1.455 Pflanzen in einem Wohnhaus in Hainburg im Bezirk Bruck. In einer professionell betriebenen Cannabis-Plantage. Dazu ein in Armenien geborener Slowake, der die Fäden zog.
Das waren die Eckdaten zu einem Gerichtsprozess, der einen Schöffensenat am Landesgericht Korneuburg beschäftigte.
Außerdem, schreiben die "NÖN", wären für den Plantagenbetrieb Stromzähler manipuliert und Energie im Wert von 60.400 Euro abgezweigt worden. Zwei Komplizen des Slowaken waren bereits im Vorfeld zu 18 und 16 Monaten Haft verurteilt worden. Zum bisher unbescholtenen 47-Jährigen hatte Richter Manfred Hohenecker vor der Verhandlung gesagt: "Es wird bei diesem Strafrahmen ganz wichtig sein, wie Sie sich verantworten." Zehn Jahre Haft standen im Raum.
Die beiden (geständigen) Helfer hatte der Mann gegen Entgelt in der Slowakei angeworben und sie gratis in seinem Haus in Hainburg wohnen lassen. Er habe ihnen auch sein Auto zur Verfügung gestellt und sei selbst immer wieder vor Ort gewesen, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Als Tatzeitraum wurde August 2023 bis Jänner 2024 angegeben, als die Plantage bei einer Hausdurchsuchung entdeckt wurde. Entlarvende Fingerabdrücke wurden sichergestellt, die beiden Helfer hätten den 47-Jährigen zudem mit "Chef" angesprochen, sagten sie in den Vernehmungen.
Der Angeklagte gab vor der U-Haft sein Einkommen mit 5.000 Euro netto an, schreiben die "NÖN". Er sei im Immobilienbereich tätig gewesen – und hatte gleich zwei Verteidiger mit dabei. "Mein Mandant bekennt sich vollinhaltlich schuldig und macht von seinem Recht Gebrauch, sich nicht weiter zu äußern", erklärte der renommierte Anwalt Rudolf Mayer. Es wurde auch darauf hingewiesen, dass der Konsum von Cannabis in vielen Ländern ab 18 Jahren frei sei und "Gefährdungen für die Volksgesundheit nicht in solchem Maße gegeben wären, wie ursprünglich angenommen."
"Es tut mir leid, dass ich in die Situation geraten bin", sagte der Angeklagte auf Nachhaken des Richters am Ende. Er selbst konsumiere Cannabis, sei aber nicht süchtig. Der Vertreterin des geschädigten Energieunternehmens wurden 1.000 Euro als Zeichen des guten Willens überreicht.
Der Schöffensenat verurteilte den Mann schließlich zu einer 21-monatigen Gefängnisstrafe. Dazu muss er 30.000 Euro an das Energieunternehmen zahlen. Es sei erwogen worden, dass es sich um minderschweres Suchtgift handelte. "Aber 1.455 Pflanzen sind nirgends erlaubt", merkte Hohenecker an. Erschwerend sei die führende Rolle des Slowaken gewesen.
Die Beratung des 47-Jährigen mit seinen Verteidigern dauerte kurz: "Er will büßen und nimmt das Urteil an", meinte Mayer. Das Urteil ist laut Staatsanwaltschaft Korneuburg rechtskräftig.