Der schnellste Mann der Tour de France musste ins Krankenhaus: Die 112. Frankreich-Rundfahrt ist am Montag von einer Reihe ganz übler Stürze überschattet worden, am schlimmsten erwischte es den belgischen Topsprinter Jasper Philipsen. Der Etappenerfolg dessen Landsmanns Tim Merlier in Dünkirchen hatte einen faden Beigeschmack.
Felix Gall wurde als bester Österreicher 116., ist gesamt an der 20. Stelle.
Im Ziel herrschte viel Frust: Philipsens Teamkollege Mathieu van der Poel verteidigte zwar das Gelbe Trikot des Gesamtführenden nach 178,3 km an der Kanalküste erfolgreich, das konnte ihn angesichts des bitteren Ausscheidens seines Kumpels kaum erheitern.
Auch Bauhaus konnte sich nur bedingt über seinen starken dritten Rang freuen. Der 30-Jährige kam auf der Zielgeraden mächtig auf, aber nicht mehr ganz an Merlier und den zweitplatzierten Italiener Jonathan Milan heran. "Am Ende hat mir ein bisschen die Power gefehlt", sagte Bauhaus, der im Vorjahr bereits einmal Etappenzweiter geworden war: "Platz drei ist aber schon gut." Bauhaus, immerhin, blieb am Montag heil, das galt längst nicht für jeden.
60 km vor dem Ziel einer bis dahin gerade zu langweiligen Etappe krachte es auf der schnurgerade Départements-Straße 186 im Örtchen Isbergues gewaltig: Der Franzose Bryan Coquard, Teamkollege von Emanuel Buchmann bei Cofidis, geriet beim ersten Zwischensprint bei Vollspeed ins Schlingern und räumte den schuld- wie chancenlosen Philipsen ab. Dieser krachte auf den Rücken, unter dem zerrissenen Trikot zeichneten sich große blutende Wunden ab. Schnell war klar: Es geht nicht weiter.
Damit endete die Traumstart-Euphorie im Alpecin-Team schlagartig. Philipsen hatte am Samstag die erste Etappe gewonnen und Gelb geholt, am Sonntag siegte van der Poel und übernahm die Gesamtführung, Philipsen fuhr im Grünen Trikot des besten Sprinters weiter.
Im Finale krachte es dann noch einmal, unter anderem kam Belgiens Olympiasieger Remco Evenepoel zu Fall. Während der Vorjahresdritte wohl glimpflich davonkam, erwischte es Jordi Meeuws, des Topsprinter des Red-Bull-Teams wohl schwerer.
Am Dienstag durchquert die Tour wieder "Van-der-Poel-Terrain": Gerade das Schlussdrittel der 174,2 km auf dem Weg in die alte Kathedralen-Stadt Rouen bieten das Klassiker-Profil, das der Niederländer so liebt. Fünf Bergwertungen warten auf den letzten 50 km, die gefürchtete Rampe von Saint-Hillaire kurz vor dem Ziel ist bis zu 16 Prozent steil. Das liegt natürlich auch Titelverteidiger Tadej Pogacar - fraglich nur, wieviel die Klassement-Favoriten vor dem ersten Zeitfahren am Mittwoch in Caen investieren wollen.