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Das steckt hinter Wüsten-Transfers der Chelsea-Stars

Auffällig viele Spieler des FC Chelsea werden aktuell mit Millionen-Angeboten nach Saudiarabien gelockt. Wir erklären, was dahinter steckt.
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21.06.2023, 21:34
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Millionen-Offerten für Altstars

Der Transfer von Chelsea-Star N’Golo Kanté (32) zu Al-Ittihad ist fix. Mehrere weitere alternde Chelsea-Stars folgen wahrscheinlich dem Weg des Franzosen in die Wüste. Mittelfeldcrack Hakim Ziyech (30) geht wohl zu Ronaldo-Club Al-Nassr, Al-Hilal angelt sich Verteidiger Kalidou Koulibaly (32), Al-Ahly soll Goalie Edouard Mendy (31) verpflichten und an Pierre-Emerick Aubameyang (34) sind gemäß Medienberichten gleich mehrere saudische Klubs dran. Auch für Romelu Lukaku soll ein Club aus Saudiarabien geboten haben, dieser habe laut Medien jedoch abgesagt.

Darum profitiert Chelsea von den Angeboten

Chelsea gab letztes Jahr über 600 Millionen Euro für neue Spieler aus, landete aber trotzdem nur im Mittelfeld der Premier League. Damit die Blues die Finanzregeln der Liga und der Uefa einhalten können, müssen sie ihren Kader radikal verkleinern und Transfereinnahmen generieren. Und die wechselwilligen Altstars kassieren bei Chelsea einen hohen Lohn. Koulibaly, Aubameyang, Ziyech und Mendy haben zusammen rund 36,5 Millionen Euro jährlich bei Chelsea verdient.

Mit Ausnahme des ablösefreien Kanté kassieren die Londoner bei Transfers nach Saudiarabien zudem hohe Ablösesummen, die bei einem Wechsel in andere Länder wohl kaum zu erzielen wären. Gegnerische Fans kritisieren die Transfers scharf. "Das ist eine Liga ohne Gesetze", schreibt ein Twitter-User. Ein anderer meint, seine Liebe zum Fußball sterbe von Tag zu Tag, weil Chelsea Transferflops noch gewinnbringend nach Saudiarabien "verfrachten" könne.

So ist Chelsea mit Saudiarabien verstrickt

Mit Karim Benzema wechselte zuletzt ein Real-Profi nach Saudiarabien, Wolverhamptons Ruben Neves folgt ihm. Dennoch ist die Häufung an Transfergerüchten um Chelsea-Stars in den Golfstaat auffällig. Der Grund dafür könnte beim öffentlichen Investmentfonds des saudischen Königreichs (PIF) liegen. Der PIF besitzt neben Al-Hilal, Al-Nassr, Al-Ittihad und Al-Ahli in Saudiarabien auch Newcastle United. Und: Mehrere Milliarden aus dem Fonds werden laut Medienberichten von Clearlake Capital verwaltet. Dem Unternehmen gehören 60 Prozent der Chelsea-Anteile. Chelsea dementierte eine Saudi-Beteiligung bislang stets und auch die Premier League konnte bei der Übernahme durch das von Todd Boehly angeführte Konsortium keinen Interessenskonflikt mit den Newcastle-Besitzern feststellen.

Was sagen andere Premier-League-Klubs und die Uefa?

Uefa-Präsident Aleksander Ceferin sorgt sich nicht. "Sie machen den gleichen Fehler wie damals China, als sie Spieler am Ende der Laufbahn geholt haben", sagte er dem niederländischen TV-Sender NOS über den Transfer-Vormarsch der Saudis. Und: "Ich glaube, es ist in erster Linie falsch für den saudischen Fußball. Sie sollten in Akademien investieren, sie sollten Trainer ins Land holen und die eigenen Spieler entwickeln." Andere Premier-League-Klubs sind alarmierter. Ein Verein lässt dem "Telegraph" ausrichten, dass die Uefa jeden Transfer mit saudischer Beteiligung untersuchen müsse.

Warum pumpen die Saudis Geld in den Fußball?

Erst kürzlich übernahm der PIF vier Topklubs des Landes, darunter Ronaldo-Verein Al-Nassr. Die Klubs wurden privatisiert und in Unternehmen umgewandelt. Das Ganze wurde von Saudiarabiens Kronprinz ins Leben gerufen und ist als Teil eines Investitionsprojekts zu verstehen, das die Vereine auch für internationale Stars attraktiver machen soll.

Unter dem Schlagwort "Vision 2030" lancierte der Golfstaat in den letzten Jahren auch abseits des Fußballs viele Projekte, deren Strategie beinhaltet, das Königreich aus der Abhängigkeit von Öl und Gas zu führen, sowie von der Kritik an Menschenrechtsverletzungen im Land abzulenken. Im Fußball selbst verfolgt Saudiarabien das Ziel, 2030 die WM austragen zu können. Dabei sollen Stars in der heimischen Liga auch als WM-Werbeträger fungieren.

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