um das Leben seines Bruders Ali (Name geändert). Der 25-Jährige war in seiner Heimat für die nationale Sicherheit verantwortlich. Er brachte Ausländer vom Flughafen Kabul zu ihren Botschaften und umgekehrt. Seitdem die Taliban vor einem Jahr erneut die Macht übernahmen, lebt Ali in Afghanistan in Todesangst.

"Sie gingen zu seinem Haus, verbrannten all seine Dokumente und seinen Pass, damit er Afghanistan nicht verlassen kann. Einer von ihnen hat meinen Bruder verwundet. Sie drohten ihm, ihn und seine Frau zu töten, wenn er nicht zu den Taliban überlaufen würde", schildert Baran F. verzweifelt im "Heute"-Gespräch.

"Heute" auf Google als bevorzugte Quelle festlegen

"Er schwebt in Lebensgefahr"

Der Wahl-Wiener und seine Eltern leben seit sechs Jahren in Österreich, seit 2019 haben sie einen positiven Asylbescheid. Nun versucht die Familie, auch Ali F. hierher nachzuholen, um ihn in Sicherheit zu bringen. "Mein Bruder schwebt in Lebensgefahr. Die Taliban haben schon neun seiner Kollegen enthauptet. Er könnte der nächste sein", berichtet Baran F. voller Entsetzen. Sein Bruder, der schon gefoltert wurde, schaffte es inzwischen nach Pakistan zu flüchten, wo er nun illegal lebt. "Wenn er gefunden wird, muss er zurück nach Afghanistan und wird sterben."

Ali F. hat bei der österreichischen Botschaft in Pakistan bereits einen Antrag auf Familienzusammenführung gestellt, "doch der wurde von MA 35 abgelehnt", erzählt sein Bruder. Auf "Heute"-Anfrage heißt es dazu aus dem Magistrat: "Aufenthaltstitel sind kein Akut-Instrument, um eine Ausreise aus Krisenregionen zu ermöglichen. Dafür gibt es die Mittel des humanitären Visums und des Asyls – beide fallen in die Bundeszuständigkeit, also des BMI und des BMEIA."

Appell an den Bundespräsidenten

Da der Afghane bereits über 18 Jahre alt ist, ist eine Zusammenführung mit seinen Eltern und seinem Bruder in Österreich über das Ministerium jedoch nicht möglich. Ali F. versuchte deshalb auch, einen Antrag auf die Rot-Weiß-Rot-Karte als Schlüsselarbeitskraft oder in einem Mangelberuf zu stellen. Doch die MA35 lehnte auch diesen Antrag ab.

"Bitte helft meinem Bruder, sonst wird er geköpft", fleht Baran F. Weil weder das Innenministerium noch die MA35 Ali retten können, hofft er nun auf Intervention des Bundespräsidenten Alexander Van der Bellen. "Bitte lassen Sie nicht einen Antrag über sein Leben entscheiden und bringen Sie ihn in Sicherheit!"