Niederösterreich

Brüderpaar prügelt Mann, um 10.000 Euro einzutreiben

Die vorbetraften Serben sollen ihren Cousin verprügelt haben, um Zinsschulden einzutreiben. Das Duo wurde zu teilbedingten Haftstrafen verurteilt.
Erich Wessely
16.09.2020, 14:52

Prozess wegen schweren Raubes am Landesgericht Korneuburg: Die beiden Anklagten, ein Brüderpaar (25 und 26, Anwältin Astrid Wagner), sollen ihren Cousin verprügelt und ihm eine Rolex sowie Bargeld geraubt haben.

Die Hintergründe: Vor sechs Jahren hatte laut Anklage der Zweitangeklagte (26) seinem Onkel - dem Vater des Opfers – einen Pkw um einen Betrag von 2.000 Euro verkauft. Der Betrag soll aber nie bezahlt worden sein, weshalb der 26-Jährige nicht nur den Verkaufspreis (2.000 Euro), sondern auch Zinsen von 10.000 Euro einforderte.

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Vorfall in Gerasdorf bei Wien

Am 17. Juli 2020 besuchten sowohl die beiden Angeklagten als auch das spätere Opfer eine Tauffeier in Gerasdorf bei Wien. Den Umstand, dass sich auch der Sohn des Autokäufers auf der Feier in Gerasdorf befand, nutzten die beiden Angeklagten, um ihn auf die Schulden seines Vaters anzusprechen. Gegen 3.30 Uhr, kurz vor Ende der Feier, lockten ihn die Angeklagten neuerlich unter dem Vorwand, noch einmal mit ihm reden zu wollen, aus dem Lokal hinaus.

Vor dem Lokal sollen sie ihm dann einen Elektroschocker gezeigt und ihm laut Anklage von hinten einen Schlag gegen den Hinterkopf versetzt haben, woraufhin das Opfer zu Boden fiel. Anschließend sollen die beiden Angeklagten dem am Boden liegenden Mann mehrere Fußtritte gegen den Kopf und gegen den Körper verpasst haben.

Opfer erlitt Schädelfraktur

Als der Verletzte benommen auf dem Boden lag, sollen die Brüder seine Amrbanduhr der Marke Rolex Daytona im Wert von 19.000 sowie Bargeld in Höhe von rund 600 Euro geraubt haben. Das Opfer erlitt eine Schädelfraktur vom Hinterkopf zum rechten Felsenbein und eine leichte Hirnblutung.

Nachdem die Lebensgefährtin Opfers Anzeige bei der Polizei erstattet hatte, kontaktierte der Erstangeklagte die Mutter des Opfers. Er sagte zu ihr am Telefon: „Du hättest die Anzeige gestern nicht erstatten sollen. Ich werde dich umbringen." Bei der Einvernahme bei der Polizei stritten die Brüder die Tat ab. Das Opfer hätte angefangen, die beiden hätten nur in Notwehr gehandelt. Dadurch sei das Opfer zu Boden gefallen. Sie hätten ihm weder einen Elektroschocker gezeigt, noch ihm Fußtritte gegen Kopf oder Körper versetzt und auch nicht seine Uhr und Bargeld geraubt. Die Verletzungen seien dadurch entstanden, dass das Opfer am Boden unglücklich aufschlug.

Fünf Wodka-Red-Bull

In ihrer Beschuldigtenvernahme im Zuge der Untersuchungshaftverhängung konnten sich beide Angeklagte an den Vorfall am Abend erinnern. Der Erstangeklagte gab an, fünf oder sechs Wodka-Red-Bull konsumiert zu haben. Der Zweitangeklagte sprach von rund einem Liter Spritzer, den er getrunken hatte. 

Die beiden Angeklagten sind serbische Staatsbürger, der derzeit arbeitslose Erstangeklagte ist drei Mal in Österreich vorbestraft, wobei eine einschlägig ist. Der Zweitangeklagte betreibt seit Kurzem einen Autohandel, auch er weist eine einschlägige Vorstrafe in Österreich auf.

Teilbedingte Haftstrafen

Für die beiden Angeklagten setzte es, souverän vertreten von Anwältin Astrid Wagner, milde Strafen. Vom Vorwurf des Raubes wurde das Brüderpaar freigesprochen, übrig blieb das Delikt Bedrängnisdiebstahl: 18 und 15 Monate teilbedingte Haft (davon zwölf und zehn Monate bedingt nachgesehen), die Urteile sind nicht rechtskräftig.

Kurioses Detail: Die Rolex-Uhr soll gar nicht gestohlen worden ein, sondern sie war laut Zeugen ein Geschenk von einer älteren, reichen Geliebten ...