Chef: "Wir bieten 30-Stunden-Woche bei vollem Gehalt"

Klaus Hochreiter hat in seiner Firma eMAGNETIX die 4-Tage-Woche eingeführt, bzw. arbeiten alle 30 Stunden zum gleichen Gehalt.
Klaus Hochreiter hat in seiner Firma eMAGNETIX die 4-Tage-Woche eingeführt, bzw. arbeiten alle 30 Stunden zum gleichen Gehalt.eMAGNETIX
Eine Firma aus Oberösterreich hat auf die 4-Tage-Woche bei gleichem Verdienst umgestellt. "Alle sind viel zufriedener", sagt ihr Chef.

Überstunden, kaum Freizeit oder Überarbeitung kennt man im oberösterreichischen Online-Marketing-Unternehmen eMAGNETIX nicht. Vor vier Jahren hat Firmenchef Klaus Hochreiter die Struktur umgestellt. Er zählt zu den heimischen Pionieren der Arbeitswochen-Verkürzung. "Wir haben die 30-Stunden-Woche bei gleichem Gehalt eingeführt", erzählt er im "Heute"-Gespräch.

Seine 35 Mitarbeiter können sich aussuchen, ob sie eine Vier-Tages-Woche haben möchten oder lieber fünf Tage arbeiten, dafür aber früher heimgehen können. "Wir haben unsere Angestellten befragt – die Bedürfnisse sind sehr verschieden." Darauf wird in der Firma, die ihren Sitz 30 Kilometer von Linz hat, total eingegangen. "Man kann sich jede Woche neu entscheiden, wieviele Tage man arbeitet und ob man den Montag oder den Freitag freinimmt."

Mitarbeiter gesünder und motivierter

Klingt zu schön, um wahr zu sein – ist es aber nicht. Denn die lang vorbereitete Arbreitszeit-Umstellung macht sich auch bezahlt. Bei der letzten Umfrage unter den Mitarbeitern kam heraus: "83 Prozent fühlen sich gesünder". Und: "Für 96 Prozent ist die Arbeitsbelastung seither nicht gestiegen, 63 Prozent sagen sogar, sie ist deutlich gesunken", freut sich Hochreiter.

Die größtmögliche Flexibilität, die auch Homeoffice für alle ermöglicht, die es brauchen, hat sich auch während der Pandemie bezahlt gemacht. "Neben der Zufriedenheit konnten wir auch die Produktivität um 34 Prozent steigern", führt der Marketing-Profi aus. "Das liegt auch an unserer modernen Unternehmensführung." So werden am Wochenende etwa die Mailserver abgeschalten, damit niemand in seiner Freizeit Arbeits-Mails schreibt. "Das gilt auch für mich", lacht der Boss.

100 Bewerber auf einen Job

Gerade für jüngere Menschen sei die Work-Life-Balance wichtig, weiß er. "Eine neue Studie, die der 'Spiegel' veröffentlicht hat, zeigt, dass für 57 Prozent der 16- bis 29-Jährigen das Privatleben wichtiger ist, als ihre Arbeit. Darauf muss man auch reagieren."

Seit die 30-Stunden-Woche eingeführt wurde, hat sich auch die Zahl der Mitarbeiter verdreifacht. Und das Interesse, bei der Firma anzuheuern, lässt nicht nach, im Gegenteil. "Wir haben im Schnitt 100 Bewerber auf einen Job", ist Hochreiter hochzufrieden. "Das Modell ist wirklich ein voller Erfolg."

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