Die kleine Lea (1, Name geändert) krabbelt fröhlich auf ihrer Decke herum. Mama Egle (35) räumt das Fläschchen weg, während Andrea sich mit der Kleinen beschäftigt. Eine Aufgabenteilung, die für die junge Mutter enorm wichtig ist. "Lea hat einen Bruder, der nicht einmal zwei Jahre älter ist. Vieles ist alleine mit zwei kleinen Kindern nicht möglich, zum Beispiel einfach mal so Baden zu gehen", erzählt sie.
Hier springt Andrea ein. Die 61-Jährige engagiert sich freiwillig bei "Calimero", einem Projekt der Wiener Caritas. Ehrenamtliche unterstützen junge Eltern bei ihren Aufgaben, entlasten sie in der ersten sensiblen Phase und beugen damit Stress und Erschöpfung vor. Denn: Oft fehle nur ein bisschen Zeit, um kurz durchzuatmen und Dinge zu erledigen. Oder aber es fehlt einfach eine Person, mit der man über auftauchende Fragen sprechen kann.
"Ich komme aus Litauen, mein Mann aus Oberösterreich", erzählt Mama Egle. "Das bedeutet, wir haben hier keine Familie, keine Großeltern, die uns unterstützen." Andrea sei eine "Riesen-Hilfe": "Wir unternehmen auch viel gemeinsam. Wir gehen auf den Spielplatz, ins Museum oder eben Schwimmen. Ich bin so dankbar, dass sie da ist."
Vor einem Jahr ging Andrea in Pension. Ihr ganzes Berufsleben lang war sie als Kindergartenpädagogin und später in der Verwaltung tätig. Schnell war klar: Sie wollte weiterhin Familien unterstützen. "Ich habe eine Beschäftigung für die Pension gesucht und das lag auf der Hand. Bei der Freiwilligenmesse wurde ich auf das Projekt aufmerksam, hatte ein Vorstellungsgespräch und dann ein Kennenlernen. Es hat von Anfang an gut gepasst."
Und das, obwohl es nicht jedem leicht fällt, seinen privaten Raum für Fremde zu öffnen: "Natürlich war ich am Anfang unsicher, man kennt die Person ja gar nicht", so Egle. "Aber das hat sich gleich gelegt." Einmal wöchentlich unterstützt Andrea für einige Stunden die Familie. "Ich bin eigentlich schon eine Oma-Figur", lächelt sie. Die Wienerin hat selbst zwei erwachsene Kinder und einen Enkelsohn.
Das Angebot ist bedarfsorientiert, das bedeutet es kann intensivere und weniger intensive Begleitungsphasen geben. Familien leisten einen kleinen finanziellen Beitrag – dieser wird individuell abgesprochen, auf die finanzielle Situation wird dabei eingegangen. Damit werden Schulungskosten, professionelle Begleitung und Qualitätssicherung des Projektes abgedeckt. 106 Familien wurden im Vorjahr von 149 Freiwilligen betreut. Nach Ehrenamtlichen wird aktuell dringend gesucht, denn knapp 80 Familien stehen noch auf der Warteliste.
Interessierte sollten Einfühlungsvermögen, Zuverlässigkeit und Liebe zu Kindern haben. Die Caritas bietet eine Versicherung während der Einsätze, Vernetzungstreffen, Begleitung durch Koordinatoren und Schulungen. "Man muss die Bereitschaft haben, sich auf die Familie einzulassen und die Art der Erziehung zu akzeptieren", fasst Andrea zusammen. "Ich hatte Glück und bin sehr zufrieden."
Mehr Infos auf www.caritas-wien.at