CETA-Gespräche: Kanadische Ministerin doch nicht abg...

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Überraschende Wende bei den CETA-Verhandlungen: Die kanadische Handelsministerin Chrystia Freeland ist doch nicht aus Brüssel abgereist. Am Samstag traf sie mit EU-Parlamentschef Martin Schulz zusammen. Im Gegensatz zu Freitag sieht sie noch Chancen auf eine Einigung, der Ball liege aber bei der EU. Schulz zeigte sich nach dem Treffen optimistisch.

Während nach dem EU-Gipfel am Freitag bereits viele die Gespräche aufgrund der ablehnenden Haltung der belgischen Region Wallonie für gescheitert hielten, gingen die Gespräche am Samstag nun doch weiter. Der deutsche Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel soll Freeland dazu gebracht haben, nicht nach Kanada zurück zu fliegen. Sie hatte am Freitag bereits erklärt, dass sie keine Chancen mehr auf eine Einigung sehe.

Am Samstagvormittag traf Freeland mit Parlamentspräsident Martin Schulz zusammen. "Ich hoffe wirklich, dass es die Europäer schaffen, zum Abschluss zu kommen und dass ich in ein paar Tagen mit meinem Premierminister wiederkommen kann, um das Abkommen zu unterzeichnen", sagte die Handelsministerin laut Agentur "Belga" nach dem Treffen. Nicht ihr Land, sondern die EU bremse das Handelsabkommen.

Schulz: Fragen der Wallonie sind lösbar

Schulz sagte, das Treffen sei "sehr konstruktiv" gewesen, er bleibe optimistisch. Die offenen Fragen der Wallonie seien durchaus lösbar. Der EU-Parlamentspräsident traf auch mit dem wallonischen Regierungschef Paul Magnette im Parlament zusammen.

Schulz sagte, er wolle verhindern, dass die Gespräche "auf der Zielgeraden" abgebrochen werden. Verhandlungspartner Kanada sei bereit, "die Uhr anzuhalten, bis die EU ihre internen Probleme gelöst habe".

Auch EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker sagte, er glaube noch daran, dass ein Scheitern abgewendet werden könne. "Weder gestern noch heute" sei der letzte Tag für eine Einigung gewesen. Er verliere nicht die letzte Hoffnung, dass es in den "kommenden Tagen" einen Durchbruch gibt. Der österreichische Bundeskanzler Christian Kern sieht dafür noch Zeit bis 27. Oktober.

Seite 2: Mehr über die Wallonie

 
Die Wallonie ist neben Flandern und Brüssel eine von drei Regionen des Königreichs Belgien. Nur wenn alle drei Teile ihr "JA" zu CETA geben, kann Belgien für das Freihandelsabkommen stimmen.

Auf einer Fläche von 16.844 km² leben etwas mehr als 3,6 Millionen Menschen. Die Bevölkerung spricht überwiegend Französisch, im äußersten Osten auch Deutsch. 

Bekannt ist die Region vor allem für ihre Koch- und Speisekultur. Das ist auch ein Grund, warum die Wallonie das Freihandelsabkommen mit Kanada nicht zustimmte, sie wollten mehr Herkunftsschutz für ihre landwirtschaftlichen Produkte, wie etwa das wollonische Rindfleisch. 

2015 war die wallonische Stadt Mons neben dem tschechischen Pilsen eine der Kulturhauptstädte Europas. 

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