Italien

Brutaler Frauenmord in Italien: Debatte über Femizide

Heuer gab es schon über 100 Frauenmorde in Italien. Nach der gewaltsamen Tötung einer 22-Jährigen diskutiert Italien nun über schärfere Maßnahmen.

David Winter
Brutaler Frauenmord in Italien: Debatte über Femizide
Close-up Of A Man Threatening Woman By Showing His Fist
Getty Images/iStockphoto

Der Mord an der Studentin Giulia Cecchettin hat in Italien landesweit für Aufruhe gesorgt – und wie bei keinem anderen Mordfall zuvor das Augenmerk auf Gewalt gegen Frauen gelenkt. Am 18. November war die Leiche der Ingenieursstudentin aus einer Kleinstadt in der Nähe von Venedig bei einem See gefunden worden.

Die 22-Jährige war vorher eine Woche lang vermisst worden, nachdem sie seit einem Treffen mit ihrem Ex-Freund verschwunden war. Laut der Schwester des Opfer soll sich das Paar getrennt haben. Die beiden seien noch zusammen einkaufen gegangen, um ein Kleid für die  Abschlussfeier der jungen Studentin zu kaufen. Danach verschwand Giulia Cecchettin.

Zahlreiche Stichverletzungen an Hals und Kopf

Ihr Ex-Partner Filippo Turetta wurde am späten Samstag auf einer Autobahn in Ostdeutschland in einem liegengebliebenen Auto verhaftet und seitdem wartet auf die Auslieferung. Ihm sollen Geld und Benzin ausgegangen sein. Der Verteidiger des Verdächtigen hat gegenüber italienischen Medien erklärt, Turetta werde sich seiner Auslieferung nicht widersetzen.

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    Gedenkveranstaltung am Mailänder Dom für die ermordete Giulia Cecchettin.
    Gedenkveranstaltung am Mailänder Dom für die ermordete Giulia Cecchettin.
    Marco Ottico / Zuma / picturedesk.com

    Eine Kamera soll den jungen Mann laut Medienberichten bei der Tat gefilmt haben. Wie er seine Ex-Freundin bewusstlos schlägt, die stark blutende Frau ins Auto lädt und dann verschwindet. Tage später wurde die Leiche mit zahlreichen Stichverletzungen an Kopf und Hals in der Schlucht nahe des Barcis-Sees gefunden. Die Polizei geht davon aus, dass die Leiche etwa 50 Meter tief in eine Schlucht hinuntergeworfen wurde. Am Körper der Toten konnten zahlreiche Abwehrverletzungen an Händen und Armen festgestellt werden.

    Täter und Opfer bürgerlicher Herkunft

    Italienischen Medien zufolge sind das Opfer und ihr Ex-Partner gutbürgerlicher Herkunft. Die Tat ereignete sich kurz vor der Abschlussfeier der Ingenieurstudentin. Dass seine Ex-Freundin nach dem Studium die Heimatstadt verlassen und eigene Wege gehen wollte, soll dem mutmaßlichen Täter nicht gepasst haben, heißt es.

    Mord beschäftigt ganz Italien

    Das Verschwinden und der Mord an Giulia Cecchettin haben in der vergangenen Woche das ganze Land beschäftigt. Landesweit wurde das Thema Frauenmorde diskutiert, in Mailand gab es Kundgebungen für die Ermordete. Für Samstag sind anlässlich des Internationalen Tages zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen Kundgebungen angekündigt.

    Auch die italienische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni äußerte sich. "Wir alle haben in den letzten Tagen gehofft, dass Giulia am Leben ist. Leider sind unsere größten Befürchtungen wahr geworden", schrieb Meloni auf X, ehemals Twitter. Italiens Ministerpräsidentin fügte hinzu:

    Jede einzelne Frau, die getötet wird, weil sie 'schuldig' ist, frei zu sein, ist eine Entgleisung, die nicht toleriert werden kann. Und die mich dazu drängt, den eingeschlagenen Weg fortzusetzen, um diese Barbarei zu stoppen.
    Giorgia Meloni
    Ministerpräsidentin von Italien
    Italiens Premierministerin Giorgia Meloni zeigte sich bestürzt über den Femizid an Giulia Cecchettin.
    Italiens Premierministerin Giorgia Meloni zeigte sich bestürzt über den Femizid an Giulia Cecchettin.
    IMAGO/ZUMA Wire

    Meloni kündigte an, dass das italienische Parlament am 22. November über einen Gesetzentwurf abstimmen wird, der die Schutzmaßnahmen für gefährdete Frauen erweitert. Außerdem kündigte die Regierungschefin eine öffentliche Sensibilisierungskampagne gegen Femizide an.

    Über hundert Frauenmorde

    Bis zum 12. November wurden in Italien heuer 102 Frauen getötet, davon 53 von aktuellen oder ehemaligen Partnern, wie aus Daten des italienischen Innenministeriums hervorgeht. Im Vergleich zum Vorjahr gibt es nur leichte Veränderungen: 2022 wurden im gleichen Zeitraum 51 Frauen von Partnern oder Ex-Partnern umgebracht. In den Jahren zuvor waren es hingegen mehr. 2021 und 2020 sollen jeweils 70 Frauenmorde gewesen sein.

    Opposition will "giftige patriarchale Strukturen ausrotten"

    Auch die Vorsitzende der stärksten Oppositionspartei "Partitio Democratico" Italiens hat sich für weitere Maßnahmen gegen Gewalt an Frauen ausgesprochen. Elly Schlein will dafür parteiübergreifend Vorschläge erarbeiten lassen. Als erste Maßnahme schlägt die Sozialdemokratin ein Gesetz vor, dass Unterrichtseinheiten über Respekt und zwischenmenschliche Beziehungen in allen Schulen vorschreiben würde. So sollen "giftige patriarchale Strukturen des Besitzes und der Kontrolle über das Leben von Frauen" beseitigt werden.

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