Burka-Verbot: Heftige TV-Debatte mit Niqab-Trägerin

Bild: Puls 4 (Screenshot)

Viel Aufregung bei "Pro & Contra": Die Vollverschleierung bei Muslima ist vielen Menschen ein Dorn im Auge. Soll es deshalb ein Verbot geben? Die Schweizerin Nora Illi ist mit 18 Jahren zum Islam konvertiert und seither Niqab-Trägerin. Bei Corinna Milborn diskutierte sie Montagnacht (24.10.) mit Burka-Gegnerin Zoe Jenny, dem ehemaligen Bundesrat der Grünen, Efgani Dönmez sowie Frauensprecherin der Grünen, Berivan Aslan.

Viel Aufregung bei "Pro & Contra": Die Vollverschleierung bei Muslima diskutierte sie Montagnacht (24.10.) mit Burka-Gegnerin Zoe Jenny, dem ehemaligen Bundesrat der Grünen, Efgani Dönmez sowie Frauensprecherin der Grünen, Berivan Aslan.

Illi kämpft seit Jahren gegen ein Verbot des islamischen Gesichtsschleiers. Sie selbst entschied sich 2003, unmittelbar nach ihrer Konversion zum Islam, für den Niqab. Bei "Pro & Contra" begründet sie ihre Entscheidung: "Kurz nach meiner Konversion entschied ich mich auch, mein Gesicht zu verschleiern, weil es für mich ein Stück Freiheit ist - es ist im Islam eine normative Option - und es gibt mir das Recht selbst zu bestimmen, wer wie viel von mir sehen kann."

Die Muslima hat aufgrund ihrer Ganzverschleierung in Form eines Niqab bereits gegen das Gesetz verstoßen, denn im Schweizer Kanton , an das sich Illi nicht halten will, sondern rechtlich dagegen ankämpfen möchte. Auf die Frage von Puls-4-Moderatorin Corinna Milborn, warum die Aktivisten nicht in ein anderes Land ziehen will, wo sie ihre Religion auch legal ausleben darf, entgegnete Illi: "Ich bin in der Schweiz geboren, bin dort sozialisiert, dort aktiv. Es kann doch nicht sein, dass ich als Schweizerin aufgrund meiner Religion zum Flüchtling aus meinem eigenen Land werde. Es ist doch mein Recht, dass ich in einem Land, in dem wir die Religionsfreiheit haben, meine Religion ausleben kann und gleichzeitig ein Teil der Gesellschaft sein kann."

"Der Niqab gibt mir Schutz"

Auch für Männer gebe es laut Illi Vorschriften im Islam, der Niqab nehme eine "Schutzfunktion" für sie ein: "Es ist auch meine individuelle Entscheidung, ob ich meinen Körper jemanden zeigen möchte und zudem bedeutet der Niqab für mich, dass es mir einen Schutz gibt und es gibt mir auch die Freiheit, mal zu lächeln, ohne dass ich damit eine falsche Reaktion hervorrufen kann. Es gibt mir die Freiheit, aktiv an der Gesellschaft teilzuhaben, ohne dass ich nur als Frau wahrgenommen werde, sondern darauf gehört wird, was ich sage und wer ich bin."

Dieser Position gegenüber stand Bestseller-Autorin und Burka-Gegnerin Zoe Jenny, die der Meinung ist, dass es in einer "offenen liberalen Gesellschaft einfach dazugehört und dazugehören muss, dass das Grundelement der Kommunikation - nämlich das Gesicht sehen zu können - gewährleistet ist."

"Furchteinflößend"

Für Jenny stellt eine Gesichtsverschleierung vor allem auch einen Sicherheitsfaktor dar. Denn "genau diese offene Gesellschaft bedingt, dass man miteinander kommunizieren kann, dass man sein Gegenüber erkennen kann als Menschen. Es ist einfach auch unheimlich, es ist furchteinflößend. Es ist ein Sicherheitsrisiko, es ist höchst unangenehm und diese Kleidung ist für mich eine ganz klare Absage an Integrationswillen und auch an Anpassungsfähigkeit." Für Illi wiederum zählt das Sicherheitsargument überhaupt nicht, anhand ihrer Augen könne man zudem genug Körpersprache ablesen.

 
Beleidigungen von Dönmez: "Sie sind gehirngewaschen"

Efgani Dönmez, ehemaliger Bundesrat "Die Grünen", brachte sich ebenfalls in die Diskussion ein. Er vertrat die Meinung, dass Illi mit ihrem Auftreten lediglich provoziere: "Statt, dass Sie den Islam vorwärts bringen, wünschen Sie sich einen Islam der Steinzeit zurück. Und das hat mit dem Islam überhaupt nichts zu tun. Das, was Sie hier machen, ist Provokation. Sie bekommen eine Bühne dafür, Sie werden unterstützt von salafistischen wahhabitischen Gruppierungen, Sie sind nur eine Marionette." Der 2015 von den Grünen abgewählte Abgeordnete geht noch einen Schritt weiter: "Sie sind ein Stückchen Elend, ganz ehrlich. Sie wurden gehirngewaschen." Und weiters: "Ich lasse mir meine Religion von Leuten wie Ihnen nicht in den Dreck ziehen."

Illi rechtfertigte sich: "Mir wird vorgeworfen, dass ich mich von der Gesellschaft ausschließen möchte, aber genau das Gegenteil ist der Fall. Ich nehme aktiv an der Gesellschaft teil, gerade weil mir der Niqab das ermöglicht und mir diesen Schutz bietet, ist es nicht so, dass ich mich zuhause verstecken muss, ich gehe raus, ich nehme an Diskussionen teil, ich bin jederzeit offen für Fragen". Sie wolle sich ausdrücklich nicht auf das sprachliche Niveau von Dönmez herablassen.

Berivan Aslan, Frauensprecherin "Die Grünen", die gegen ein Verbot der Burka ist, begründete ihre Meinung damit, dass sie generell gegen eine Gesellschaft sei, in der es Kleidungsvorschriften gibt. "Ich bin für einen offene Gesellschaft und diese offene Gesellschaft muss man anders fördern. Und ich glaube nicht, dass ein Verbot - rein strategisch betrachtet - uns zum Ziel hinführen wird."

Ein Verbot wäre eine Einschränkung der Grundrechte

Illi sieht in einem Burka-Verbot eine Verdrängung der Muslima aus der Gesellschaft, denn muslimische Frauen könnten sich entweder dafür entscheiden, die Burka abzulegen, womit sie gegen ihre Religion handeln würden, oder sich zuhause einsperren: "Wenn wir nun dieses Verbot haben, würde es wirklich darauf hinauslaufen, dass der Mann einkaufen geht, dass der Mann die Kinder abholt, dass sie (Anm.: die muslimische Frau) sich zum Beispiel nur noch im Auto fortbewegen würde."

 

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