Wendet sich doch alles zum Guten im dramatischen Fall um den todkranken Säugling Charlie Gard (11 Monate)?
Fakt ist: Ein bekannter US-Arzt untersuchte jetzt das Baby erneut – und der US-Kongress beschloss die Aufenthaltsgenehmigung für Charlie und seine Eltern. Aber: Am 25. Juli will der zuständige Richter entscheiden, ob der Arzt eine experimentelle Therapie an Charlie in den USA durchführen darf.
Der renommierte Dr. Michio Hirano (56) von der "Columbia University" war am Montag nach London geflogen, hatte mit Charlie Tests durchgeführt und fünf Stunden lang mit anderen Ärzten über neue Therapiemöglichkeiten diskutiert. Das Baby hatte alle vom Richter angeordneten Untersuchungen überstanden, weitere Tests sollen folgen. Allerdings soll Hirano die britischen Ärzte nicht überzeugt haben – sie bestehen weiterhin darauf, die lebenserhaltenden Geräte abzuschalten. Um die Ärzte zu widerlegen, die Charlie u.a. als blind und taub bezeichneten, veröffentlichten die Eltern jetzt ein neues Bild, dass Charlie scheinbar mit offenen Augen zeigt – und wie er auf ein buntes Spielzeug schaut.
"Wir sind so dankbar und zufrieden, dass unser wunderbarer Bub nicht leidet"
Charlies Mutter Connie hatte sich danach in einer bewegenden Botschaft bedankt: "Chris und ich sind so dankbar, dass sich Dr. Hirano und die anderen Ärzte die Zeit genommen haben, Charlie anzusehen. Unser wunderbarer Bub ist immer noch in stabilem Zustand. Wir sind an seiner Seite und sind zufrieden, dass er nicht leidet oder Schmerzen hat. Als Charlies liebende Eltern machen wir das Richtige, indem wir alle Behandlungsmöglichkeiten ausloten."
Hirano glaubt, dass es eine 56-prozentige Chance gibt, dass seine experimentelle Behandlung Charlie Gards Hirnschäden rückgängig machen könnten. Die Ärzte in London hatten die Chancen als "verschwindend gering" bezeichnet.
Zudem hält es der US-Neurologe für möglich, dass die Hirnschäden nicht permanent sind – die Ultraschallbilder würden "keine großartige, strukturelle Schädigung des Gehirns" zeigen.
Per Twitter verkündet: Charlie darf in die USA!
Am Dienstag hatte der US-Kongress den Weg für eine Behandlung frei gemacht und die Aufenthaltsgenehmigung für "Charles Matthew William Gard" und seine Eltern beschlossen. Der republikanische Abgeordnete Jeff Fortenberry aus Nebraska verkündete die frohe Botschaft auf Twitter:
Ist Charlie jetzt US-Amerikaner und nicht mehr von der britischen Justiz abhängig?
Obwohl der zuständige Richter in London verkündete, dass kein Weg an seiner Entscheidung vorbei gehe, überlegen Experten jetzt, ob Charlie durch die unbefristete Aufenthaltsgenehmigung als US-Amerikaner gelte und nicht mehr an britische Gesetze gebunden sein könnte.
Zuvor hatten Gerichte durch alle Instanzen hindurch entschieden, dass die lebenserhaltenden Maßnahmen für den Buben eingestellt werden sollen. Die Ärzte im Londoner Great-Ormond-Hospital, in dem Charlie behandelt wird, glauben nicht mehr daran, dass ihm geholfen werden kann. Er habe bereits irreparable Schäden am Hirn erlitten, argumentieren sie. Sie fordern, dass er in Würde sterben soll. (tas)