Wer derzeit aus einem Drittstaat in den Schengen-Raum einreist, muss sich auf lange Wartezeiten einstellen. Das neue Entry-Exit-System (EES) der EU verlangt von Reisenden die Abgabe von Fingerabdrücken und Gesichtsscans. In der Hochsaison erweist sich das als gewaltiges Nadelöhr.
An Drehkreuzen wie in Frankfurt, Paris, Amsterdam, Brüssel und Mailand stauen sich die Passagiere. Viele verpassen ihre Anschlussflüge. In Brüssel etwa verpassten binnen nur 21 Stunden rund 600 Reisende ihren Flieger.
Um den drohenden Kollaps abzuwenden, greifen Flughäfen und Behörden daher zu einer drastischen Maßnahme, wie heise online unter Berufung auf Politico berichtet: Sie schalten die Erfassung der biometrischen Daten einfach ab.
Rechtlich bewegt sich das im Rahmen der Vorgaben. Die EU-Kommission hat unter dem Druck der Luftfahrtbranche eine Sondergenehmigung für die Sommermonate erteilt. Sie läuft bis zum 6. September. Anstelle der aufwendigen biometrischen Vollregistrierung werden die Dokumente dann in verkürzter Form manuell überprüft.
Lufthansa-Chef Carsten Spohr berichtete von Passagieren, die wegen der Verzögerungen Anschlussflüge verpassten. Air France-KLM bestätigte die temporären Abschaltungen für Paris und Amsterdam.
Das EES läuft seit Oktober 2025 schrittweise und gilt seit 10. April 2026 vollumfänglich. Da das System neu ist, müssen derzeit fast alle Reisenden aus Drittstaaten erstmals komplett erfasst werden.
Trotz der Notabschaltungen betonen die Behörden, dass die Sicherheit nicht gefährdet sei. Die Reisenden würden weiter erfasst und Dokumente abgeglichen. Allerdings fordern bereits acht EU-Staaten sowie die Schweiz eine Verlängerung der Notfallregel über den 6. September hinaus.