Bei der börsenotierten Telekom Austria AG wird nun der mexikanische Milliardär Carlos Slim Großaktionär: Die von Slim kontrollierte America Movil SAB hat heute fünf Prozent der Telekom-Aktien von Ronny Pecik gekauft und den Kauf von 16 Prozent im Laufe dieses Jahres nach einer Zustimmung der Behörden vereinbart.
Wie America Movil selber auf seiner Homepage mitteilt, hält das mexikanische Unternehmen mit dem heutigen Zukauf 6,7 Prozent an der teilstaatlichen Telekom Austria. Nach Abschluss der Transaktion werde der Konzern etwa 23 Prozent der Telekom-Aktien besitzen.
Die Republik Österreich hält über die Staatsholding ÖIAG rund 28,4 Prozent an der Telekom Austria. Der mexikanische Milliardär Carlos Slim Helu ist laut dem jüngsten Forbes-Ranking der reichste Mann der Welt. Die mexikanische Telekom-Gesellschaft America Movil (AMX) betont, dass sie durch den heute mit Ronny Pecik vereinbarten Erwerb der Telekom-Anteile ein "langfristiger strategischer Partner" der Telekom Austria werde.
America Movil hat 260 Millionen Kunden
Der Kauf sei Teil der geografischen Diversifikationsstrategie des Konzerns und schaffe eine attraktive Präsenz in Mittel- und Osteuropa. America Movil erwarte, eine "konstruktive Beziehung" zu den anderen Telekom-Aktionären zu entwickeln und sei zuversichtlich über die Zukunft der Gesellschaft. Der Investor Ronny Pecik solle Vizepräsident des Telekom-Aufsichtsrats bleiben.
America Movil ist nach eigenen Angaben der führende Mobilfunk-Anbieter in Lateinamerika mit 246 Millionen Handy-Kunden per Ende März 2012. Für die Mexikaner ist der jüngste Schritt die zweite große Anteilsaufstockung in Europa innerhalb kürzester Zeit. Jüngst hatte America Movil den Aktionären der niederländischen KPN ein Angebot zur teilweisen Übernahme unterbreitet.
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Wer ist Carlos Slim Helu?
Der mexikanische Unternehmer Carlos Slim Helu (72), der nun über die von ihm kontrollierte Mobilfunkgesellschaft America Movil als Großaktionär in die Telekom Austria einsteigt, ist laut der jüngsten Liste der US-Zeitschrift Forbes der reichste Mensch der Welt. Er verlor demnach zwar 2011 ein Vermögen von fünf Milliarden Dollar, führt die Liste der Reichsten mit 69 Mrd. Dollar (55,5 Mrd. Euro) aber weiterhin an und besitzt immer noch acht Milliarden mehr als der Zweitplatzierte, Microsoft-Gründer Bill Gates.
Sein Vermögen machte der Sohn einer libanesischen Händlerfamilie bei der Privatisierung der staatlichen mexikanischen Telefongesellschaft Telmex. Er zahlte seinerzeit für das Unternehmen rund 1,8 Mrd. Dollar an den Staat. Nach der Meinung von Experten war Telmex ein Vielfaches mehr wert.
"Besitzer von Mexiko"
Die Privatisierung der Firma Telefonos de Mexico (Telmex) wurde unter Slims Freund und damaligem Präsidenten Carlos Salinas de Gortari in die Wege geleitet. "Während Länder wie Brasilien und die Vereinigten Staaten ihre Monopolbetriebe in untereinander konkurrierende Firmen aufspalteten", so das Wall Street Journal,"verkaufte Mexiko sein Monopol als Ganzes und untersagte sogar für weitere sechs Jahre jede Konkurrenz." Aus einem staatlichen wurde ein privates Monopol, dem auch die Öffnung des mexikanischen Telefonmarktes 1997 nicht viel anhaben konnte. Kritiker orteten dadurch weit überhöhte Preise am mexikanischen Telekom-Markt - von denen Slim profitiert habe.
Als "Besitzer von Mexiko" wurde Slim in der Le Monde Diplomatique tituliert. Egal ob man heute in Mexiko telefoniert, Geld abhebt, ein Hotel bucht, Essen geht oder sich ein Brot kauft - meist profitiert davon Carlos Slim Helu. Mit 25 Jahren gründete er die Investmentfirma Inbursa. Er schuf das Immobilienunternehmen Carso und heiratete die ebenfalls in Mexiko geborene Libanesin Soumaya Domit Gemayel.
Hält auch Aktien an der New York Times
Seitdem hat er mehr Unternehmen gekauft als normale Menschen Hemden. Zu seinem Imperium gehören die mexikanischen Telefonunternehmen Telmex und Telcel, Banken, Hotels, Bauunternehmen, Bergbaufirmen, Restaurantketten, eine Großbäckerei und Kaufhäuser. 2009 unterstützte er die renommierte New York Times (NYT) mit einen mittlerweile zurückgezahlten Kredit von 250 Millionen Dollar. Inzwischen gehören Slim sieben Prozent der Aktien, er hat eine Kaufoption auf weitere neun Prozent, berichtete die NYT im vergangenen Sommer. Slim besitzt auch Anteile an der New Yorker Luxus-Kaufhauskette Saks.
"In der Krise zu wachsen ist eine Frage der Vision", lautet ein Lehrsatz des Magnaten, der sich für Projekte gegen die Armut in Lateinamerika engagiert, mehrere Stiftungen finanziert und seit Jahren auch die Wiederherstellung des historischen Zentrums von Mexiko-Stadt. Außerdem schenkte er der mexikanischen Hauptstadt ein nach seiner Frau Soumaya benanntes Museum, in dem bedeutende Kunstwerke zu sehen sind, die Slim im Laufe der Jahrzehnte gesammelt hat. Gleich daneben ließ er eine neue Konzernzentrale errichten.
"Wie fühlt sich der reichste Mensch der Welt unter 50 Millionen Armen?"
Großzügig zeigte sich Slim aber auch gegenüber Parteien, Politikern und sogar Gewerkschaften, die er mit Spenden und Zuwendungen bedachte. In Mexiko gilt sein Konzern als Rückgrat der gesamten Wirtschaft. "Wie fühlt sich der reichste Mensch der Welt in einem Land mit 50 Millionen Armen", wurde Slim vor Jahren bei einer seiner seltenen Pressekonferenzen in Mexiko-Stadt gefragt. Seine Antwort: "Wenn ich sterbe, werde ich nichts mitnehmen."