Gastgeber am Abend war der rheinland-pfälzische Landeshauptmann Gordon Schnieder. Im Sommer hatte er den Kanzler ordentlich kritisiert, weil dessen Kabinettsumbildung schiefgegangen ist – bei dieser Aktion hat Schnieders Bruder Patrick als Bundesverkehrsminister seinen Job verloren.
Mit dabei waren sieben der acht Landeshauptleute sowie die Landeschefs von Baden-Württemberg und Niedersachsen, Manuel Hagel und Sebastian Lechner. Dieser Kreis war davor schon bei der Sitzung des Parteipräsidiums im Konrad-Adenauer-Haus, der Parteizentrale, gemeinsam mit Merz dabei, wie NTV berichtet.
Ein Video vom SWR-Journalisten Enno Osburg, das er auf Instagram gestellt hat, zeigt, wie der schleswig-holsteinische Landeshauptmann Daniel Günther um 20.46 Uhr "als vermeintlich letzter" bei der Landesvertretung von Rheinland-Pfalz ankommt. Die Vertretung ist mit dem Auto keine zehn Minuten von der CDU-Zentrale entfernt. Osburg schreibt dazu: "Was auffällt: Limousinen aller CDU-geführten Bundesländer plus Baden-Württemberg und Niedersachsen stehen vor der Tür. Nur Nordrhein-Westfalen fehlt."
Um 22.10 Uhr taucht der hessische Landeshauptmann Boris Rhein wieder in der Straße auf, wo die rheinland-pfälzische Vertretung liegt. Er war "gegen halb zehn abgefahren", wie Osburg schreibt. Rhein geht aber nicht in die rheinland-pfälzische Vertretung hinein, sondern in seine eigene, die direkt gegenüber liegt. Dorthin hätte er locker zu Fuß gehen können. "Wo war er zwischenzeitlich?", fragt der SWR-Journalist.
Das Treffen der Landeshauptleute war zu diesem Zeitpunkt noch nicht vorbei: Der baden-württembergische Innenminister Hagel verlässt die Landesvertretung Rheinland-Pfalz um 22.15 Uhr, eine knappe Viertelstunde später gehen die anderen CDU-Politiker – darunter einer, dessen Auto nicht vor der Tür stand: Nordrhein-Westfalens Landeshauptmann Hendrik Wüst. Er trägt keinen Anzug, sondern eine Kapuzenjacke und ein Basecap.
Wüst zählt zu den Unionspolitikern, die immer wieder als möglicher Nachfolger von Merz genannt werden, sollte dieser sein Amt vorzeitig abgeben – oder von den Landeshauptleuten der Union aus dem Amt gedrängt werden. Im April sind in NRW allerdings Landtagswahlen, die Wüst wohl zuerst bestehen will.
Vier Tage vor den Landtagswahlen in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern hatten die CDU-Landeshauptleute Merz noch in einer gemeinsamen Erklärung politisch den Rücken gestärkt. "Die Menschen können darauf vertrauen, dass wir ihre Probleme angehen", steht darin. "Als Ministerpräsidenten wollen und werden wir gemeinsam mit dem Bundeskanzler unseren Beitrag dazu leisten." Die Initiative zu dieser Erklärung soll von Gordon Schnieder ausgegangen sein.
Am Sonntag ist die CDU bei der Wahl in Mecklenburg-Vorpommern erstmals aus einem Landtag geflogen, in Berlin hat sie klar gegen die Linke verloren. Der Druck auf Merz dürfte damit weiter steigen. Am Wahlabend hat sich Merz mit einem Statement im Konrad-Adenauer-Haus zu Wort gemeldet und klargemacht, dass er sowohl Kanzler als auch CDU-Chef bleiben will. Dass ein CDU-Vorsitzender am Wahlabend überhaupt auftritt, ist ungewöhnlich – vor allem so früh nach Schließung der Wahllokale. Zu diesem Zeitpunkt war noch nicht klar, dass die CDU in Mecklenburg-Vorpommern aus dem Landtag fliegt.
Am Montag kommen in Berlin die Führungsgremien der CDU zusammen, um über die Ergebnisse zu beraten: zuerst das Präsidium, dann der Vorstand. Um 13.30 Uhr wird Merz noch einmal vor die Presse treten, gemeinsam mit den CDU-Spitzenkandidaten aus Mecklenburg-Vorpommern und Berlin. Am Dienstag steht eine Sitzung der Unions-Bundestagsfraktion an. Vor allem auf dieses Treffen schauen jetzt viele gespannt.