Blasphemie-Freispruch: Tausende protestieren

Eine Christin saß wegen Gotteslästerung seit 2010 in Pakistan in der Todeszelle. Nun wurde sie freigesprochen. Islamistische Parteien mobilisieren deshalb Proteste.

Zehntausende gehen in Pakistan derzeit auf die Straße und legen das Land lahm. Aufgestachelt von radikalen islamistischen Parteien, die gegen den Freispruch von Asia Bibi mobilisieren. Die pakistanische Christin saß seit 2010 wegen Gotteslästerung in der Todeszelle. Ihr war vorgeworfen worden, sich bei einem Streit mit muslimischen Frauen in ihrem Dorf abfällig über den Propheten Mohammed geäußert zu haben. Gerichte hoben das Urteil nun jedoch auf.

Darüber sind islamistische Parteien und Organisationen erbost. "Wir werden unser Leben opfern, aber wir werden niemals weichen", sagte der radikalislamische Prediger und Anführer der Gruppe Tehreek-e-Labaik Pakistan (TLP), Khadim Rizvi, am Donnerstag in Lahore.

Seit Mittwoch protestieren Tausende

Ausgebrochen waren die Proteste am Mittwoch. Tausende blockierten nach Bekanntgabe des Freispruches wichtige Gleisverbindungen und Straßen, darunter auch eine der Hauptzufahrten in die Hauptstadt Islamabad. Außerdem kam es zu Plünderungen von Regierungsgebäuden, wie die Behörden mitteilten.

Soldaten wurden zum Schutz von öffentlichen Gebäuden in die größeren Städte des Landes entsandt. Das Militär schützte das Parlamentsgebäude und die Gerichte in der Hauptstadt Islamabad. Soldaten wurden auch in die östlich gelegene Großstadt Lahore entsandt. Dort hatten TLP-Mitglieder versucht, das regionale Parlament zu stürmen.

Premier rief zur Ruhe auf

Premierminister Imran Khan rief am Mittwochabend in einer Fernsehansprache zur Ruhe auf und warnte Demonstranten davor, den pakistanischen Staat anzugreifen. Zugleich begann die pakistanische Regierung Gespräche mit den radikalislamischen Gruppen. Vize-Innenminister Shehryar Afridi sagte, die Regierung wolle eine friedliche Lösung finden.

Aktivisten appellierten an die Regierung, den Islamisten keine Zugeständnisse zu machen. Dies würde eine "Kapitulation durch den Staat" bedeuten, schrieb der Aktivist Jibran Nasir auf Twitter. Die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) in Frankfurt am Main begrüßte den Mut der Richter und bezeichnete deren Entscheidung als "Meilenstein".

(red)

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