Bub stirbt nach Bad im See an hirnfressender Amöbe

Schuld an seinem Tod: Naegleria fowleri, einer der tödlichsten Parasiten der Welt. (Im Bild: Naegleria fowleri)
Schuld an seinem Tod: Naegleria fowleri, einer der tödlichsten Parasiten der Welt. (Im Bild: Naegleria fowleri)Wikimedia Commons/PD
Er klagte über Übelkeit, Erbrechen, Kopfschmerzen und einen steifen Nacken. Wenig später war der 13-Jährige tot.

"Es tut uns leid, Ihnen das sagen zu müssen, aber Ihr Sohn…, er hat sich eine parasitäre Amöbe eingefangen, und es gibt keine Heilung" – als Travis Tanner und seine Frau diese Worte von den Ärzten hören, fallen sie aus allen Wolken. Denn ihr Sohn, Tanner, war lediglich im See neben ihrem Campingplatz im US-Bundesstaat Florida schwimmen gewesen und hatte eigentlich nichts falsch gemacht, wie der lokale Nachrichtensender "News4Jax" berichtet.

Tatsächlich, das zeigte sich beim Arztbesuch, war Tanners einziger Fehler, etwas Seewasser über die Nase aufgenommen zu haben. Denn dieses war mit Parasiten der Art Naegleria fowleri kontaminiert. Die Amöben kommen überwiegend in Australien und den USA vor. Sie mögen es feucht und warm und breiten sich in wärmeren Gewässern, heißen Thermen und schlecht chlorierten Schwimmbecken aus. In den Meeren sind sie nicht zu finden.

Selten, aber äußerst tödlich

Gelangen die Parasiten ins Gehirn, zersetzen sie innerhalb kurzer Zeit die Gehirnmasse. Eine solche Infektion verläuft fast immer tödlich. So auch bei dem 13-jährigen Tanner. Zwar ergriffen die Ärzte vom University of Florida Health Hospital in Gainsville noch lebensrettende Maßnahmen, allerdings ohne Erfolg: Tanner zeigte keine Hirnaktivität mehr. Am Tag darauf verstarb er, wie "People.com" schreibt.

Tanners Schicksal ist kein Einzelfall. Zwar kommt es nur selten zu einer Infektion, aber die Chancen auf Heilung stehen schlecht: Die Überlebensrate beträgt laut der US-Gesundheitsbehörde CDC weniger als drei Prozent. Von 1962 bis 2018 wurden in den USA 145 Infektionsfälle bekannt, von denen nur vier überlebten. Der Tod von Tanner ist der zweite Fall in Florida im Sommer 2020. Im Juli starb bereits ein 42 Jahre alter Mann an den Folgen seiner Infektion. Im vergangenen Jahr erregte der Tod der erst 10-jährigen Lily Mae Avant Aufsehen.

Weitere Fälle verhindern

Tanners Eltern gehen mit dem Tod ihres Sohnes an die Öffentlichkeit, um andere Menschen vor der unsichtbaren Gefahr im Süßwasser zu warnen: "Die Menschen müssen sich von Juli bis Ende September mit dem warmen Wasser bewusst sein, dass diese Amöbe in der Nase hochkommen kann", so der Vater zu "People.com". Es könne grundsätzlich überall passieren: beim Tauchen, beim Schwimmen, selbst beim Wasserskifahren. Travis und seine Frau schlagen vor, Warnschilder aufzustellen.

Auch die Gesundheitsbehörde von Florida setzt alles daran, Menschen vor der Aufnahme von Naegleria fowleris , des tödlichsten Parasiten der Welt, zu bewahren. Sie empfiehlt, in Zeiten hoher Wassertemperaturen und niedriger Wasserstände das Schwimmen in warmem Süßwasser zu vermeiden und bei Aktivitäten in warmem Süßwasser Nasenklammern zu verwenden oder sich die Nase zuzuhalten.

Vorsicht auch vor fleischfressenden Bakterien

Naegleria fowleris kommt zwar nur in Süßwasser vor, doch auch im Meer besteht bei Wassertemperaturen ab 20 Grad die Gefahr, sich lebensgefährlich zu infizieren. Dann bilden sich nämlich Bakterien – die sogenannten Vibrionen, die je nach Einfallsort am menschlichen Körper Durchfälle oder Wundinfektionen auslösen können, aber mitunter auch tödlich enden. Menschen mit einem schwachen Immunsystem, Krebserkrankte oder solche mit Leber- oder Nierenschwäche sind besonders gefährdet.

Darum wandern die Parasiten schnurstracks ins Gehirn

Lange war unklar, was die Parasiten zu einer so zielgerichteten Attacke auf unser zentrales Nervensystem bewegt. Doch im Jahr 2016 vermeldeten pakistanische Forscher im "Journal of Receptors and Signal Transduction", die Lösung gefunden zu haben. Demnach scheint Acetylcholin, ein häufig vertretener Botenstoff der Nervenzellen im Gehirn, als Lockstoff für die Parasiten zu fungieren. Für die Studie hat das Team von der Universität Karachi eine andere Amöbenart untersucht, die den menschlichen Körper über offene Wunden entert: In deren Erbmaterial stießen sie auf ein Protein, das eine sehr ähnliche Struktur hat wie ein menschlicher Acetylcholinrezeptor. Diesen fanden die Forscher auch bei näherer Betrachtung der Naegleria fowleri vor. Die Forschenden vermuten deshalb, dass sich die gefährlichen Einzeller dank dieses Rezeptors orientieren und immer weiter in die Geweberegionen mit viel Acetylcholin vordringen.

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