Chodorkowski-Partner Lebedew endlich auch frei

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Das Oberste Gericht Russlands hat die Freilassung des ehemaligen Geschäftspartners von Michail Chodorkowski, Platon Lebedew, aus dem Straflager angeordnet. Der Topmanager ist seit Sommer 2003 in Haft gesessen, am Freitag darf er vorzeitig gehen.
, Platon Lebedew, aus dem Straflager angeordnet. Der Topmanager ist seit Sommer 2003 in Haft gesessen, am Freitag darf er vorzeitig gehen.

Der 57-Jährige sollte eigentlich erst im Mai 2014 freikommen.
Ihr Unternehmen Yukos - gegründet 1993 - war einer der größten Erdölkonzerne Russlands. Nach der Inhaftierung von Chodorkowski und Lebedew wurde Yukos zerschlagen und der staatlichen Gazprom einverleibt.

Strategische Entlassung vor Sotschi?

Die beiden waren 2005 wegen Steuerbetrugs verurteilt worden. Präsident Wladimir Putin hatte Chodorkowski Ende Dezember nach über zehn Jahren Lagerhaft überraschend begnadigt. Beobachter werteten das als Versuch, Kritiker vor den Olympischen Winterspielen in Sotschi - einem Prestigeprojekt Putins - zu besänftigen.

Müssen die beiden Steuern nachzahlen?

Allerdings hielt das oberste Gericht am Donnerstag ein Urteil aufrecht, wonach Chodorkowski und Lebedew umgerechnet rund 521 Millionen Dollar (384 Mio. Euro) Steuernachzahlungen leisten müssen. Die Anwälte der beiden bezeichneten das als absurd, der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte habe die Forderung als unangemessen und rechtswidrig bewertet. Die Verteidigung will die Forderung bekämpfen, um Chodorkowski eine zu ermöglichen.

Chodorkowski kommt Putin nicht mehr in die Quere

Chodorkowski war nach seiner Freilassung nach Deutschland gereist und hält sich inzwischen in der Schweiz auf. Der frühere Ölmilliardär kann wegen der Millionenforderungen der russischen Justiz nicht in seine Heimat zurück. Er hat angekündigt, weder unternehmerisch noch politisch aktiv zu werden. Vielmehr wolle er sich für die Freilassung politischer Gefangener einsetzen.

Lebedew wollte keine Gnade

Anders als Chodorkowski hatte sich Lebedew geweigert, ein Gnadengesuch zu stellen. Er war wie Chodorkowski in zwei international kritisierten Prozessen unter anderem wegen Steuerhinterziehung, Geldwäsche und Veruntreuung verurteilt worden. Kritiker hatten den Prozess gegen Chodorkowski und seinen Geschäftspartner als politisch motiviert bezeichnet.

Vor den Olympischen Spielen waren in Russland auch andere Gefangene freigekommen. So wurden etwa die Musikerinnen der im Zuge einer Amnestie aus der Lagerhaft entlassen. Chodorkowskis Anwälte kündigten an, sich auch um die Freilassung weiterer früherer Geschäftspartner und ehemaliger Yukos-Angestellter zu bemühen.
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