Boeing 747 muss mittels Diskette aktualisiert werden

So muss ein Update jeden Monat per Diskette eingespielt werden.
So muss ein Update jeden Monat per Diskette eingespielt werden.Pen Test Partners
Nein, Disketten sind noch nicht tot. Die 747 von Hersteller Boeing muss einmal pro Monat noch mit dem alten Speichermedium aktualisiert werden.

Versteckte Schlafplätze für die Crew, ein Spezial-WC für die Piloten und ein Diskettenlaufwerk im Cockpit: In der Boeing 747 gibt es so einiges, was der normale Passagier niemals zu Gesicht bekommt. Anders die beiden Sicherheitsexperten von der Firma Pen Test Partners. Sie konnten sich in einer ausrangierten 747 von British Airlines austoben.

Auf dem rund zehn Minuten langen Rundgang streifen sie durch die Kabine und nehmen dabei auch die Technik im Cockpit und im Rumpf des Flugzeugs auseinander. Ganz vorne in der Maschine stoßen sie auf alte Technik: Es gibt ein Diskettenlaufwerk. "Alle 28 Tage muss ein Techniker darüber eine neue Navigationsdatenbank einspeisen", erklärt Alex Lamos von Pen Test Partners im Video.

"Teure Bestien"

Der Fund der veralteten Technik ist aber weniger außergewöhnlich, als man vielleicht zuerst erwartet. Denn die 747 wird seit den 1960er-Jahren gebaut, das Modell aus dem Rundgang, die 747-400, seit Ende der 80er-Jahre. Einige Airlines haben die 747-400 sogar noch in der Flotte. Die Produktion wird 2022 von Boeing aber endgültig eingestellt. "Der Lebenszyklus eines solchen Flugzeugs beträgt schnell einmal 30 Jahre", so Lamos. Darum sei das, was man heute in Flugzeugen finden würde, vielfach nicht mehr State of the Art.

Dass die Sicherheitsforscher das Flugzeug überhaupt betreten durften, ist außergewöhnlich. "Flugzeuge sind teure Bestien", sagt Lamos. Möglich war es nur, da die Fluggesellschaft British Airways die Maschine aufgrund der Covid-19-Pandemie früher als geplant ausrangierte. Was die Sicherheitsforscher sonst noch alles auf dem Rundgang entdeckt haben, zeigten sie bei der virtuellen Hackerkonferenz Defcon. Hier gibt es das Youtube-Video in voller Länge.

Dass selbst bei sensibelsten Anwendungen noch veraltete Technik eingesetzt wird, sorgt immer mal wieder für ein Stirnrunzeln. So lief ein Kommando- und Kontrollsystem im Pentagon auf einem IBM-Computer der Serie 1. Dieser Computer wurde 1976 vorgestellt. Eine Pentagonsprecherin sagte 2016, das System funktioniere noch immer. 2019 wurde das System ersetzt. Anstatt 8-Zoll-Disketten werden nun Flash-Speicher eingesetzt.

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