Heimische Clubs und Bars hatten stark darauf gehofft, dass die Sperrstunde für Lokale ab 1. August verlängert wird. Viele von ihnen verdienen seit März kaum bis gar nichts mehr. Wie Marianne Kohn, Chefin der legendären "Loos Bar" in der Wiener City nun verrät, ist auch weiterhin um 1 Uhr Schluss mit lustig. "Die Sperrstunde wird nicht auf 4 Uhr Früh verlängert. Die Infektionszahlen sind zu hoch, es ist kein Wunder". Gesundheitsminister Rudi Anschober hat den Aufschub heute gemeinsam mit Branchenvertretern beschlossen. Ende Juli soll neu evaluiert werden.
Für die Branche ist das aus gesundheitlichen Gründen zwar nachvollziehbar, wirtschaftlich aber sehr herausfordernd. "Die Entscheidung, wie es weitergeht, soll Mitte August fallen. Mit den Clubs wird das 2020 nichts mehr", meint Kohn. Mehr noch: "Viele Discos sperren wahrscheinlich gar nicht mehr auf. Ich befürchte, vor Jänner nächsten Jahres wird es kein richtiges Nachtleben geben."
"Die Zahlen steigen uns steigen, das macht natürlich Sinn", sagt Stefan Ratzenberger, Sprecher des Verbands der österreichischen Nachtgastronomie zu "Heute" zu der Entscheidung. "Wir verhandeln seit Ende April und haben nun einen Fahrplan: An einem Tag X wird ab 4 Uhr früh mit maximal 200 Personen oder 60 Prozent der Gäste aufgesperrt. Dieser Tag wird nun nicht am 1. August sein, sondern zu einem späteren Zeitpunkt." 14 Tage danach sollen dann bis zu 750 Personen rein, allerdings nur mit Sektorenbildung, so wie in der Schweiz." Clubs sollen so in verschiedene Partybereiche abgeteilt werden, um die Anzahl der Personen besser überblicken zu können. Dazu muss nicht extra umgebaut werden, Stehtische oder Pflanzen können als Trenner zum Einsatz kommen.
Eines geht Ratzenberger jedoch gegen den Strich: "Wir tolerieren nicht, dass es überall illegale Partys gibt, während wir weiterhin zulassen müssen. Die Nachtgastronomie ist doch nicht der Depp der Nation. Wir fordern, dass der Innenminister dagegen vorgeht." Um die Unternehmer zu unterstützen, wünscht sich der Verein von der Regierung: "Der Fixkostenzuschuss muss für alle, die noch nicht aufsperren konnten, auf 100 Prozent ausgedehnt werden."