Winter viel zu warm – Wien droht Schädlings-Invasion

Wenn Fichten und Kiefern vom Borkenkäfer befallen sind, wie hier (2019) in Mistelbach, hilft meist nur großflächige Rodung.
Wenn Fichten und Kiefern vom Borkenkäfer befallen sind, wie hier (2019) in Mistelbach, hilft meist nur großflächige Rodung.Stadtgemeinde Mistelbach, iStock
Bisher ist wenig Niederschlag gefallen. Kaum Regen, noch weniger Schnee. Auch ist der Winter recht warm. Kleine Tiere im Erdreich aber freut das.

Trockenheit bleibt wohl auch im Sommer 2023 ein Thema in Wien. Denn was hier bisher an Regen gefallen ist, gilt eher als ein Tropfen auf den heißen Stein. Oberflächlich würden die Felder zwar nass wirken, der Anblick täusche jedoch, sagt der Präsident der Landwirtschaftskammer Wien, Franz Windisch, zum ORF. "Es ist kein verwertbarer Niederschlag im agrarischen Sinn. Ein idealer Niederschlag wäre bei 30 Litern pro Quadratmeter. Es regnet bei uns seit Monaten eher nur portionsweise mit einem, drei oder fünf Litern.“

Und die milden Temperaturen haben einen weiteren Effekt: "Da ist eine gewisse Gefahr, dass in einem zu warmen Winter die Schädlinge nicht erfrieren können“, weiß Landwirt Windisch. Die alten Bekannten in diesem Zusammenhang sind die Borkenkäfer. Müssen wir uns auf einen massiven Schädlingsbefall gefasst machen? Nein. "Eine allgemein gültige Prognose ist zum jetzigen Zeitpunkt nicht möglich", sagte Elisabeth Koschier vom Universität für Bodenkultur Wien gegenüber "Heute".

Wintereier sind frosthart

Und ganz so einfach sei es nun auch nicht. "Einerseits wirkt sich strenger Winterfrost sehr unterschiedlich auf die verschiedenen Schädlingsarten aus. Manche Arten kommen mit tiefen Temperaturen besser zurecht als andere, und auch ungewöhnlich milde Winter haben dementsprechend unterschiedlichen Einfluss auf das Überleben beziehungsweise die Vermehrungszyklen von Schädlingsarten", sagte Elisabeth Koschier vom Universität für Bodenkultur Wien gegenüber "Heute".

Zum Borkenkäfer informiert Hubert Hasenauer, ein Kollege von Elisabeth Koschier: "Ich kann vereinfacht für den Wald sagen: Borkenkäfer halten Frost sehr gut aus. Wenn es über 16 bis 17 Grand warm ist, dann bekommen sie das Signal: Frühling kommt und sie beginnen auszuschwärmen, wie wir das nennen." Dazu sei es derzeit aber zu früh bzw. zu kalt.

Erst das Frühjahr ist interessant

"Für uns wichtig ist das Frühjahr – wenn es das zu warm ist und die Bäume etwa auf Grund der milden Wintertemperaturen und zu wenig Schnee während der Wachstumsphase unter Trockenstress kommen, dann hat es der Borkenkäfer leicht und kann sich dann sehr rasch vermehren. Das fürchten wir aber ob das heuer tatsächlich ein Problem wird, hängt von der Wetterentwicklung der nächsten Wochen und Monaten ab."

Läuse sind eine andere Liga

Ein anschauliches Beispiel für den Einfluss des Winterwetters auf eine Schädlingspopulation würden bestimmte heimische Blattlausarten geben, so die Expertin: "Die Läuse entwickeln sich im Herbst an Pflanzen, legen danach Wintereier ab und erfrieren in der Regel, sobald die Temperaturen unter den Gefrierpunkt fallen. Ihre Wintereier seien dagegen sehr frosthart und würden auch strenge Winter überleben."

In milden Wintern könnten aber auch die (Eltern-)Blattläuse selbst überleben und im folgenden Frühjahr sehr bald aktiv werden – deutlich früher als die nächste Generation, die aus den Wintereiern schlüpft. So könnte es tatsächlich zum Auftreten höherer Populationen kommen, sagt Elisabeth Koschier.

Eine Blattlaus macht noch keinen Schädlingssommer

Allerdings weist die Professorin vom Institut für Pflanzenschutz darauf hin, dass man jetzt, wo der Winter ja noch nicht einmal einen Monat alt ist, noch nicht Prognosen für's kommende Jahr stellen solle. Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer. Und eine Blattlaus noch keinen Schädlingssommer.

"Es muss festgehalten werden, dass es Anfang Jänner für belastbare Prognosen über den Verlauf dieses Winters und seine Auswirkungen auf Schädlingspopulationen viel zu früh ist. Temperaturen unter dem Gefrierpunkt sind im Februar und auch im März durchaus üblich, und auch dann ist das Erfrieren von Schädlingen noch möglich."

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