Knaller im TV

"Braunschlag 1986": Kultserie kehrt im ORF zurück

Die ORF-Serie "Braunschlag" kehrt als Zweiteiler zurück und verknüpft Nostalgie der 80er-Jahre mit aktuellen gesellschaftlichen Themen.
Heute Entertainment
05.03.2026, 11:18
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14 Jahre nach der Erstausstrahlung kommt die ORF-Kultserie von David Schalko am 20. und 21. März zurück. In zwei fast zweistündigen Spezialfolgen gibt es nicht nur ein Wiedersehen mit dem Starensemble rund um Roman Palfrader und Nicholas Ofczarek und ihren so liebevoll wie jämmerlich dargestellten Figuren, sondern Du tauchst auch wieder in eine Zeit ein, die schon 40 Jahre zurückliegt: "Braunschlag 1986" heißt der Zweiteiler.

Staffel 2 eigentlich unmöglich

Die erste Staffel endete damals mit der Evakuierung des Dorfes an der tschechischen Grenze, weil ausgetretener Atommüll für erhöhte Radioaktivität gesorgt hat. "Eigentlich hätte dieses Ende ja auch verunmöglichen sollen, dass es eine zweite Staffel gibt", sagt Regisseur und Drehbuchautor Schalko. Doch vor zwei Jahren ist ihm eine Idee gekommen, die er für ausbaufähig gehalten hat: "Es gibt ja oft die Ansicht, dass früher alles besser war. Ich fand es interessant, das durchzuspielen, was passiert, wenn sich ein Dorf aus heutiger Sicht in die 80er zurückversetzt. Als ich überlegt habe, in welchem Dorf das spielen könnte, war schnell der Gedanke da, dass man sich kein Dorf erfinden muss, wenn es schon eines gibt."

Für das alte Team war der Dreh eine doppelte Zeitreise. Es ging nicht nur zurück in die 80er-Jahre, sondern sie sind auch ihren eigenen Figuren begegnet, die sie eigentlich schon hinter sich gelassen hatten, und Kollegen, die sie teils lange nicht mehr gesehen haben. "Am Tag vor dem ersten Drehtag sind wir beim Warm-up gesessen und haben uns verkopft ein paar Varianten überlegt, wie die Figuren einander wiederbegegnen könnten. Am nächsten Tag am Set haben wir dann instinktiv gespielt und uns einfach wieder fallen gelassen, als wäre kein Tag vergangen", erzählt Nina Proll. Roman Palfrader ergänzt: "Diesen Satz habe ich am Set am häufigsten gehört: Als wäre kein Tag vergangen! Es war ein bisschen wie nach Hause kommen."

"Ich war überrascht, wie rasch wir in unsere Figuren gefunden haben, sofort hat es wieder dieses Braunschlag-Feeling gegeben", sagt Maria Hofstätter. "Niemand hat recht lange danach suchen müssen." Einen Unterschied hat es aber gegeben, wie Nicholas Ofczarek festhält: "Wir sind diesmal nach jedem Drehtag heimgegangen. Das Skikurs-Feeling der ersten Staffel war weg, und wir haben daran gemerkt: Wir sind halt doch etwas gesetzter geworden." Die lange Pause hat er trotzdem als interessante Konstellation erlebt, "reizvoller, als hätten wir es gleich ein Jahr später gedreht".

Rechtspopulistischer Juniorpartner

Robert Palfrader als Bürgermeister Gerri Tschach und Nicholas Ofczarek als Discobetreiber Richard Pfeisinger sind laut Drehbuch die einzigen, die in den vergangenen 14 Jahren vor Ort geblieben sind. Palfrader: "Die haben sich es recht gut gehen lassen und sind schön verwahrlost nebeneinander." Dann kommt ein Anruf aus St. Pölten. Die Umstände haben sich geändert – jetzt zieht dort nicht mehr der "Onkel", sondern die "Tante" die Fäden, aber auch sie ist nicht mehr allmächtig, sondern hat einen rechtspopulistischen Juniorpartner an der Seite. "Diese aktuellen Bezüge einzubauen war sehr reizvoll", sagt Schalko. Der Bürgermeister rebelliert gegen den Druck von oben und reagiert auf seine Weise: Per Verordnung möchte er innerhalb der Gemeindegrenzen den Rückzug in die gute, alte Zeit ausrufen. Ein Experiment, das viele Überraschungen bereithält.

Warum hat sich Schalko gerade das Jahr 1986 ausgesucht? "1986 war ein Wendejahr in Österreich. Das Selbstverständnis des Landes hat sich durch Kurt Waldheim sehr verändert, und mit dem Aufstieg von Jörg Haider wurde die Salonfähigkeit der Rechten in Europa eingeleitet. Franz Vranitzky ist Bundeskanzler geworden, womit sich die Sozialdemokratie sehr verändert hat. Und ganz banal gesagt, war es meine Jugendzeit – und um diese Art der Verklärung geht es ja auch."

Im Team sind die Erinnerungen an 1986 sehr vom damaligen Alter geprägt. David Schalko war damals 13, Ofczarek 15, Palfrader 18 und Nina Proll 12. "Mich hat nur das Ausgehen interessiert und das Lernen meines Berufs. Es war schon leiwand zum Jungsein. Ich hatte das Gefühl, mir steht alles offen. Die Perspektive war: Alles ist möglich!", sagt die Schauspielerin. "Das ist die Gnade der späten Geburt!", schmunzelt Palfrader und zählt auf, an was er sich alles erinnert: "RAF und ETA, Entführungen und Terrorismus, Bhopal, Sellafield und Seveso – es sind schon grausliche Dinge passiert damals ..." Auch Maria Hofstätter erinnert sich mit Schaudern an Umweltsünden der oberösterreichischen Industrie, sauren Regen, verschmutzte Flüsse und stinkende Luft: "Gleichzeitig haben sich die Grünen gebildet. Man hatte das Gefühl, man kann an Schrauben drehen."

"Es war eine positivere Perspektive auf die Zukunft – und wahrscheinlich eine der besten Zeiten auf Erden in diesen Gefilden", glaubt Ofczarek. "Die Zeiten waren ein wenig naiver und unschuldiger."

Kein Internet und Social Media

"Heute hat man das Gefühl: Diese Aufbruchsstimmung ist nicht mehr da", wirft Nina Proll ein. "Ich finde es heute schwieriger. Die Jugendlichen sind anders belastet." Das hat mit vielen Faktoren zu tun. Von einem kann, ja muss man sich in "Braunschlag 1986" am neu errichteten Grenzübergang gleich befreien. In dem Ort gibt es kein Internet und kein Social Media. Smartphones sind abzugeben, und nur der Bürgermeister hat das Privileg eines tragbaren Telefons – das allerdings Größe und Gewicht eines kleinen Koffers hat. Tatsächlich zählt "das entschleunigte, analogere Leben" zu jenen Dingen, die sich die Schauspieler heute aus dem Jahr 1986 wünschen würden. "Ich möchte bitte auch die ganzen Flächen, die seit 1986 versiegelt wurden, zurück", ergänzt Palfrader. "Wenn ich daran denke, über welche Wiesen ich als Kind rennen durfte!"

In den letzten Jahren gab es immer wieder Berichte über geplante US-Neuverfilmungen von "Braunschlag". "Es gab tatsächlich bisher acht oder zehn Versuche, die sehr unterschiedlich waren", erzählt David Schalko. "Die letzte Optionierung war erst vor einem Jahr." Geklappt hat bisher noch keiner der Versuche. "Dabei könnte Braunschlag überall spielen. Überall gibt es den Drang, sich zu bereichern, und mafiöse Strukturen", glaubt Robert Palfrader. "Bei Trump läuft es im Prinzip nicht anders ab als beim Bürgermeister von Braunschlag – er hat nur die größere Bühne."

Einen Hauch der gefährlichen neuen Welt der engen Verbindungen von Big Money und großer Politik hat David Schalko auch in die zwei neuen Filme eingebaut. Ein sehr junger, sehr fantasievoller und offenbar sehr reicher Investor träumt davon, den Ort Braunschlag zum großen 80er-Jahr-Disneyland umzubauen und hat die entsprechenden Mittel, seine Pläne auch gegen Widerstände durchzusetzen. Und auch die Privatarmee, die der slicke Landeshauptfraustellvertreter zur Durchsetzung von Recht und Ordnung aufbaut, erinnert an manche Parallelen aus Geschichte und Gegenwart.

"Braunschlag 1986" endet mit einem offenen Schluss. Wurde da vielleicht schon für eine mögliche weitere Staffel vorgebaut? David Schalko versucht ein abschließendes unergründliches Lächeln: "Reden wir in 14 Jahren wieder darüber."

{title && {title} } red, {title && {title} } 05.03.2026, 11:18
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