Bound im Test: Tanzend der Realität entfliehen

Eines der wohl ungewöhnlichsten Games haben die Santa Monica Studios für die Sony PlayStation 4 abgeliefert.
Bound wirft Spieler in eine märchenhafte Ballett-Geschichte, weder Steuerung noch Grafik oder Story sind dabei herkömmlich umgesetzt. Ob dieser Ausflug Richtung Videospielkunst aufgeht, haben wir tanzend getestet. "Manchmal muss man, um nach vorne zu kommen, einen Schritt zurück machen", erklärt einem Bound und zeigt gleich zu Beginn, dass es für Spieler gemacht wurde, die Wert darauf legen, sich tief in ein Game hineinfühlen zu können.

Die Story von Bound wird jeder für sich selbst erleben. Die eine Geschichte, die erzählt wird, gibt es nämlich nicht - Bound wird für jeden Spieler eine eigene Bedeutung bekommen. Anfangs stellt uns Bound eine schwangere Frau vor, die sich an einem Strand ihrem Tagebuch widmet - in diesem sind die Kapitel des folgenden Spiels enthalten, die gleichzeitig die mutmaßlichen Erinnerungen der Darstellerin an eine nicht immer allzu rosige Vergangenheit sein dürften. Will man bei Bound ein Ziel benennen, dann heißt es wohl: Eine zerbrochene Welt soll durch die Schönheit des Tanzes repariert werden.

Die Bewegungen sind die Geschichte

Einblendungen und Erklärungen bietet Bound wenige, Sprache noch weniger. Die Story soll über die Bewegungen und Geschehnisse im Spiel erzählt werden und bleibt im Großen und Ganzen bis zum Ende abstrakt. Ziel ist es, tänzelnd von einem Punkt zum anderen in den äußert linearen Levels zu gelangen. Umso verworrener ist die virtuelle Realität, in die jeder Spieler dabei auf seine individuelle Weise eintauchen kann. Leider nur für etwa vier Stunden, denn dann ist man am "Ziel" des Titels angelangt.

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Gehen, springen, klettern, alles wird in einer tänzerischen Form absolviert. Was die einzelnen Levels für die ganze Story bedeuten, muss jeder selbst zu deuten wissen. Probleme und Ärgernisse aus der Vergangenheit präsentieren sich als Abgründe - nicht nur der Seele, sondern auch im Spiel - ebenso wie durch Blockaden, Netze und Blöcke. Sie kann man entweder rennend und springend schnell, oder gekonnt tänzelnd langsam überwinden. Eine Metapher, wie wir in der Realität mit Frust, Ärger, Wut und Trauer umgehen? Möglich. Dass man darüber nachzudenken beginnt, ist eine der großartigen Leistungen des Spiels.

CommentCreated with Sketch.0 zu den Kommentaren Arrow-RightCreated with Sketch. Nicht immer geht es tanzend durch die Welt

Kleinere Frustrationsmomente bietet das experimentelle Bound bei der Steuerung und bei der Kamera. Mit den Controllertasten springt (X-Taste), schlägt man Räder (Viereck-Taste) oder rollt (O-Taste) und rennt (L2-Schultertaste) durch die Flucht aus der Realität und garniert dies zwischendurch mit einer ganzen Abfolge von rhythmischen Schritten, die mit der R2-Schultertaste ausgelöst wird. Allerdings: In der abstrakten Welt variiert oftmals die Spungweite der Tänzerin, wodurch man sie ungewollt in einen Abgrund stürzt.

Auch die Kameraeinstellung zeigte sich, nicht oft, aber manchmal, etwas ungeschickt - verlaufen kann man sich in Bound zwar sowieso nicht, aber in seltenen Szenen fehlt dann doch der Durchblick, wenn man von Wänden und Blöcken umgeben ist. Fair verteilte "Checkpoints" versöhnen aber bei Missgeschicken und Abstürzen. Abseits davon fließen die Eindrücke und Bewegungen der Protagonisten und der Welt ohne Unterbrechungen ineinander und schaffen eine beeindruckende Spielewelt.



Quelle YouTube

Fazit

Bound zu beschreiben ist keine leichte Aufgabe - wer das wunderbare Journey kennt, kann sich dieses mit Ballett-Einlagen vorstellen - übrigens ist es auch VR-kompatibel, was das Spiel noch einmal auf ein neues Erlebnis-Level heben wird. Die Idee, einen Plattformer mit starken künstlerischen Elementen umzusetzen, geht bei Bound voll auf. Besonders stark präsentiert sich die grafische Leistung - die Bewegungen, Farben und Gestaltung wirkt faszinierend harmonisch.

Der Begriff "Kunstspiel" schreckt leider manche Gamer von vorneherein ab. Das ist schade, denn gerade hier sind immer wieder Titel zu finden, die sich statt als fades Intellektuellenwerk vielmehr als Spieleperle präsentieren. Bound ist eine solche Perle. Hier begibt man sich auf eine Reise ins Selbst und kann sich tanzend aus der Realität flüchten. Und auch wenn vielleicht nicht jeder Spieler am Ende eine solche Transformation durchmachen wird wie die Protagonistin des Titels, so ist Bound zumindest eines: eine verträumt-gelungene Flucht aus der Realität, aus der man gemeinsam mit der sorgengeplagten Frau am Strand ausbrechen kann.

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