Wirtschaft

Computerfirma DiTech muss jetzt saniert werden

Heute Redaktion
14.09.2021, 15:19

Die Wiener Computerfirma DiTech meldet noch diese Woche ein Sanierungsverfahren beim Handelsgericht Wien an. Begleitet von einem Sanierungsverwalter sowie externen Restrukturierungsspezialisten schließt DiTech vor allem kleinere Filialen und verkleinert die Logistik- und Firmenzentrale, wie das Unternehmen am Montag bekannt gab. 60 bis 80 Mitarbeiter werden abgebaut.

DiTech ist nach seiner massiven Expansion neuerlich in Liquiditätsproblemen. Derzeit würden Gespräche mit Banken und einem potenziellen Investor geführt. In einem dramatischen, offenen Brief wandte sich DiTech-Gründer und Geschäftsführer Damian Izdebski am Montag an die Öffentlichkeit, in dem er die Hintergründe der finanizellen Schieflage erklärt und Fehler eingesteht. Zu wenig Lagerbestand, verbunden mit Umsatzrückgängen, hätten zu den Malversationen geführt.

DiTech hat 22 Standorte und 300 Mitarbeiter in Österreich. 1999 eröffnet der damals 23-Jährige EDV-Spezialist Damian Izdebski ein winziges Geschäft für IT-Ware vom Computer über TV-Apparate bis zum Zubehör.

Bereits im Oktober 2013 war das Unternehmen unter Druck geraten. Eine Gefährdung des Unternehmens habe es aber nicht gegeben, betonte Izdebski damals.

Für das aktuelle Geschäftsjahr (bis März 2014) erwartete er seinerzeit einen Umsatz von 130 Mio. Euro, im Jahr darauf sollen es 150 Mio. Euro sein, dann soll die 200 Mio. Euro-Marke geknackt werden. Das Umsatzwachstum bei gleichbleibender Filialzahl soll aus einem umfangreicheren und höherpreisigen Angebot und einem weiteren Wachstum im Onlinegeschäft kommen.

Insolvenz "absehbar"

Kreditversicherer hatten DiTech bereits vor zwei Wochen fallen gelassen. Es gebe keine Deckungen mehr für Kredite von DiTech, nachdem vom Unternehmen keine Unterlagen mehr zur Bonitätsprüfung vorgelegt worden seien, hieß es vom Kreditversicherung Prisma. Die Insolvenz sei daher absehbar gewesen, dennoch sei bis zuletzt "gehofft" worden.   Aus Sicht von Prisma sei die Zeit für die Investorensuche zu knapp gewesen. Die Liquiditätskrise habe bereits im Mai des Vorjahres begonnen. DiTech hätte früher und intensiver mit der Suche nach einem Investor beginnen müssen.

Die Probleme hätten sich auch deshalb abgezeichnet, da das Weihnachtsgeschäft für die Elektronikbranche insgesamt schlecht gelaufen war. DiTech habe zudem getroffen, dass statt PCs und Laptops immer mehr Tablets und Smartphones gekauft werden.

Auch beim Kreditschutzverband KSV 1870 hat sich abgezeichnet, dass sich die Krise von DiTech zuspitzen könnte. Die Kreditschützer gehen nun davon aus, dass Ende dieser Woche die Entscheidung fällt, "ob und in welcher Form" Insolvenz angemeldet wird, so KSV-Insolvenzexperte Christoph Vavrik.

Lesen Sie auf der nächsten Seite den offenen Brief des Geschäftsführers.

Sehr geehrte Damen und Herren, werte Kunden und Geschäftspartner, liebe Mitarbeiter und Freunde!

 

Als wir am 12. März 1999, also vor fast genau 15 Jahren, im Alter von 22 Jahren, zusammen mit meiner Frau Aleksandra die Firma DiTech gegründet haben, hatte ich die Vision eines Computerhandelsunternehmens, das auf kompetenter Beratung, exzellentem Service, sowie einem innovativen Vertriebskonzept aufbaut. Ein Unternehmen, das sowohl im stationären Handel als auch als Onlineshop erfolgreich ist und diese beiden Welten miteinander vereint. In sehr vielen Dingen waren wir damit unserer Zeit voraus und was DiTech im Bereich Vertrieb, Logistik und Marketing gelungen ist, war nicht nur einzigartig, sondern viel mehr, als ich mir je erträumt hätte.

 

Aber ich habe Fehler gemacht: Ich habe mich vom Erfolg des DiTech-Konzeptes und dem damit einhergehenden Wachstum blenden lassen und unterschätzt wie wichtig es ist, dieses enorme Wachstum nachhaltig finanziell abzusichern. Diese auf den ersten Blick überhitzte Expansion war aber keine Manie von mir und auch nicht unbegründet, denn einerseits sind wir entsprechend der Bedürfnisse unserer Kunden gewachsen und andererseits haben wir, je größer wir wurden, bessere Einkaufskonditionen bekommen, die wir an unsere Kunden weitergeben konnten. Dies hat wiederum die Nachfrage verstärkt und die Zufriedenheit der Kunden erhöht. Deshalb war die 100 Mio. Euro Umsatzgrenze erstrebenswert und notwendig. Sie verhieß völlig andere Einkaufsbedingungen und eröffnete uns den Zugang zu neuen Bezugsquellen. Parallel zum Wachstum haben wir innerhalb von nur 5 Jahren ein flächendeckendes, nationales Filialnetz aufgebaut. All unsere Kraft und Anstrengung war auf die Qualität der Beratung, die Logistik und den Verkauf konzentriert. In diesen Bereichen erhielten wir auch eine Auszeichnung nach der anderen, sei es als größter Elektronik-Onlinehändler, oder als bester Elektrohändler des Landes.

 

Geblendet vom schnellen Wachstum und den Erfolgen habe ich es verabsäumt die Finanzierung von DiTech langfristig sicherzustellen. Ein Unternehmen unserer Größe müsste eigentlich einen Lagerbestand von ca. 15 Mio. Euro haben, um die enorme Nachfrage unserer Kunden bedienen zu können. Seit Sommer 2013 arbeitet DiTech allerdings mit einem Lagerbestand von lediglich ca. 5 bis 7 Mio. Euro. Die dadurch verursachten Umsatzrückgänge waren zwar nicht groß, aber verbunden mit immer geringer werdenden Margen und einer auf Wachstum ausgerichteten Kostenstruktur haben sie zu sehr großen Verlusten in den beiden letzten Jahren geführt.

 

Diese Entwicklung hat uns dazu gezwungen, ein Sanierungsverfahren in die Wege zu leiten, das noch im Laufe dieser Woche beim Handelsgericht Wien angemeldet wird. Begleitet von einem Sanierungsverwalter sowie externen Restrukturierungsspezialisten werden wir einige, vor allem kleinere Filialen schließen und die Logistikzentrale verkleinern. Die Verwaltungsprozesse werden dadurch vereinfacht, was wiederum eine Verkleinerung der Firmenzentrale ermöglichet.  In diesem Zusammenhang wird leider auch unser Team um 60 bis 80 Mitarbeiter reduziert werden müssen.

 

In Zeiten, in den ein Elektronikhändler 150 Smartphones oder Tablets verkaufen muss, damit das Monatsgehalt eines einzigen Verkaufsmitarbeiters bezahlt werden kann, werden nur Unternehmen überleben, die extrem effizient und produktiv sind. Um diese Effizienz wieder zu erlangen und alle notwendigen Sanierungs- und Restrukturierungsmaßnahmen durchzuführen bekommt DiTech drei Monate Zeit.

 

Ich habe als Unternehmer viele Fehler gemacht, bin aber von einer erfolgreichen Zukunft dieser Firma überzeugt. Immerhin verzeichnen wir aktuell einen Auftragsstand von ca. 1,5 Mio. Euro an  Bestellungen von über 2.000 Kunden, die leider nicht bedient werden können, weil die Ware fehlt. So bleiben täglich weitere 200 bis 300 Kundenaufträge liegen, die nicht ausgeliefert werden können. Alleine dieser Zuspruch, die Loyalität unserer über 500.000 Kunden und die starke Strahlkraft der Marke DiTech beweisen, dass unser Geschäftsmodell funktioniert und dass es mit der richtigen Finanzierung profitabel geführt werden kann.

 

Mein Wunsch ist es nun, dass wir trotz Sanierung so viele Arbeitsplätze wie möglich sichern können und dass all das, was für unsere treuen DiTech-Kunden einen Mehrwert bedeutet hat, der Service, die Beratung und die einzigartige Kompetenz unserer Mitarbeiter erhalten bleibt.

 

Denn Österreich braucht ein Computergeschäft wie DiTech.

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