Wegen verwüsteten Knaben-Toiletten wurde im Schulhaus Ebnet in Embrach vorübergehend das WC-Papier in einzelnen Toiletten entfernt. Der Vater eines Primarschülers hat wenig Verständnis für die Maßnahme: "So etwas geht doch nicht. Mein Kind fühlte sich komplett bloßgestellt, als es vor der ganzen Klasse nach WC-Papier fragen musste." Laut dem Vater dauerte die Maßnahme rund zwei Wochen.
Wie es bei der Schulleitung auf Anfrage heißt, hat das Reinigungspersonal schon seit längerer Zeit mit Vandalismus in den Toiletten im Trakt 4 zu kämpfen. So sei das Klopapier großflächig am Boden und den Wänden verstreut, ganze Toilettenrollen in die Kloschüssel geworfen und neben die Toiletten uriniert worden. Die Maßnahme, das Klopapier im Klassenzimmer und nicht in den betroffenen WC-Anlagen zu lagern, habe innerhalb kürzester Zeit zum gewünschten Erfolg geführt. Laut der Schulleitung verfügen mittlerweile wieder alle Toiletten über WC-Papier.
Jugendpsychologe Felix Hof findet die Maßnahme "pädagogisch fragwürdig", wie er gegenüber 20 Minuten sagt: "Eine solche Freiheitseinschränkung ist sehr dramatisch. Man entzieht den Kindern nicht nur urmenschliche Rechte, sondern exponiert sie auf eine Art und Weise, die sich ungesund auf ihre Entwicklung auswirken kann."
Vor allem für Kinder, die schon Probleme haben, sich zu artikulieren und ihre Bedürfnisse mitzuteilen, können solche Maßnahmen schwerwiegende psychische und physische Folgen haben. Einerseits entwickeln die Kinder Schamgefühle. Andererseits kann ein ellenlanges Aufschieben körperliche Beschwerden mit sich bringen und zu Ausscheidungsstörungen führen", so Hof.
Laut Hof gibt es andere pädagogische Maßnahmen, um Grenzen zu setzen. Hier sei unter anderem die Schul- und Sozialarbeit gefragt, welche die Thematik mit den Kindern bespricht. Ebenso eine Möglichkeit sei eine «Art Wachdienst» zu organisieren, bei dem vereinzelte Schülerinnen und Schüler in gewissen zeitlich Abständen WC-Kontrollgänge durchführen, um nach dem Rechten zu schauen. Damit würde man die Problematik direkt angehen und den Kindern die Möglichkeit geben, Verantwortung zu übernehmen.
Psychologe Henri Guttmann sagt dazu: "Eine Kollektivstrafe ist pädagogisch wirkungslos." Es sei besser, den Hintergrund für diese Aktion zu erfahren und den Verantwortlichen zu ermitteln, um mit Hilfe des Schulpsychologischen Dienstes weitere Vorfälle zu vermeiden.
"Die Kinder mit Peinlichkeit und Scham zu bestrafen, ist dabei keine kluge Lösung», sagt Guttmann weiter. Dies könne zur Folge haben, dass die Kinder Verstopfungen bekämen, wenn sie sich nicht mehr trauen, auf die Toilette zu gehen. Psychische Folgen hält er hingegen für unwahrscheinlich: «Sie werden eventuell keine tollen Erinnerungen an die Schule mitnehmen. Größere Auswirkungen auf die Psyche halte ich für unwahrscheinlich."
Erst kürzlich montierte die Sportschule Kriens die WC -Türe ab. Auch hier waren verwüstete Toiletten der Grund. Wie Schulleiter Timo Zemp gegenüber 20 Minuten sagte, seien mehrere Versuche, die Schüler zu sensibilisieren, gescheitert.
An den Zürcher Primarschulen Borrweg und Friesenberg wurde im Zuge einer disziplinarischen Maßnahme ein Fußball-Verbot für den Monat Mai ausgesprochen. Damit reagierte die Schule auf Gewalt unter den Schülern, wie der Schulleiter auf Anfrage erklärte. So hätten sich die Kinder unter anderem im Hooligan-Stil runtergemacht und seien nach der Pause mit Schlachtgesängen in die Schulhäuser eingezogen.