Österreichs Speedherren legten einen historisch schlechten Start in die Saison hin. Vor den Hahnenkammrennen konnten die rot-weiß-roten Skifahrer weder in der Königsdisziplin Abfahrt noch im Super-G zuschlagen. Superstar Vincent Kriechmayr ist auf der Suche nach der Form. Dahinter fehlt die Dichte an Läufern, die um Stockerlplätze mitmischen könnten.
Ex-ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel will sich Kritik an und Seitenhiebe gegen seine ehemaligen Schützlinge verkneifen, keine tiefe Analyse abgeben. Und doch rutscht dem 82-Jährige aktuell im Interview mit der "Tiroler Tageszeitung" heraus, was für den langjährigen Erfolgs-Funktionär wohl das Hauptübel hinter der Krise ist.
Der Innsbrucker sagt: "Vinc (Kriechmayr) hat zwei WM-Titel gewonnen, auch bei Olympia 2022 waren wir erfolgreich. Aber mit Riml, Mitter, Giger und Puelacher sind erfahrene Trainer weggegangen, die natürlich ein Loch hinterlassen haben."
Die Krux liegt im Speed-Team also weniger an den Namen aus der vordersten Reihe. Der Exodus im Trainer- und Betreuerteam hat ein Loch in die Mannschaft gerissen, das allem Anschein nach nicht gleichwertig nachbesetzt werden konnte. Schröcksnadel nennt eine Schlüsselpersonalie: "Das Technologiezentrum leitete damals auch Toni Giger."
Giger wurde wie mehrere andere von Schröcksnadels Ex-ÖSV-Schützling Marcel Hirscher abgeworben. Der ehemalige Weltcup-Dominator hat mit seiner Marke "Van Deer" ein eigenes Weltcupteam aufgebaut, dabei auch in den Gewässern des ÖSV geangelt. Neben Giger wechselte auch Edi Unterweger (Ex-Chef Alpinbereich) und der "Gold-Schmied" von Katharina Liensberger, Servicemann Bernhard Arnitz, ins Hirscher-Lager.
Abspaltungen, wenngleich gänzlich anderer Natur, sieht der Unternehmer übrigens auch für den Weltverband FIS als eine der größten Gefahren in der Zukunft. Schröcksnadels Sorge: "Die Entscheidung, dass die Fußball-Verbände keine Super League verhindern könnten, könnte den Skisport in Bedrängnis bringen. Was passiert, wenn irgendwer eine Ski Super Challenge organisiert? Wenn die Big 5, also die großen fünf Veranstalter wie Wengen, Adelboden, Kitzbühel, Gröden und Schladming, so etwas aufstellen würden, hätte die FIS ein Problem."