Burgtheater: Schauspieler Gert Voss ist tot

Der langjährige Star des Burgtheaters, der Deutsche Gert Voss, ist tot. Der Schauspieler ist am Sonntag nach kurzer schwerer Krankheit im Alter von 72 Jahren in Wien verstorben. Voss galt als einer der herausragenden Schauspieler seiner Generation, er war Ehrenmitglied des Burgtheaters und Träger zahlreicher Auszeichnungen.

Der Sonntag war ein schwarzer Tag für die österreichische Kulturszene. Zuerst starb Ex-Staatsoperndirektor und Wunderkind mit 84, danach ging Gert Voss von uns. Um welche Krankheit es sich konkret gehandelt hat, wollte die Familie nicht bekanntgeben.

Voss war mit Claus Peymann nach Wien gekommen. Der Theaterdirektor hatte ihn gleich zu Beginn seiner Intendanz mitgenommen. Noch im selben Jahr 1986 wurde Voss als Richard III gefeiert.

Arbeit für Thomas Bernhard

Der österreichische Schriftsteller Thomas Bernhard schrieb dem Schauspieler sogar ein eigenes Stück "Ritter, Dene, Voss" - mit im Titel die beiden Kolleginnen Ilse Ritter und Kirsten Dene. Bernhard nannte sein Stück so, weil er diese drei Künstler in der Uraufführung seines Stückes sehen wollte.

Mit George Tabori

Vom zweijährigen Intermezzo 1994–96 im Berliner Ensemble und an der Schaubühne Berlin abgesehen, gehörte Voss seither dem Ensemble des Burgtheaters an. Enge künstlerische Zusammenarbeit verband ihn am Schauspielhaus Hamburg und am Burgtheater mit George Tabori, der für ihn die Stücke "Requiem für einen Spion", "Goldberg Variationen" und "Die Ballade vom Wiener Schnitzel" schrieb.

Luc Bondy und Andrea Breth

Voss arbeitete auch mit Luc Bondy an der Schaubühne Berlin, am Theater in der Josefstadt, an der Burg und am Akademietheater sowie mit Andrea Breth.

Zuletzt stand Voss für die ORF-Serie "Altes Geld" von David Schalko als alternder Wiener Patriarch vor der Kamera.

Der Kammerschauspieler war mit der Dramaturgin Ursula Voss verheiratet. Tochter Grischka gründete zusammen mit Ernst Kurt Weigel das bernhard ensemble, eine freie OFF-Theater-Gruppe in Wien.

Gert Voss verbrachte seine Kindheit bis 1948 in Shanghai und später am Bodensee. Er studierte Germanistik und Anglistik und nahm privaten Schauspielunterricht bei Ellen Mahlke von 1964 bis 1966.

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"Titan mit phänomenaler Strahlkraft"

In den Turbulenzen um den Millionenverlust an der Burg und die Entlassung von Direktor Matthias Hartmann half er mit, einen neuen würdigte ihn als "Titan" und "Virtuosen" mit "phänomenaler Strahlkraft."

"Mit Kainz und Welles im Theaterhimmel"

Besonders schlimm ist der Verlust für den ehemaligen Burgtheaterdirektor Claus Peymann: "Gert Voss ist ein Teil meines Lebens gewesen ... der wichtigste Weggefährte meiner Theaterarbeit ist verschwunden." Peymann nannte Voss auch "Theatergenie". "Möge er sich im Theaterhimmel zusammen mit Josef Kainz, Orson Welles und den anderen Auserwählten ... erholen", schreibt Peymann. "Ich könnte heulen. Farewell!"

 

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